Immobilienmarkt

Wieder mehr Kreditaus­fälle bei US-Hausbesitzern

02. März 2010 12:25

Besonders die fortwährend steigende Arbeitslosenquote macht den Kreditzahlern in den USA zu schaffen

New York - In den USA können wieder mehr Menschen ihre Immobilienkredite nicht rechtzeitig bezahlen. Im Jänner waren mehr als acht Prozent der Hausbesitzer seit 30 Tagen oder länger in Zahlungsverzug, wie aus Unterlagen des großen US-Kreditbüros Equifax hervorgeht, die Reuters am Dienstag vorlagen. Verglichen mit Dezember 2009 war dies ein Anstieg um 4,4 Prozent, zum Vorjahresmonat sogar von 21 Prozent.

"Dies war kein kleiner Anstieg", sagte Dann Adams von Equifax. Adams zeigte sich überrascht von dem Sprung, nachdem sich die Zahlen noch Ende des vergangenen Jahres stabilisiert hatten. "Die Dinge sahen sehr vielversprechend aus, aber die Jänner-Zahlen sagen, man muss abwarten, die Geschichte geht noch weiter."

Hauptgrund für den neuerlichen Anstieg sei die hohe Arbeitslosenquote von 9,7 Prozent, sagte Adams. Auch die Zahl derer, die bei ihren Zahlungen mindestens 90 oder 120 Tage in Verzug seien, sei gestiegen. "Es drohen noch mehr Zwangsversteigerungen."

Zwangsversteigerung

Zwangsversteigerungen stellen eine der größten Gefahren für den US-Immobilienmarkt dar. Seine zarte Erholung verdankt der Sektor bisher im Wesentlichen staatlicher Unterstützungsprogramme. "Es gibt eine Reihe von Häusern, die in den nächsten drei bis sechs Monaten unter den Hammer kommen werden, was dann noch mehr Druck auf die Preise ausübt", sagte Adams. Experten gehen davon aus, dass allein wegen Zwangsversteigerungen die Hauspreise im Vergleich zum vierten Quartal 2009 erneut um acht Prozent sinken werden. Celia Chen von Moody's Econonmy.com geht davon aus, dass die Talsohle bei den Immobilienpreisen erst Ende 2010 erreicht sein wird.

Sinkende Häuserpreise bringen ein weiteres Übel mit sich: Die Geldgeber sind nicht bereit, Kreditlinien, die sich am Wert der Immobilien orientieren, zu verlängern oder zu erhöhen. Vergangenen Herbst bewegte sich das Volumen bei durchschnittlich rund 80.000 Dollar (59.150 Euro) pro Haus. 2007 waren es noch knapp über 100.000 Dollar. Das Volumen der gewährten Kreditrahmen für neue Häuser lag im November 2009 bei 4,9 Mrd. Dollar nach 21 Mrd. Dollar zwei Jahre zuvor.

Damit hat der Durchschnittskonsument oder Kleinunternehmer in den USA deutlich weniger finanziellen Spielraum. In den USA ist es üblich, auch andere Anschaffungen im Rahmen der Kreditlinie für die Immobilie zu finanzieren. (APA/Reuters)

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11 Postings
LinksSchreiber
03.03.2010 12:07
Geht ja voll krass bergauf!

Ist ja auch logisch, dass die Wirtschaft boomen muss, wenn sich das Kapital in der unsichtbaren Hand einiger Weniger konzentriert.

Bloß ne natürliche Schwankung, dass es ein wenig zwickt und klemmt in der Wiederholung des Ewiggleichen.

Knochenmann
03.03.2010 08:39

Nach der Blase ist vor der Blase.

Walter Bimini
03.03.2010 10:00
noch sind wir vor der zweiten tsunami welle

Walter Bimini
03.03.2010 08:15
überraschung, überraschung - wer hätte das gedacht - es rollt ja gerade die zweite welle mit den sogenannten "liar loans" an.

http://www.youtube.com/watch?v=KhEsqLcWHyA
http://www.youtube.com/watch?v=HGUPKoq38fM

zusätzlich zum zusammenbrechenden commercial real estate markt.

