Vancouver-Bilanz in Italien und Russland ein Politikum
Rom/Moskau - Italien und Russland sehen sich als große sportliche Verlierer der verwichenen Winterspiele in Vancouver. Italiens Außenminister Franco Frattini, früher übrigens als Skilehrer tätig, macht die Wintersportverbände für die verheerende Ausbeute von nur fünf Medaillen (einmal Gold durch Slalomläufer Giuliano Razzoli) verantwortlich. "Ich frage mich, wie man von den Athleten verlangen kann, dass sie sich auf wichtige Dinge konzentrieren und ihre Sorgen vergessen sollen, wenn sie die Reisekosten für Trainingslager selber zahlen müssen. Und dann, in Zeiten finanzieller Abstriche, werden Verbandsfunktionäre mit ihren Frauen nach Vancouver geschickt. Das ist völlig sinnlos" , sagte Frattini der Gazzetta dello Sport.
In Russland hat Sportminister Witali Mutko auf die Kritik von Dmitri Medwedew reagiert. Der Präsident hatte den Rücktritt von Sportfunktionären gefordert, nachdem die russische Mannschaft nur 15 Medaillen, davon drei aus Gold, erbeutet hatte. 27 bis 31 Medaillen waren gefordert worden. Er könne seinen Posten zur Verfügung stellen, sagte Mutko, "aber ob der Sport davon profitiert, weiß ich nicht" .
Für die Heimspiele 2014 in Sotschi sieht Mutko noch schwarz. Erst 2018 sei die Erneuerung des russischen Leistungssports abgeschlossen. "Es gibt keine Wunder im Sport." Regierungschef Wladimir Putin hat gerade in Hinblick auf 2014 eine eingehende Analyse des üblen Abschneidens in Vancouver gefordert. (APA, red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2010)