Risiko wächst

Banken stoppen Fremdwährungs-Kredite

02. März 2010 14:25
  • Artikelbild
    grafik: apa

FMA zieht Not-Bremse, Bank Austria bietet Kreditnehmern Gratis-Konvertierung und Härtefall-Pakete

Wien - 35 Milliarden Euro haben jetzt per Anfang März 2010 die Banken an private Haushalte - fast ausschließlich Häuslbauer - in Fremdwährung verliehen. Diese Summe wird die nächsten 15 bis 20 Jahre nur mehr abschmelzen. 250.000 Privatpersonen und Haushalte haben Fremdwährungsdarlehen laufen, durchschnittliche Laufzeit 20 bis 25 Jahre, das meiste in Schweizer Franken. Frühere Aussichten, sich viel zu ersparen, sind durch die Finanzkrise weggewischt. Die Kreditnehmer kamen von mehreren Seiten in die Mangel. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die Bremse gezogen. Die Banken bieten (freiwillige) spesenfreie Konvertierung, wie etwa die Bank Austria.

Ein Drittel aller Wohnraumkredite sind in Fremdwährung. Durchschnittssummen: 120.000 bis 180.000 Euro. Österreichs Häuslbauer können sich künftig nicht mehr in Franken & Co verschulden und darauf spekulieren, sich mit Kurs- und Zinsdifferenzen viel Geld zu ersparen. Die meisten Banken haben schon aufgehört, riskante Fremdwährungskredite (Zins-/Wechselkursrisiko) mit ebenso riskanten kapitalmarkt-abhängigen Tilgungsträgern (Fonds-Veranlagungsrisiko) zu vergeben. Als Risiko hinzu kam steigende Arbeitslosigkeit mit wachsenden individuellen Kreditproblemen. Nach vergeblichen Versuchen einer freiwilligen Selbstregulierung der Banken hat nun die Finanzmarktaufsicht (FMA) durchgegriffen. Mit Kundmachung (Mindeststandards mit "dringender Empfehlung") wird noch im März dem privaten Fremdwährungskredit das "amtliche" Aus beschert. In der Bank Austria begrüßte das Management am Dienstag das De-Facto-Verbot zur Vergabe endfälliger privater Fremdwährungskredite auf Basis kapitalmarktabhängiger Tilgungsträger.

Nur ausgewählte Private - etwa grenzüberschreitend Tätige oder Haushalte mit sonstigem Fremdwährungseingang - sollen in Hinkunft am Bankschalter noch solche Darlehen bekommen. Handelsfinanzierungen von Firmen, wo das Gros der Summen in fremder Währung einen realen wirtschaftlichen Hintergrund hat, sind laut Bankenangaben nicht betroffen.

Nie mehr wieder

Für den Häuslbauer wird es diese Finanzierungsform mit Tilgungsträger nie mehr geben, hieß es heute bei der Bank Austria, die - ebenso wie Raiffeisen - auf 18 bis 20 Prozent des Marktes kommt. Also auf rund 7 Mrd. Euro. Die 60.000 Bank-Austria-Kunden werden jetzt beraten, in Richtung Umschichtung auf Euro oder auch Tilgungsträger-Umstellung oder auch Teil-Konvertierung. Zwangskonvertierung gebe es nicht, sagt die Bank.

Die Zeiten haben sich drastisch geändert: Lange Zeit, aktuell zwischen 2000 und 2008, lagen die Zinsen in der Schweiz bis zu 2 Prozent unter den Zinsen in Euro. "2.000 Euro bei einem 100.000-Euro-Kredit sind schon eine signifikante Summe gewesen", sagte am Dienstag Bank-Austria-Retailvorstand Rainer Hauser bei einer Pressekonferenz. Mittlerweile ist der Zinsvorteil vom Franken auf ein halbes Prozent geschmolzen.

Seit 2007 ist zudem das Währungsrisiko größer geworden: Seit 2007 schwankte der Franken zum Euro um bis zu 16 Prozent, der Yen zum Euro sogar um 35 Prozent. Jede Spekulation gegen den Euro beeinflusst direkt den Verschuldungsgrad des Häuslbauers.