Peter_23
02.03.2010 16:50
"In den USA ist es üblich, auch andere Anschaffungen im Rahmen der Kreditlinie für die Immobilie zu finanzieren."

Tja, vielleicht setzt sich auch mal in den USA die Erkenntnis durch, dass ewiges Schuldenmachen nicht so ideal ist. Und man on the long run eben nur das Ausgeben kann, was man hat bzw. verdient hat.

Also vor dem Konsum vielleicht mal das Geld verdienen und erst dann ausgeben. Und wenn man kein Geld hat, dann eben auch keines ausgeben kann.

Interessant ist nun, dass solch triviale Punkte und Zusammenhänge (="Binsenweisheiten") in der Ökonomie so konsequent negiert werden.

Flaschenpost
03.03.2010 08:44
Im Prinzip richtig...

...die globale Wirtschaft würde innerhalb von Wochen kollabieren, würde sich jeder Konsument und Gewerbetreibende konsequent daran halten.

Der Beobachter3
02.03.2010 16:29
Alles wird gut,nur nicht für alle!!

Immer feste kaufen und dann ins Zelt ziehen!! Amerika ist wirklich ein Land mit Menschen mit hoher Allgemeinbildung und intelligenten Bürgern! Kein Wunder das dann dabei ein Obama rauskommt!

oh yeah, just eat 'em!
02.03.2010 12:41

Naja, war irgend wo klar bei den Arbeitslosenzahlen. Interessant ist aber, dass der Privatkonsum nicht bis kaum zurückgeht - wie die Europäer konsumieren sie also, als sei eh nix. Währenddessen wird das Haus versteigert.

Ivan Bukov
02.03.2010 16:49

Sie muessen dies differenzierter betrachten.
In den USA hat der Grossteil der Hauskredite variable Zinssaetze und momentan sind die Zinsen praktisch Null!
Nachdem die Meisten nach wie vor verdienen und arbeiten geht es Hausbesitzern mit Job momentan sehr gut. Die Zinsrueckzahlungen sind wegen der gesunkenen Zinsen stark gefallen daher bleibt sogar mehr Geld zum Konsumieren! Auch sind es vor allem arme Haushalte (mit niedrigerem Konsum) die sich die Rueckzahlungen und/oder neuen Konditionen (Haus weniger Wert als Schulden) nicht leisten koennen, daher ist der Konsumverlust im Vergleich noch gering..

Walter Bimini
03.03.2010 08:33
ihre brille läßt offensichtlich nur mehr rosa licht durch

ab heuer werden die alt-a und option-arms mit ihren "teaser rates" (d.h. es wurden am anfang nur minimale zinsen gezahlt und die schulden sind deshalb all die jahre bis zum reset weiter angestiegen) zurückgesetzt.

die beiden videos sind zwar schon aus 2008, aber die resets in 2010, 2011, ... hat man damals natürlich schon gewußt:
http://www.youtube.com/watch?v=KhEsqLcWHyA
http://www.youtube.com/watch?v=HGUPKoq38fM

in österreich dürfen sie solche geschichterln ruhig erzählen, aber seien sie vorsichtig damit in den usa. denn die amis wären im anbetracht ihrer traurigen wirtschaftlichen lage recht "böse" auf sie.

Bergdolm
02.03.2010 12:56

Privatkonsum geht ungebremst weiter.
Kann ich mir gut vorstellen.
Das geht so lange, bis nichts mehr geht.

Und das kann schnell kommen - und dann wird's lustig.

Träumen wir so lange wie nur möglich, dass es "aufwärts" geht, und die Krise jetzt endgültig überwunden ist. Das Aufwachen wird halt bitter.
Aber: What shells

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