Kopf des Tages

Der Mufti weist Terroristen den Weg zur Hölle

2. März 2010, 18:12

Muhammad Tahir ul-Qadri, pakistanischer Islamgelehrter

Es ist eine westliche Dauerforderung an islamische Intellektuelle, die Muhammad Tahir ul-Qadri mit seiner Fatwa nun übererfüllt: Auf den 600 Seiten seines Rechtsgutachtens räumt der pakistanische Religionsgelehrte nicht nur mit dem extremistischen Märtyrer-Kitsch auf, er sagt den potenziellen Terroristen auch deutlich, wo sie nach seiner Rechtsauffassung landen: nämlich in der Hölle.

Zur Verbreitung dieser Nachricht steht dem 59-jährigen Mufti seine Organisation Minhaj ul-Quran zur Verfügung, der Weg des Koran. Minhaj, in Lahore ansässig, hat Zweigstellen in 90 Ländern. Der Einfluss der Organisation ist jedoch schwer zu quantifizieren. Qadri hat junge Muslime in der Diaspora als Publikum erkannt, das spirituelle Leitung besonders nötig hat. Minhaj soll laut Homepage „Frieden und Harmonie zwischen den Gemeinschaften" fördern sowie die Wiederbelebung einer islamischen Spiritualität.

Diese ist bei Qadri teilweise im Sufismus - der islamischen Mystik - angesiedelt, und der verträgt sich nicht mit einem politisch radikalisierten Islam. Mit „modern" im Gegensatz zu „konservativ" sollte man die Tendenz seines Islams aber nicht verwechseln, was nicht heißt, dass er sich nicht in vielen Fragen für Frauenrechte einsetzt. Aber Blasphemie etwa ist für ihn ein nicht zur Diskussion stehendes Thema. Von den Mohammed-Karikaturen zeigte er sich zutiefst getroffen und verlangte strengere Gesetze im Westen. Als Jurist gestaltete er das entsprechende Gesetz in Pakistan mit - das der Denunziation von Nichtmuslimen Tür und Tor geöffnet hat. Qadri hat kräftig an der Islamisierung der pakistanischen Justiz mitgeholfen.

Der Vater dreier Töchter und zweier Söhne ist ein überaus fruchtbarer Autor, sein Curriculum nennt an die tausend Schriften, von denen hunderte gedruckt wurden. Als Sohn eines Gelehrten in Jhang geboren, genoss Qadri eine klassische islamische Ausbildung, zum Teil auch in Saudi-Arabien. In Pakistan stieg er bald zum einflussreichen Rechtsgelehrten auf, wobei er laut seiner Selbstdarstellung auf viele ihm angebotene hohe Posten - unter anderem auf mehrere Ministerämter - verzichtete.

Das bedeutet aber nicht, dass Qadri politikabstinent ist: 1989 gründete er seine eigene Partei, die Pakistan Awami Tehrim (Pakistan Volksbewegung), eine kleine islamische Liste, die jedoch immer in der politischen Bedeutungslosigkeit blieb und 2008 die Wahlen boykottierte. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2010)

Kommentar posten
13 Postings
Ardschuna
10
Wie sang einer so schön:

Imagine there's no countries
It isn't hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too

positivist1
 
00
and no place to live on

walter von der vögelweide
20
dieser Mufti ist sehr umstritten

gilt als von den Amis gekauft.

Girgl Galgenstein
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12.3.2010, 15:11
Und was wäre die Konklusion aus Ihrer Meinung?

Dass ein echter Muslim sich niemals gegen Selbstmordattentäter aussprechen dürfte? Wenn er sich dagegen ausspricht muss er Ihrer Logik nach also gekauft sein. Was bezwecken Sie damit? Wollen Sie uns damit erzählen, dass echte Muslime Selbstmordanschläge begrüßen?

