Wirtschaft & Recht

EU-weite Regulierung für Internet-Glücksspiel

02. März 2010 17:05
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    Foto: matthias cremer

    Über 3000 Glücksspielseiten sind in Österreich aufrufbar. Ob gesetzliche Monopole in diesem Bereich tatsächlich Kriminalität verhindern und für Rechtssicherheit sorgen können, ist zumindest umstritten.

Sind Glücksspielmonopole im Internet der beste Weg zur Kriminalitätsbekämpfung? Nein, widerspricht ein Rechtsexperte dem EuGH-Generalanwalt

Sind Glücksspielmonopole im Internet der beste Weg, um Kriminalität zu bekämpfen? Nein, widerspricht ein Rechtsexperte dem EuGH-Generalanwalt: Ein regulierter Wettbewerb im Online-Gaming wäre viel wirksamer.

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Beim Glücksspiel stehen Gerichte in ganz Europa vor national unlösbaren Rechtsfragen und befassen den Europäischen Gerichtshof regelmäßig mit Vorabentscheidungsverfahren. Zwei Schlussanträge der zuständigen Generalanwälte zu Österreich und Schweden haben vergangene Woche erneut die Problematik offenbart.

Der Schlussantrag von Jan Mazák (Rechtssache C-64/08) beanstandet - wie berichtet - das österreichische Glücksspielmonopol, weil dieses Unternehmen ohne Sitz im Inland vom Konzessionserwerb ausschließt und damit diskriminiert. Diese Beschränkung der Dienst- und Niederlassungsfreiheit könne auch aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit nicht gerechtfertigt werden. Der Schlussantrag von Yves Bot (C-447, 448/08) hält hingegen Glücksspielmonopole sogar im Internet für zulässig; diese Beschränkung sei durch das Ziel der Kriminalitätsbekämpfung gerechtfertigt.

Zwei Schlussanträge, an denen sich die Problematik der uneinheitlichen europäischen Rechtslage zeigt. Dass die Judikatur damit nicht allein fertig werden kann, ist klar. Zumindest sollte sie sich in ihrem Bemühen um Rechtssicherheit aber den Gegebenheiten der modernen Informationstechnologie nicht verschließen. Genau darauf läuft aber Bots Schlussantrag hinaus, wenn er meint, dass die Ziele der Kriminalitätsbekämpfung es rechtfertigen, das Glücksspiel im Internet durch nationale Monopole zu beschränken.

Dabei wird einiges übersehen: Die Durchführung im Internet unterliegt nicht nur der Geldwäsche-Richtlinie, sondern ermöglicht insbesondere auch eine bessere Kontrolle allenfalls krimineller Aktivitäten der Anbieter. Sowohl deren Verhalten als auch jenes der Spieler kann elektronisch exakt nachvollzogen werden, womit auch der Spielerschutz effizienter erfolgen kann als im herkömmlichen Wett- oder Kasinobetrieb.

Die Beweisführung des Generalanwalts widerspricht sich auch selbst: Da Online-Gaming ein Faktum ist (über 3000 Glücksspielseiten sind in Österreich aufrufbar), werden sich Anbieter von europäischen Monopolen nicht verdrängen lassen, sondern gezwungen, ihrerseits "illegal" zu agieren. Kriminalität wird daher durch Monopole nicht bekämpft, sondern de facto gefördert. Um sich der Verfolgung zu entziehen, werden Anbieter ihre Online-Dienste tendenziell aus Regionen anbieten, in denen Kriminalitätsbekämpfung bzw. auch die Durchsetzung nationaler Sanktionen erschwert oder überhaupt unmöglich wird.

"In kontrollierte Bahnen"

Wenn man also Anbieter durch Monopole faktisch schon nicht ausschließen kann, sollte man - auch aus fiskalischen Interessen - versuchen, sie rechtlich einzubeziehen. Nur dadurch kann das Internet-Glücksspiel im Sinne der jüngsten EuGH-Entscheidung Bwin gegen Santa Casa (C-42/07), auf die sich der Schlussantrag Bots bezieht, "in kontrollierte Bahnen gelenkt" werden. Mit anderen Worten: Rechtssicherheit beim Online-Gaming ist nicht durch Monopole, sondern nur durch europäische Regulierung möglich.

Um den Weg dafür freizumachen, sind die Mitgliedstaaten im Sinne von Mazáks Schlussantrag zunächst aufgerufen, nationale Barrieren abzubauen. In einem regulierten Wettbewerb könnte das Glücksspiel nach dem Vorbild der erfolgreich liberalisierten Telekommunikation dann unter der Aufsicht unabhängiger Regulierungsbehörden und gegenseitiger wettbewerbsrechtlicher Kontrolle der Mitbewerber zeitgemäß und sicher stattfinden. (Wolfgang Zankl, DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2010)

Zur Person

Wolfgang Zankl ist Professor für Zivilrecht an der Universität Wien und Direktor des Europäischen Zentrums für E-Commerce und Internetrecht.

