Hardcore-Berlusconianer können sich auf iTunes eine vorteilhaft bebilderte "iSilvio"-Hagiografie auf ihr Handy laden
Fernsehsender, Zeitungen, Illustrierte, Buchverlage und Radiostationen sind nicht genug. Neuerdings gibt es Silvio Berlusconi auch auf iTunes: Hardcore-Berlusconianer können sich dort eine vorteilhaft bebilderte „iSilvio"-Hagiografie auf ihr Handy laden. Kostenpunkt: 79 Cent. Binnen weniger Tage hat es die Applikation unter die 70 meistgekauften Programme gebracht. Das ist die beste Nachricht, die der italienische Ministerpräsident in den vergangenen Wochen bekommen hat.
Denn politisch läuft es momentan alles andere als rund für den Mailänder Magnaten - im Gegenteil. Die Pleite mit den Listen vor den kommenden Regionalwahlen ist nur mit massiver Rechtsbeugung zu sanieren. Der Korruptionssumpf blubbert so sehr, dass es selbst Berlusconis Parteigängern zu viel wird. Und wenn es nur ginge, würde der Cavaliere sein eigenes Parteibündnis gleich selbst auflösen, um alleine in den Sonnenuntergang zu reiten. Gäbe es eine Steigerungsstufe für „Nichts geht mehr", in Rom fände sie dieser Tage wohl ihre Anwendung.
Die italienische Zivilgesellschaft, zuletzt bei einer Großdemonstration auf der Piazza del Popolo in Rom, lässt ihrerseits gar keine Politiker mehr auf ihren Kundgebungen zu. Der Ruf der römischen Politik ist derart ramponiert, dass es selbst in Italien unangenehm auffällt. So gesehen ist iSilvio in der Tat eine hübsche Trost-Applikation - für den Ministerpräsidenten und jene Mehrheit der Italiener, die ihm trotz allem noch immer die Treue halten. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2010)