Walter Tiefenthaler
00
bloed wird der geheimdienst sein?

was wundert ist, dass dieses gutachten so spaet kommt. interessant waere aber zu wissen welches schicksal den soldaten der anderen seite droht. oder sind das die guten?

santamonica
32
Von den Mohammed-Karikaturen zeigte er sich zutiefst getroffen und verlangte strengere Gesetze im Westen.

wieder sei erinnert: die (rechtsliberale) dänische zeitung , die die mohammedkarikaturen veröffentlichte lehnte vorher die veröffentlichung von jesus - kariakturen ab!

positivist1
 
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Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun

Muslime haben ein ganz anderes Verhältnis und Verständnis zu diesen und für diese Karikaturen.

Auch für Muslime die sich nicht mehr zu den Gläubigen zählen, sind solche Karikaturen etwas Unzulässiges.

Es gibt eben einen Unterschied zwischen den Kulturen und viele der daraus resultierenden Anschauungen und Gepflogenheiten werden "vererbt" und bleiben lange erhalten, unabhängig von jeder Religionsausübung.

Und darum wäre es nicht unklug, wenn jede Kultur gewisse Eigenheiten einer anderen Kultur respektiert.
Aber das ist ein schwieriges Kapitel.
Es erfordert sehr viel guten Willen von jeder Seite.

J R
01

wieviele tausende Jesuskarikaturen hat es schon gegeben, und wieviele Unruhen deswegen?
Selbst mir als Atheisten ist bekannt. daß eine Mohammedkarikatur ja wohl eher einer Apostelkarikatur gleichzusetzen ist, oder ist Mohammed mittlerweile in den göttlichen Status aufgestiegen?

positivist1
 
00
Die Muslime, egal ob praktizierend oder nicht, empfinden

solche Karikaturen nun mal als besondere Respektlosigkeit, ja Blasphemie gegenüber ihrem verehrten Propheten.

Das ist ein Fakt.

Und wir werden es ihnen nicht ausreden können, wenn wir darauf hinweisen mit dem Hinweis, dass es uns christlich geprägten Menschen nichts ausmacht, wenn es Karikaturen von Jesus gibt.

Im Gegenteil, damit setzen wir uns in deren Augen herab.

Und um des Friedens willen sollte es eigentlich möglich sein, seine eigene Freiheit nicht unbedingt soweit "auszureizen" dass wir damit andere Kulturen provozieren.

Und schon gar nicht solche, die Menschen als lebende Bomben ausbilden und ihnen versprechen, dass auf sie das Himmelreich warten würde.

santamonica
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nachdem ich auch wie sie atheist bin, finde ich interessant, dass für sie die kritik gottes oder der apostel oder mohammeds von unterschiedlicher "güte" sind. ;-))

zensur passiert
01
und woher stammt diese weisheit?

quellenangabe bitte, denn ich habe aus der damaligen zeit jede menge jesus und andere christl. karikaturen. Jesus und seine Jünger durch den kakao zu ziehen bringen auch österreicher zusammen, einer wurde in griechenland deswegen sogar verurteilt

santamonica
00
http://de.wikipedia.org/wiki/Jyll... nds-Posten WIKIPEDIA ist zwar nicht wirklich eine Quelle im engeren Sinn, aber lesen Sie mal

santamonica
00
http://de.wikipedia.org/wiki/Jyll... nds-Posten WIKIPEDIA ist zwar nicht wirklich eine Quelle im engeren Sinn, aber lesen Sie mal

....Medial lieferte Jyllands-Posten dem in der Mitte der 1990er-Jahren aufkommenden Rechtspopulismus um Pia Kjaersgaard und seit 2001 den einwanderungsfeindlichen Positionen des rechtsliberalen Anders Fogh Rasmussen "Begleitschutz".....
.........Da die Abbildung von Mohammed im Islam nicht erlaubt ist, wurde gegen diese Karikaturen demonstriert und von den Demonstranten teils eine Bestrafung der Zeitung und der Karikaturisten gefordert. Dies wurde unter anderem von der Regierung mit der Begründung der geltenden Presse- und Meinungsfreiheit abgelehnt. Später wurde jedoch bekannt, das die gleiche Zeitung Jesus-Karikaturen abgelehnt hatte, weil diese die religiösen Gefühle der Leser verletzen würden.......

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