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12 Postings
langella8
15.03.2010 13:58
Einbinden, aber auch bei den Steuern!

Ich halte es eigentlich schion für sinnvoll eine gesamteuropäische Lösung für dieses Problem anzustreben. Von mir aus kann man nationale Monopole dadurch auch brechen, aber man darf nicht vergessen, dass die nationale Lotterie auch die kompletten Steuern hier bezahlt und sich nicht in ein Niedrigsteuerinselchen á la Zypern verkriechen kann. Das müsste gleich in diese Regelung miteinbezogen werden. Wenn die gleichen Rechte für alle, dann auch die gleichen Pflichten.

AllaArrabiata
09.03.2010 16:53

Also wer auf solchen Seiten spielt, ist echt selbst mit schuld ... Wenn man denn unbedingt online zocken möchte, warum dann nicht auf Win2Day mit staatlicher Konzession oder anderen "sicher legalen" Seiten? Bevor ich mir da nen tollen "Bonus" aufschwatzen lasse (der dann eh im Null-Komma-nix weg ist), hab ich lieber die Sicherheit, dass ich nicht abgezockt werde und bei Gewinnen auch gutes Geld sehe ...

sabs
12.03.2010 00:53

Kann dir in diesem Punkt nur zustimmen! Diese Bonussachen sind doch nur Lockmittel. Ich würde auch nicht unbedingt auf einer Pokerseite mit Sitz auf den Antillen oder Gibraltar spielen! Vorallem in Österreich sind wir durch win2day zum Glück ohnehin abgesichert!

Jan Sommer
17.03.2010 08:30
Nur warum soll ich auf einer website spielen, wo ich


identifiziert und total überwacht werde und nicht bei einem Anbieter, der seit vielen Jahren viel besser und seriös 98% zertifizierte Auszahlung garantiert ??
js

AllaArrabiata
31.03.2010 03:04
Wie ...

... garantiert dieser Anbieter das denn? Durch einen Text auf seiner Website?
Wenn ich nicht jemanden persönlich kenne, der dort schon gewonnen und das auch ordnungsgemäß ausbezahlt bekommen hat, dann kann man mir viel erzählen ...

Und wie kontrolliert dich Win2Day? Weil du deine Daten eingeben musst? Also mir ist lieber, ich weiß, dass ich bei einem legalen, seriösen Anbieter bin, der dann meine Adresse und mein Geburtsdatum kennt, als bei einer anonymen Seite aus Gibraltar abgezock zu werdne - so geheim ist meine Addy jetzt wirklich nicht und da ich auch keinen "Dreck am Stecken" hab oder schwer spielsüchtig bin, hab ich auch nix zu verbergen.

Automatenverband.at
03.03.2010 09:32
Wer immer behauptet man kann Online Gambling

oder der Zahlungsverkehr dazu erfolgreich verbieten, verhindern oder behindern, hat entweder keine Ahnung wovon er spricht oder sagt die Unwahrheit.

Dscheneräjschen Makulade
03.03.2010 12:21

Kreditkartenzahlungen könnten die KK-Firmen mittels Blacklist zum Großteil ganz einfach verhindern. Die großen Online-Anbieter sind ja keine Nomaden, die von einer URL zur nächsten wandern.

Automatenverband.at
03.03.2010 13:51
7995 ist der Code mit dem Online Gamblinganbieter

identifiziert werden - wertlose Gaukelei, denn niemand braucht oder muss (ganz legal) diesen Code benutzen.

Dscheneräjschen Makulade
03.03.2010 01:03

"Da Online-Gaming ein Faktum ist (über 3000 Glücksspielseiten sind in Österreich aufrufbar), werden sich Anbieter von europäischen Monopolen nicht verdrängen lassen, sondern gezwungen, ihrerseits "illegal" zu agieren. Kriminalität wird daher durch Monopole nicht bekämpft, sondern de facto gefördert."

Auf Deutsch: Gesetze fördern den Gesetzesbruch. Also weg mit den Gesetzen. Gutes Argument.

gutartiger Bösmensch
03.03.2010 09:20
Nein

Gesetze so schreiben, dass sie EU-weit anwendbar sind und mit den EU-Regeln übereinstimmen und nicht auf den Regeln basieren, die noch unterm Adi eingeführt wurden und eh nicht kontrolliert werden (kleines Glücksspiel und Jugendliche). Dann kann man Glücksspiel auch EU-weit reglementieren und kontrollieren. Derzeit ist es ja nicht mal auf Bundeslandebene in Österreich einheitlich.

da dude
02.03.2010 21:06

Ich glaube trotzdem noch immer, es handelt sich hierbei um Online-Gambling, nicht Online-Gaming.

Dscheneräjschen Makulade
03.03.2010 00:56

Sehr richtig! Ein Euphemismus, den die illrgalen Glücksspielanbieter gerne verwenden.

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