Jafar Panahi wäre Ehrengast der heurigen Berlinale gewesen, durfte nicht reisen - und wurde nun an "unbekannten Ort" gebracht
Teheran - Der renommierte iranische Filmregisseur Jafar Panahi ist nach Angaben von Regimegegnern in Teheran festgenommen worden. Oppositionelle Websites zitierten den Sohn des Filmemachers, nach dessen Angaben Panahi zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und anderen Dissidenten am Montagabend verhaftet worden sei. Insgesamt 17 Menschen wirden während einer privaten Versammlung in Panahis Haus festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht.
Ein regimekritischer Film soll Auslöser gewesen sein. Panahi
sei festgenommen worden, weil die Sicherheitsbehörden
dessen Veröffentlichung verhindern wollten, hieß es am
Mittwoch. Der 49-Jährige habe sich mit 15 weiteren Dissidenten getroffen, um
unter anderem über den Vertrieb seines Films im Ausland zu sprechen,
als die Sicherheitskräfte - in Zivil gekleidete Männer - in das Gebäude stürmten, berichteten
Oppositionelle. Der Geheimdienst habe zuvor einen Tipp bekommen.
Am Donnerstag wurde bekannt, dass mehrere Angehörige und Freunde von Panahi wieder freigelassen wurden. Wie die oppositionelle Internetseite Kaleme.com berichtete, wurden 14 der Festgenommenen am Mittwochabend wieder auf freien Fuß gesetzt, darunter die Frau Panahis und seine Tochter. Der Regisseur selbst und zwei seiner Begleiter befinden sich somit weiterhin in Gewahrsam.
Die iranischen Justizbehörden begründeten die Festnahme mit einer nicht näher genannten Straftat. Der
Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafar Dolatbadi hatte am
Dienstag erklärt, die Festnahme sei nicht politisch begründet.
Nach einem Bericht der oppositionellen Internetseite Rahesabs soll Panahi an einem Film über die Massenproteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad gearbeitet haben. Im Juli waren Panahi und seine Familie schon einmal kurzzeitig festgenommen worden, nachdem sie an einer Gedenkfeier für die Studentin Neda Agha-Soltan teilgenommen hatten, die bei den Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl erschossen worden war.
Panahi war im Februar als Ehrengast zur 60. Berlinale eingeladen, durfte aber nicht ausreisen. Er gilt als einer der wichtigsten unabhängigen Regisseure im Iran. Im Jahr 2000 hatte er mit seinem Film "Der Kreis" den Goldenen Löwen von Venedig und mit "Offside" 2006 einen Silbernen Bären in Berlin gewonnen. (APA)