Auf der Suche nach dem coolsten Stadtmuseum

2. März 2010, 19:34
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Das neue Wien Museum soll nicht nur größer sein als das alte, es soll auch ein richtiger Hingucker werden - In Liverpool wird seit Jahren am neuen städtischen Museum gebaut

Liverpool/Wien - Seit zwei Jahren sollte man sich eigentlich schon durch das Innere des hellgrauen Baus am River Mersey arbeiten können - und dabei alles erfahren, was man über Liverpool und seine Bewohner wissen muss. Im Jahr 2008 war die englische Metropole Kulturhauptstadt, und Liverpool wollte dabei mit einem spektakulären neuen städtischen Museum im Herzen des historischen Hafenviertels auftrumpfen.

Zwei Jahre später sieht das Museum of Liverpool zumindest von außen relativ fertig aus. Innen drin gibt es außer vielen weißen Wänden und einem repräsentablen Stiegenaufgang allerdings noch nicht viel zu sehen. Bis zum Frühling nächsten Jahres sollen aber alle 6000 Exponate an ihrem Platz stehen, hofft David Fleming, Direktor der National Museums Liverpool. "Unser Anspruch war, das beste städtische Museum der Welt zu bauen", sagt er.

85 Millionen Euro stecken in dem vom dänischen Architekturbüro 3XN geplanten Bau. Die eine Hälfte des Geldes kam dabei vom Staat, die andere aus EU-Fördertöpfen. Einst eine der wichtigsten Hafenstädte der Welt, zählt Liverpool heute zu einer der strukturschwächsten Regionen Europas. Bis in die Sechziger gammelten die alten Docks am Hafen vor sich hin. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde das Areal zum Kulturzentrum der Stadt. Das neue Stadtmuseum wird mitten ins angesagteste Viertel und in unmittelbarer Nähe zu den als Wahrzeichen der Stadt geltenden alten Hafenverwaltungsgebäuden gebaut. "Purer Zufall", sagt Fleming. Die der britischen Regierung unterstellten National Museums of Liverpool kauften das Gelände vor 40 Jahren, "heute ist es das perfekte Setting für ein solches Museum", sagt Fleming.

Hermannpark bis Gürtel

In Wien sucht man noch nach dem perfekten Ort für ein neues städtisches Museum. Der Haerdtl-Bau am Karlsplatz ist bereits vor Jahrzehnten zu klein für die umfangreiche Sammlung des Wien Museums geworden.

Im Auftrag von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) beschäftigen sich deshalb eine Reihe von Experten aus unterschiedlichen Magistratsabteilungen mit der Frage, welche Lücke im Stadtgebiet sich für ein neues, urbanes Museum eignen könnte. Vom Hermannpark über den Hauptbahnhof bis zu einer Überplattung des Gürtels beim Westbahnhof reichen dabei die Überlegungen. Bis zur Wien-Wahl im Herbst soll das Projekt auf Schiene sein. Bezüglich der Finanzierung will sich der Kulturstadtrat nach Liverpooler Vorbild auch nach Geldquellen abseits der Stadtkassa umsehen: "Man muss sich überlegen, welche EU-Fonds man da anzapfen kann", sagt Mailath-Pokorny.

Ganz so günstig wie andere Bundesländer wird Wien trotzdem nicht davonkommen. Oberösterreich, Vorarlberg und die Steiermark geben für ihre neuen Landesmuseen jeweils rund 30 Millionen Euro aus. Allerdings sind diese in Sachen Außenhülle und Geräumigkeit auch wesentlich bescheidener bemessen.

Denn das neue Wien Museum soll mit rund 10.000 Quadratmetern nicht nur in der Größe mit Liverpool mithalten können, der Kulturneubau soll auch Signalwirkung haben. "110 Jahre nach der Eröffnung der Secession wäre wieder ein republikanisches Museum als Kontrapunkt zu den Kaiserbauten fällig", sagt Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums.

Ein echter Kontrapunkt ist auch das Imperial War Museum in Liverpools Schwesterstadt Manchester: Am Flussufer nahe des Fußballstadions von Manchester United baute Stararchitekt Daniel Libeskind das futuristisch anmutende Gebäude. "Wir wollten etwas richtig Fantastisches machen", sagt Museumsdirektor Jim Forrester.

Scheck über elf Millionen

Staat und EU investierten 22 Millionen Euro in den Bau mit 3600 Quadratmetern Ausstellungsfläche, elf weitere kamen von einem Immobilienentwickler, der die umliegenden Grundstücke gekauft hatte. "Ohne ihn hätten wir das Museum nicht bauen können", sagt Forrester. Dass der Milliardär einfach einen Scheck über die Summe ausgestellt habe, sei zwar "irgendwie erschreckend" gewesen, sagt Forrester, "andererseits ist er ein langfristig denkender Mensch, der davon ausgeht, dass der Wert der Grundstücke durch das Museum steigt". (Martina Stemmer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2010)

  • Das Museum of Liverpool im alten Hafenviertel soll 2011 fertig werden
    foto: der standard/martina stemmer

    Das Museum of Liverpool im alten Hafenviertel soll 2011 fertig werden

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    foto: der standard/martina stemmer
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