Kommentierend dürfen sich nur noch ausgewählte Journalisten äußern - Medienleute werden bedroht, Zeitungen geschlossen
Teheran - Von den gezählten 55 im Iran inhaftierten Journalisten sind zu Wochenbeginn sechs nach Kautionszahlungen wieder freigekommen. Gegen mindestens einen von ihnen, Reza Moghiseh, der Oppositionspolitiker Mir-Hossein Mussavi nahesteht, liegt bereits ein mehrjähriges Gerichtsurteil wegen Beteiligung an den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen vor. Die Beweggründe der iranischen Behörden, ihn nach Zahlung von 370.000 Euro auf freien Fuß zu setzen - und andere Journalisten nicht - sind nicht bekannt.
Diese Entwicklung bedeutet auch keineswegs, dass der Druck auf die Medien abnimmt, im Gegenteil. Journalisten wird beinahe täglich gedroht, ihren Mund zu halten, berichtet ein Informant aus Teheran am Telefon dem Standard. Viele Journalisten kehren von Auslandsaufenthalten nicht mehr in den Iran zurück. Am Montag wurden neben der Tageszeitung "Etemad" zwei Wochenblättern die Lizenzen entzogen. Begründet wurde das Vorgehen mit Verletzung des Pressegesetzes. Die Medien waren - im Rahmen - regierungskritisch gewesen.
Auch der Druck auf Künstler wird größer. Am Montagabend wurde der Regisseur Jafar Panahi - dem im Februar die Ausreise zu den Filmfestspielen in Berlin verwehrt wurde - in Teheran in seinem Haus festgenommen, wo er sich zu dem Zeitpunkt mit seiner Frau und 15 Gästen aufhielt. Die Behörden bestätigten die Verhaftung und teilten mit, die Gründe dafür seien weder politisch, noch hätten sie etwas mit seinem Beruf zu tun. Es gehe um andere "Verbrechen". Der preisgekrönte Regisseur hatte sich als Anhänger Mussavis deklariert. (guha/DER STANDARD; Printausgabe, 3.3.2010)