Dazu kam das Problem mit dem Modell Tilgungsträger, der in endfälliger Variante am Ende der Laufzeit den Kredit tilgen soll. Oft sind das fondsgebundene Lebensversicherungen oder andere Fondsprodukte, die in der Finanzkrise zum Teil "unter Wasser" gerieten. Die "Liquiditätsfalle" schnappt schon zu, wenn die Performance um wenige Punkte sinkt. Beispiel: Endfälliger 200.000-Euro-Kredit mit erwarteter Nettoperformance von 4,5 Prozent beim Tilgungsträger. Sinkt die Performance nur um einen Prozentpunkt, fehlten am Ende schon 27.000 Euro, bei 2,50 Prozent fehlte schon ein Viertel (50.000 Euro).

Großes Kundenintersse

Banken berichten, dass das Kundeninteresse anhaltend groß wäre. Die Bank Austria, die nach eigenen Angaben zu über 80 Prozent als Tilgungsträger Lebensversicherungen heranzog (davon ein Viertel Fondsgebundene) lobt das Aus für diese Darlehensvariante, hatte aber kein Problem "als Bank". Die Kredite sind zudem hypothekarisch besichert. "Aber wir wollen als Bank Austria keine Immobilien verwerten aus diesem Titel", versicherte der Leiter Privatfinanzierungen der Bank, Wolfgang Schilk. Die Kunden sollten aber wissen, dass Wohnraumbeschaffung nicht mit Spekulation zusammengeführt werden dürfe.

"Noch" sind es die bei allen Kreditarten üblichen 2 bis 3 Prozent der Kunden, wo sich die Rechnung gar nicht ausgeht. Die Zahl könnte in nächster Zeit steigen, verbunden mit dem Euro-Währungstrend. Zur Zeit werden viele 10-jährige Darlehen fällig, der große Schwung wird um 2018/2019 erwartet.

Die FMA drängt die Banken, die Fremdwährungspositionen rasch abzubauen, den Kunden den Ausstieg zu erleichtern. Die Bank Austria betont, auch diese Mindeststandards überzuerfüllen, mit vier abgestuften Paketen". Allen (privaten) Fremdwährungskreditkunden werden beim Umstieg auf Eurokredite die Konvertierungsgebühren erlassen. Im "Arbeitslosenpaket" erstreckt die Bank zudem die Laufzeiten und stellt das Darlehen ein Jahr tilgungsfrei. Darüber hinaus gefährdete FX-Kreditnehmern werden noch 12 Monate alle Zinsen erlassen. Besondere Härtefälle sind in einem Notfallplan Sache des "Ombudsprozesses", hier entscheidet ein Gremium und am Schluss der Vorstand von Fall zu Fall. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6
huz1
15.04.2010 14:35
fremdwährungskredite sind soooo böse!

wer der gewinner in diesem spiel ist steht schon mal klar da... der verlierer: die konsumenten!

quid pro quo
03.03.2010 18:35

Bei dieser FMA-Empfehlung - und mehr ist es nicht - wird versucht, zu Lasten der Konsumenten in bestehende Verträge einzugreifen und diese für blöd zu verkaufen.

Wenn der Konsument in EUR wechseln WOLLTE, dann kann er ja das jetzt schon, auch ohne FMA-Empfehlung an die Banken.

Hier soll der Konsument nur in eine schlechtere Position gedrängt werden. Unternehmer und Banken finanzieren sich nach wie vor im äußerst kostengünstigen CHF und machen damit Geld.

Nur die "dummen" Bankkunden sollen mehr für das Produkt (Kredit) zahlen als Unternehmer und Banken für ein und dasselbe Produkt.

Die FMA sind nur die Handlanger der Unternehmen zu Lasten der Konsumenten. Darum hat die FMA ja auch nicht bei der HYPO Kärnten, NÖ etc. eingegriffen.

Chocoholic
03.03.2010 19:42
Richtig. Ich aergere mich immer mehr ueber diese und andere

"Informationen", die von offiziellen Stellen immer mehr dazu missbraucht werden, den eigenen Status zu verbessern, bzw. eigene Interessen als 'besonders gescheite SpezialistInnenmeinung' zu verkaufen.

grenzwertig
03.03.2010 16:08
"FMA zieht Notbremse" ... "die FMA drängt die Banken ..."

... was soll das eigentlich heißen?

Was konkret hat die FMA gemacht, um den Banken FW-Kredit zu "verbieten".

