Lettische Hacker wollen Verschwendung und Bestechung offenlegen
Datendiebe haben die Regierung von Lettland in
Erklärungsnot gebracht. Der oder die Hacker kopierten über mehrere
Monate hinweg Millionen Datensätze von den Servern des Finanzamts.
Dies geschah aber offenbar nicht, um sich persönlich zu bereichern,
sondern mit der Absicht, Verschwendung und Bestechung in Lettland
offenzulegen.
Vermögen von Politikern
So machten die Täter unter anderem Einkommen und Vermögen von
Politikern und Amtsträgern öffentlich. Zu dem Datendiebstahl hat sich
eine Gruppe namens Volksarmee des Vierten Erweckens bekannt. Ein
Mitglied dieser Gruppe nennt sich offenbar in Anspielung auf den
Helden der "Matrix"-Filme "Neo". Er stellte einige der erbeuteten
Dokumente ins Internet. Darunter waren zum Beispiel die Gehälter von
Polizisten. Über Twitter rief Neo die Polizeigewerkschaft auf, die
Daten genau zu prüfen - Hintergrund sind massive Kürzungen bei den
öffentlichen Ausgaben, von denen die Gehälter der Beschäftigten im
öffentlichen Dienst besonders betroffen sind.
Außerdem veröffentlichte Neo Daten, aus denen hervorgeht, dass
sich der Chef eines städtischen Versorgungsunternehmens, Aris Zigurs,
im vergangenen Jahr einen Bonus von 16.000 Lats (22.561 Euro) gewährt
hat. Für ein staatliches Unternehmen in Lettland ist das recht viel,
vor allem in einer Zeit, in der die Gehälter der städtischen
Beschäftigten gekürzt werden. Zigurs bestätigte, dass die Zahlen
korrekt sind.
Identität unklar
Die Regierung sieht den Datendiebstahl naturgemäß kritisch, für
viele Letten ist Neo ein Held. Derzeit gebe es wenig Vertrauen in die
staatlichen Institutionen, erklärt der Blogger Juris Kaza. "Also ist
jeder ein Held, der das System bloßstellt." Dabei ist es offenbar
nebensächlich, dass die Identität von Neo völlig unklar ist.
"Wenn man sich die Reaktionen der Öffentlichkeit ansieht, dann
scheint es, dass die Letten eine Art Robin Hood haben", sagt der
Leiter des Nationalen Sicherheitsrats, Maris Kucinskis. Dieses
Gremium hat die staatlichen IT-Einrichtungen untersucht und ist zu
dem Schluss gelangt, dass es nur für 50 Prozent der 175 staatlichen
Datensysteme eine Sicherheitsaufsicht gibt. Experten führen den
Datendiebstahl vor allem auf schlecht entwickelte Software und Fehler
im Systemmanagement zurück. (AP)