Kahlschlag in Irans Presse

2. März 2010, 18:23

Kommentierend dürfen sich nur noch ausgewählte Journalisten äußern - Medienleute werden bedroht, Zeitungen geschlossen

Teheran - Von den gezählten 55 im Iran inhaftierten Journalisten sind zu Wochenbeginn sechs nach Kautionszahlungen wieder freigekommen. Gegen mindestens einen von ihnen, Reza Moghiseh, der Oppositionspolitiker Mir-Hossein Mussavi nahesteht, liegt bereits ein mehrjähriges Gerichtsurteil wegen Beteiligung an den Unruhen nach den Präsidentschaftswahlen vor. Die Beweggründe der iranischen Behörden, ihn nach Zahlung von 370.000 Euro auf freien Fuß zu setzen - und andere Journalisten nicht - sind nicht bekannt.

Diese Entwicklung bedeutet auch keineswegs, dass der Druck auf die Medien abnimmt, im Gegenteil. Journalisten wird beinahe täglich gedroht, ihren Mund zu halten, berichtet ein Informant aus Teheran am Telefon dem Standard. Viele Journalisten kehren von Auslandsaufenthalten nicht mehr in den Iran zurück. Am Montag wurden neben der Tageszeitung "Etemad" zwei Wochenblättern die Lizenzen entzogen. Begründet wurde das Vorgehen mit Verletzung des Pressegesetzes. Die Medien waren - im Rahmen - regierungskritisch gewesen.

Auch der Druck auf Künstler wird größer. Am Montagabend wurde der Regisseur Jafar Panahi - dem im Februar die Ausreise zu den Filmfestspielen in Berlin verwehrt wurde - in Teheran in seinem Haus festgenommen, wo er sich zu dem Zeitpunkt mit seiner Frau und 15 Gästen aufhielt. Die Behörden bestätigten die Verhaftung und teilten mit, die Gründe dafür seien weder politisch, noch hätten sie etwas mit seinem Beruf zu tun. Es gehe um andere "Verbrechen". Der preisgekrönte Regisseur hatte sich als Anhänger Mussavis deklariert. (guha/DER STANDARD; Printausgabe, 3.3.2010)

Kommentar posten
15 Postings
Tim miller
00

Mit Verlaub, aber jedem das recht auf Selbstbestimmung zugestehen zu wollen ist doch dumm.
1. Ist dies in keinem staat auf der welt realität
2. Stehen sich irgend wann immer Interessen entgegen und die einer seite werden dann beschnitten.
Wie schon beschrieben wurde versucht jetzt eine Minderheit, nämlich die Ober- und obere Mittelschicht ihre Interessen mit Hilfe des Auslands gegen die Unterschichte durchzusetzen.
Was das mit Demokratie zu tun haben soll ist mir schleierhaft.

Regenfall
10
Das ist die islamische Demokratie

Bis die an die Macht kommen, reden sie von der Dem. und sobald sie sie haben, wird nur noch nach ihrer Pfeife getanzt. Die Türkei mit Erdogan ist gerade auf dem selben Weg dort hin!

Rigglerobber
00
Türkei und Iran?

Viel Ahnung von den dortigen Verhältnissen haben Sie nicht, gell?

Zinsmeister
 
20
"Kommentierend dürfen sich nur noch ausgewählte Journalisten äußern"

und hier im standard duerfen sich wohl nur ausgewaehlte poster aeussern.

derstandard: gorilla im glashaus, der staendig mit steinen wirft...

Mucosaprolaps
22

Es ist lächerlich und wehleidig, einen Forumsautomaten, der unverlangt zugesandte Leserbrieferln vorsortiert, mit der systematischen Ausschaltung der freien Presse durch irans Diktator zu vergleichen!

Baer8
12
Hier geht es um westliche Interessen im Iran...

Die unterdrückte Bevölkerung besteht in Wirklichkeit aus einer reichen Oberschicht die gerne die Kontrolle im Land zurück hätte und von den ausländischen Geheimdiensten mit Geld versorgt wird. Mit Hilfe dieser reichen Bevölkerungsschicht möchte man wieder an die Bodenschätze des Irans herankommen.

Mucosaprolaps
20

Lächerlich. Als nächstes wirst uns noch einreden, dass die "reiche Oberschicht" in Wirklichkeit alles Juden sind?

Und nur weil die Mörder und Regierungsfans großteils Analphabeten sind, haben sie deiner Meinung nach mehr Recht als die gebildete Oberschicht???

Emiliano Zapata
 
00
so ein verhalten zeigt die schwäche des regimes

und dass die bewegung des letzten frühjahrs noch lange nicht abgeebbt ist. auch früher schon haben sich die iraner als ziemlich hartnäckig erwiesen, ein regime zu stürzen. und das wird diesmal wohl kaum anders sein. traurig nur, dass dabei eine menge menschen zu schaden und ums leben kommen werden. aber die tage der iranischen revolution sind wohl gezählt...

Julia9813
00
Journalisten wird beinahe täglich gedroht, ihren Mund zu halten

den saztz könnte man vielleicht doch noch korrigieren, sonst heißt's wieder die österreicher können kein deutsch;-)

so go
122
nichts neues

nur "fakten" und ein erhobener zeigefinger. kein wort davon, dass von aussen enormer druck auf den iran ausgeübt wird obwohl dessen recht auf selbstbestimmung nicht in frage gestellt werden kann.

das regime wäre schon hart genug zu ertragen, aber dieser druck von aussen ist ein versuch den iran zu zerstören und nicht -wie unermüdlich behauptet wird- zu erlösen!

finger weg... das gehört nicht uns!

. Diogenes
01
Ich wette

der Großteil der roten Stricherl kommt von Iranern

Tethys
12

Selbstbestimmung fängt bei den Bürgern eines Staates an, aber der Iran gesteht das seinen eigenen Bürgern nicht zu. Haben Sie das übersehen oder ignorieren Sie das absichtlich?

Tim miller
50

In Deutschland zumindest sind die Mehrheit der Berichte über den Iran tendetiell oder gar reine Propaganda.
Ich frage mich langsam ob ein Verbot der Presse die der eigenen Ideologie oder den Eliten zuwieder sind nicht ehrlicher sind als Zensur über finanzen oder andere weniger durchschaubare Wege durchzuführen.

. Diogenes
01
Genau !

Es geht doch nichts über eine gute, ehrliche geradlinige Diktatur, die dem Bürger ins Gesicht sagt,
dass sein Leben nichts wert ist.
Was soll dieses Gewäsch in Pseudo-Demokratien wie Deutschland oder Österreich die uns glauben machen, wir würden in Freiheit, Demokratie und Wohlstand leben.
Der Unterschied zwischen dem Iran und Österreich ist doch nur, dass die Folterkammer im Iran Evin heißt und bei uns RTL und SAT1.

8kob
05
sonst alles paletti?

es sollte doch jeder person das recht auf selbstbestimmung zugestanden werden, das gilt auch für bewohnerInnen des Irans

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