Mir ist kein Rechtsinstrument bekannt mit dem die FMA den Banken VERBIETEN könnte (zukünftig) FW-Kredite zu vergeben. Die FMA ist salopp formuliert die für Banken zuständige Aufsichtsbehörde und kann div. Handlungen einer Bank im nachhinein mittels Bescheid als rechtswidrig erklären. Aber es ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, wie es der FMA möglich sein soll den Banken die Vergabe von FW-Krediten zu verbieten.
Und an eine Emfpehlung der FMA kann, aber muss sich keine Bank halten.

Falls hier Juristen (was ich nicht bin) mitlesen und diesbzgl. "Licht ins Dunkel" bringen könnten, würde mich das sehr freuen.

Tony S
03.03.2010 16:14
Es gibt noch andere als rein rechtliche Aspekte.

Wenn die FMA eine _dringende_ Empfehlung rausgibt, und eine Bank hält sich nicht dran, dann wird diese Bank wahrscheinlich um so dringender geprüft und überprüft werden.

grenzwertig
03.03.2010 16:58

dann würde ich es für angebracht halten, wenn die medien das auch dementsprechend kommunizieren.

so tun die banken ja so (bzw. wird es in den medien so dargestellt), als ob die "böse FMA" etwas verbietet und die bank muss sich (leider) daran halten.
in wahrheit kommt diese fma-"empfehlung" den banken sehr recht, denen ansonst nämlich fma-"empfehlungen" auch ziemlich wurscht sind.

Tony S
03.03.2010 12:42
Spekulation auf Kredit

ich verstehe nicht, wieso im Standardforum der FW-Kredit dermaßen verteidigt wird und wenns woanders um die Spekulanten geht, dann wird gleich mit Lynchjustiz gedroht.

Endfälliger FW-Kredit mit Tilgungsträger = Spekulation auf Kredit!!

Und wenn ich da von Tilgungsträgern lese, die fast 50% im Jahr machen, dann läufts mir kalt den Rücken runter. Da hat mit "Sicherheit" nichts mehr zu tun!

Kris Hinber
03.03.2010 11:27
Es geht auch anders

Ich hatte FX Kredit (über 175.000€) laufen und immer das zinsniveau des CHF "genossen". Mein Tilgungsträger machte nach 8 Jahren -1,2% (das war blöd). Als dann die gesamte Debatte über Immofinanz als Tilgungsträger aufkam habe ich 20.000€ in Immofinanz investiert (bei 0,36 kurs) und bei 3 verkauft. Schwups war ich Schuldenfrei. Obs schlau war so hoch zu pokern? keine Ahnung, aber es fühlt sich gut an ohne Schulden zu sein.

Dorian Gray
03.03.2010 12:59
Sie hätten auch in kasion gehen können und alles

auf Rot setzen.
Die Chancen stehen 50:50.

Tony S
03.03.2010 12:30
Hat gar nix mit FW-Krediten zu tun.

War spekulation pur. Glück gehabt.

Chocoholic
03.03.2010 19:44
Wer sich im Markt wirklich auskennt, wird Ihnen bestaetigen koennen,

dass diese 'hochspekulative' Aktion nichts weiter war als das von vielen sehr Einflussreichen Menschen perfekt inszenierte Geld Verdienen. Hinber hat es halt mit ein paar Tausend auch gemacht, ohne Einfluss zu haben, wie es passiert, er hat sich halt an zwei Fingern ausgerechnet, was Maechtige als Naechstes planen, bzw. wie sich der Markt entwickeln wird....

niehammawassa
03.03.2010 11:08
kein Zinsunterschied?

Summe: € 300.000,- für Haus

Rate (Euro, Bank Austria, 03.03.2010): € 1432,- /Monat
Rate (Franken, Bank Austria, 03.03.2010): € 898,- /Monat (Tilgungsträger inkludiert).

Ersparnis: €534,- pro Monat!

prusiner
03.03.2010 11:22
Tilgungsträger

schon einmal genau die Performance des Tilgungsträgers angeschaut?

Chocoholic
03.03.2010 13:33
Der Tilgungstraeger ist also das Problem. Warum also die Fremdwaehrung so verteufeln, wenns am Tilgungstraeger liegt?

niehammawassa
03.03.2010 11:32
ja

performance 2009: 46% (nach 2008 kein Wunder, ich weiss...), über die Laufzeit (seit 2002): 5% p.a nach Spesen.

