Fetale Entwicklung

Gute Nachrichten für gestresste Schwangere

2. März 2010, 12:44

Stress während der Schwangerschaft reduziert "Baby-IQ" - Mutterliebe im Säuglingsalter macht die negativen Folgen hoher Cortisolspiegel wett

New York/London - Eine feste Bindung zwischen Mutter und Kind im Säuglingsalter kann Schäden gutmachen, die hoher Stress in der Schwangerschaft oft auslöst. Das berichten US-amerikanische und englische Forscher in der Fachzeitschrift "Biological Psychiatry". Erstmals belegten sie in einer Untersuchung von Mutter und Kind, dass erhöhte Stresshormone in der Schwangerschaft die Intelligenz von Kleinkindern senkt. Bei Kindern, die im Säuglingsalter eine sichere Beziehung zu ihrer Mutter besaßen, waren jedoch keine negativen Effekte zu finden.

Bisher gibt es mehrere Hinweise darauf, was erhöhter Stress einer werdenden Mutter bewirken kann. "Das Risiko des ungeborenen Kindes verdoppelt sich, später das Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zu entwickeln. Ähnliches gilt auch für Depressionen und Lernschwierigkeiten", berichtet die Studienautorin Vivette Glover vom Imperial College London. Weniger gut erforscht sei bisher der Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Schizophrenie und Autismus. Die aktuelle Studie konzentrierte sich allerdings auf kognitive Beeinträchtigungen.

Stresshormon heute ungünstig

Die Wissenschaftler entnahmen 125 werdenden Müttern in der 17. Schwangerschaftswoche Fruchtwasser und untersuchten, wie viel Cortisol es enthielt. Dieses als "Stresshormon" bekannte Stereoid produziert der Körper besonders dann, wenn er Strapazen, Nervosität oder Anspannung empfindet. Viel später - im 17. Lebensmonat der bereits geborenen Kinder - stellte man diesen in Puzzles, Spielen und Erinnerungstests altersgerechte Denkaufgaben. Außerdem analysierte man, wie sicher die Bindung zwischen Mutter und Kind war, wofür man das Verhalten bei fremden Aufsichtspersonen und beim Entfernen der Mutter beobachtete.

"Erstmals konnten wir zeigen, dass mehr Cortisol die Gehirnfunktion verschlechtert. Die Konzentrationsphasen waren bei diesen Kindern kürzer, die Sprache und Problemlösung schlechter, der 'Baby-IQ' in Summe geringer", berichtet Glover. Dass der Fötus das Cortisol nicht blockiert, dürfte evolutionäre Gründe haben. "Scheinbar war es früher sinnvoll, wenn man schon vor der Geburt auf eine Umgebung mit hohem Stress vorbereitet wurde. Das Überleben hing oft davon ab, wenn man die Aufmerksamkeit anderer erregen, aggressiv sein oder Regeln brechen konnte. Heute ist solches Verhalten jedoch nicht hilfreich."

Fürsorge ist stärker als Cortisol

Die gute Botschaft für gestresste Schwangere zeigte sich jedoch, als die Forscher den Zusammenhang mit der Mutter-Kind-Bindung analysierten. Die negativen Folgen der hohen Cortisol-Aussetzung als Embryo verschwanden vollständig, wenn die Mütter ihnen ein hohes Maß an Geborgenheit vermittelten. "Die meisten Mütter schaffen es, so eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen, indem sie ihm mit viel Feingefühl begegnen. Bei Depression ist das ein schwieriges Unterfangen", so die Forscherin.

Wichtig sei es, Müttern mit schlechten Voraussetzungen für diese Bindung nicht zu beschuldigen, sondern ihnen nötige Unterstützung zu geben. "Mediziner sollten geschult werden, um Stress bei Schwangeren und jungen Müttern rechtzeitig zu erkennen. Außerdem braucht es frühe Hilfen für Mütter, damit sie sich dem Kind feinfühlig zuwenden zu können", so der Ratschlag der Studienautorin. Die frühkindliche Bindung ist zudem auch für die Entwicklung bis ins Erwachsenenalter wichtig.