Tony S
03.03.2010 12:35
Ein Tilgungsträger, der 46% pa machen kann?

Puh, mutig! Sind die Valium inkludiert? Oder ignorieren sie das Risiko einfach?

niehammawassa
04.03.2010 07:54
Valium?

nicht notwendig, sehr hoher Anteil am Templeton Growth Fund (einer der konservativsten im globalen Aktiensektor); Wertentwicklung 1 Jahr (Daten vom 4.3.2010): +44%.

www.franklintempleton.de

Tony S
04.03.2010 22:33
Konservativ?

Sogar Franklintempleton bezeichnet den Fonds in der Risikoklassifizierung: erhöht.
http://www.franklintempleton.at/pdf/funds... _at_de.pdf

Performance(in EUR):
10 Jahre: -3,6%
5 Jahre: -10%
3 Jahre: -28,75%

Vola zwischen und 20% und 30%

Viel glück! ;-)

ger65
03.03.2010 11:01
super werbung von der banken-pr-agentur FMA

verunsicherung der kunden von heute, die gestern noch gerne von den banken als fx-kunden genommen wurden.

abgezockt und aus dem chf rausgedrängt wird deshalb, weil die banken sonst höhere eigenmittel für die kreditvorsorgen aufwenden müssen, die sie für ihr ostgeschäft bräuchten. da kommt dann die kooperation mit der fma ganz gut und am ende zahlt es wieder der leichtgläubige und verunsicherte konsument.
den banken war und ist der konsument schon immer schei**egal gewesen. aber die lämminge lassen sich da sicher auch gut gesteuert beeinflussen und werden wieder draufzahlen!

wer jetzt aus der fremdwährungsfinanzierung rausgeht und auf so lockangebote reinfällt ist wohl wirklich selber schuld.

Hotspur
03.03.2010 10:28
die banken .. die verbrecher

man muss sich mal fragen, warum den kunden ein kostenloser umstieg gerade zum jetzigen zeitpunkt empfohlen wird. alle die ihren CHF z.b. in der nähe von 1,55-1,58 abgeschlossen haben realisieren damit echte unnnötige verluste. hab selber einen CHF laufen, bin mir aber sicher, dass 80% null tau haben um was es da überhaupt geht geschweige denn was der libor chf ist.

Das Kapital ist die wahre Macht
03.03.2010 10:21
Wie kurzsichtig sind hier alle?

Ist es nicht so, dass die Banken vor den bereits gewährten Krediten ordentlich Schiss haben müssen, wenn man sich die Entwicklung der Einkommen und der Arbeitslosen ansieht ?

Viele Kredite würde man Heute nicht mehr gewähren - hat sie aber schon!!! Das ist doch das Problem!

Die Lawine der geplatzten Kredit kommt doch erst so richtig ins Rutschen! Davor muss man wirklich Schiss haben. Und die Banken wissen was auf sie zukommt. Nicht nur in Osteuropa sondern auch hier vor der Haustüre!

seneca6
03.03.2010 09:24
Was ist meit der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Zinsersparnis

die ganzen Probleme mit Währungsrisiko und Tilgungsträgern, die hier herbeigeredet werden, sind alle nur dann schlagend, wenn die Kredite gerade fällig sind, da wirds aber nicht sehr viele geben, weil angefangen hat das Mitte der 90 er Jahre, ein Boom in den letzten 10 Jahren. Man muss sich fragen, wem das nützt und warum sich die FMA dafür einspannen lässt??

Interista66
03.03.2010 10:55
und die volkswirtschaftliche bedeutung des waehrungsrisikos?

das eine haengt ja mit dem anderen unmittelbar zusammen. das hat ein cross-currency geschaeft so an sich. das hat im privatkundenangebot einer bank nichts verloren!

seneca6
04.03.2010 09:35
Das Währungsrisiko beim CHF ist relativ gering

und carry trades gibts nur für die Banken selber, die dürfen die Vorteile nutzen und wenn sie dabei pleite gehen, werden sie aufgefangen. Ich kenne keinen CHF Kreditnehmer, der auf Grund des Währungsrisikos in echte Schwierigkeiten geraten ist,

The Dark
03.03.2010 09:52
wenn man sich

20.000 bis 30.000 Euro an Zinsen erspart muss dass erst einmal durch den Tilgungsträger oder Wechselkurs wieder kaputt gemacht werden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 228
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.