Weitere Forschungen notwendig

Nicht geklärt wurde in der Untersuchung allerdings, ob das erhöhte Cortisol im Fruchtwasser tatsächlich von der Beunruhigung der Mütter stammte. "Auch wenn dies wahrscheinlicher ist, könnte das Hormon auch auf Stress zurückgehen, den die Embryos selbst empfunden haben", betont Glover. Auch könne man aufgrund des speziellen Versuchsaufbaus nicht feststellen, inwiefern die Mutter-Kind-Bindung auch andere negative Effekte von erhöhtem Stress in der Schwangerschaft ausgleichen kann. Als nächstes wollen die Forscher klären, wie sich Stresshormone und Mutterbindung im Schulalter auswirken. (pte)

Eine sichere Bindung heilt und bereitet fürs spätere Leben vor (Foto: pixelio.de/Meltis)

Abstract der Originalstudie:

Maternal Prenatal Cortisol and Infant Cognitive Development: Moderation by Infant-Mother Attachment

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22 Postings
Hans Müller1
 
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Dass eine Mutter die während der Schwangerschaft

gestresst ist wahrscheinlich auch später eher gestresst ist und sich das auf das Kind auswirkt kann natürlich keine Rolle spielen
Dafür kann man ja auch keine teuren Medikamente entwickeln, gegen Cortisol schon

Aurora17
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ich hoffe mal dass keine Ethikkommission der Welt ne Amniozentese ohne Indikation genehmigt, womit sich der Rest dieser anscheinend äußerst spekulativen Studie von selbst erledigt

Kathi1609
 
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leider werden solche dinge tatsächlich immer wieder bewilligt.

auch fruchtwasserpunktionen unter "gesicherten bedingungen", so stand das mal in einer begründung, die mir bezüglich punktionsstudie zwecks sichtung irgendwelcher genfaktoren, die mir jetzt runtergefallen sind, mal unter die nase kam ...

da in der evidenzbasierten wissenschaft prospektive studien als höherwertiger angesehen werden als retrospektive sichtung existierender untersuchungsergebnisse, wird bei gefinkelter argumentation vieles durchgewunken ...

(und ich bin ein fan der evidence based medicine, nur manchmal, siehe hier, verkommt sie zu rein selbstreferentieller hirnwiXXerei mit fragwürdigen "ergebnissen" ...)

contains sugar
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... weswegen die evidence based medicine normalerweise solche vorgehensweisen immer wieder aufs neue hinterfragt...

Totaler Durchblicksstrudel
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Abgesehen davon erzählt mir mein Endokrinologe seit Jahren, dass man Cortisol ausreichend zuverlässig nicht direkt bestimmen kann, d.h. weder aus Urin noch aus Blut. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass die aus dem Fruchtwassern gewonnen Werte zuverlässiger sein sollen!

contains sugar
00

abgesehen davon haben z.b. dicke menschen oft von haus aus einen höheren cortisolspiegel. der ist aber weder schädlich noch sonst was. wir menschen sind nicht alle gleich. trotzdem versucht man immer, menschen in normen zu pressen.
und dann wird menschen, die nicht in die norm passen, eingeredet, sie seinen krank. (auch wenn sie sich herrlich gesund fühlen und das auch sind!)
so verdient eine neue medizinsparte extrem viel geld mit völlig gesunden menschen.

Kathi1609
 
01
Danke für den letzten Absatz

Hab mich zuerst schon gewundert, ob niemandem aufgefallen ist, dass das gefährliche Reinstechen zur Fruchtwasserentnahme allein genug Stress beim Kind auslöst ...

Übrigens gibt es auch Untersuchungen, dass Frau die Schwangerschaft umso stressiger empfindet, umso mehr sie überwacht und gescreent wird, weil jede neue Untersuchung, bei der etwas Negatives festgestellt werden könnte (oder meist irgendwas Komisches vermittelt wird), die Frau ängstigt. Leider gelingt es immer wieder, an sich gesunde Schwangerschaften zu potentiellen Gefahrenträgern zu machen.

Auch darüber sollten sich Schwangere wie BegleiterInnen im Klaren sein. Oft reicht es, die Kontrollen auf ein vernünftiges Minimum zu reduzieren und sich selbst viel Wissen anzuschaffen.

contains sugar
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super beitrag!

selbständigkeit und wissensaneignung sind sowieso die besten möglichkeiten, um echte gefahren zu erkennen und ihnen ausweichen zu können.

contains sugar
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spricht dieser artikel nicht eindeutig dafür,

dass mütter mindestens 1 jahr in karenz gehen sollten?

jaws
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oder die väter.

crossboarder
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nein, weil eine sichere bindung nicht von zeitlichen faktoren abhängt, sondern davon, wie eltern und kind in ihrer konkreten lebenswelt miteinander interagieren...

tom2312
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Mit vielen modischen Vokabeln um die Antwort herumformuliert ...

LPFe
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geht auch kürzer

es zählt Qualität und nicht Quantität

tom2312
10

... Hoffentlich wissen das auch die Babys.

eva lindt
 
23
bindung

entsteht, wenn man zeit miteinander verbringt.
was hilft dem baby die einfuehlsamste mutter, wenn sie in kritischen momenten nicht da ist?

nam eda
12

da ist dann hoffentlich der einfühlsame vater/die einfühlsame oma/die einfühlsame tagesmutter/der/die einfühlsame kindergartenpädagoge/in..

ich verstehe diese glorifizierung dre mutterrolle einfach nicht.

contains sugar
00

du verstehst wahrscheinlich auch nicht, dass jedes neugeborene eine besondere bindung zur mutter hat, weil es in IHREM bauch aufgewachsen ist.

babys können nicht sprechen, sie kennen ihre mutter aber trotzdem in- und auswendig.
diese natürliche bindung bewusst abzubrechen, ist fatal für die kinder.

LPFe
23
des ist aber bitteschön ein Blödsinn

das würde ja bedeuten, dass Kinder, die im Babyalter adoptiert wurden, nie so eine Bindung zur Adoptivmutter aufbauen können, wie das bei der leiblichen Mutter der Fall wäre

die Bindung entsteht NACHHER und net im Bauch, Sie mystifizieren da etwas in die Schwangerschaft hinein

Kathi1609
 
00
sorry, aber da hat der sugar recht.

es gibt bereits einige erkenntnisse darüber, dass babys nach der geburt bereits sofort ihre mutter wiedererkennen und dass sie merken, wenn sie fehlt. und wie sehr babys schon in der ss mitbekommen, was rund um sie los ist.

sehr aufschlussreich und gut vermittelt wird das in "wie babys lernen" oder "Was geht da drinnen vor", ernst zu nehmende Forschungsergebnisse inklusive.

Und in der Adoptionsforschung sind solche Fragen auch schon gestellt worden, auch da fällt es nicht schwer, sich selber zu informieren.

Als ob ein Mensch erst im Moment seiner Geburt beginnt, zu hören, fühlen oder zu empfinden.

Clemens Schwarz
00
11.3.2010, 18:41
Bis über die Mitte des vorherigen Jahrhunderts glaubte man, dass Neugeborene keinen Schmerz kennen

und hat sie ohne Narkose operiert!!!!


Das waren die Naturwissenschaftler, die wussten es schon immer besser!!!!

Kathi1609
 
00
11.3.2010, 20:17
Da muss ich widersprechen, also bei den "Naturwissenschaftlern", nicht bei der Schmerzsache, die stimmt.

Das waren keine Naturwissenschaftler, das waren Ärzte. Das ist ein Unterschied.

Ärzte haben immer schon aufgrund persönlicher Bequemlichkeit oder Voreingenommenheit irgendwelche Sachen behauptet und gemacht. Und die wenigsten von denen haben eine wirkliche Ahnung von Naturwissenschaft (gehabt).

Die Wissenschaftler haben schon immer gefragt und gesagt, wenn es für was keinen Beweis gab bzw. einen Beweis fürs Gegenteil.

Aber was die Medizin angeht, müssen die Ärzte das dann in der Praxis beherzigen, und das haut leider nicht immer hin. Aber da können die Wissenschaftler dann nix dafür!!

contains sugar
00

danke für deine guten argumente! genau das meinte ich.

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