Die Mär der bösen Spekulanten (II)

KrisenFrey, 1. März 2010, 22:02
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    foto: ap/sucheta das

Der Rohstoffhandel ist für den langfristigen Anstieg der Nahrungsmittelpreise nicht verantwortlich

Die vorherrschenden irrigen Vorstellungen über die Rolle der Spekulation sind in den Rohstoffmärkten noch krasser als bei Währungen.  Das ORF-Weltjournal hat am vergangenen Mittwoch in einem langen Beitrag zu zeigen versucht, wie Spekulanten die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben und damit den Hunger in der Welt verschärfen.  Mein Standard-Kollege Andras Szigetvari stieß in seinem Kommentar am Wochenende in das gleiche Horn.

Nun kann Spekulation bei Rohöl, Getreide oder Reis zwar kurzfristige Preisschwankungen auslösen, die wenig mit den realen wirtschaftlichen Bedingungen zu tun haben, aber sie kann die Gesetze von Angebot und Nachfrage nicht außer Kraft setzen.

Eine spekulative Blase muss irgendwann wieder platzen – so wie es bald nach dem überzogenen Ölpreis von 148 Dollar pro Fass im Sommer 2008 geschehen ist. Denn wenn der Preis steigt, erhöht sich das Angebot und sinkt die Nachfrage Wie ein Pendel kehrt der Preis nach einiger Zeit dorthin zurück, wo ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herrscht.

Spekulationen haben daher mittelfristig – also über einige Monate hinaus- auf den Preis einer Ware  keinen Einfluss. Händler, die das nicht begreifen, verlieren am Ende ihr Hemd: siehe die Geschichte der Gebrüder Hunt, die in den achtziger Jahren den Silberpreis zu manipulieren versuchten.

Wenn Lebensmittel – wie in den vergangenen Jahren  - nachhaltig teurer werden und damit den Hunger verschlimmern, dann liegt das an der steigenden Nachfrage von China und Indien und der zu geringen Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion in weiten Teilen der Welt, sei es durch Dürre oder ausgelaugte Böden – nicht an kurzfristigen Spekulationen.

Der spekulative Rohstoffhandel kann – und er tut es immer wieder auch - genauso gut dazu führen, dass die Agrarpreise dramatisch fallen. Für diesen Fall stehen Reporter auch mit eindrucksvollen, anklagenden Berichten bereit – über die armen Bauern, die für ihre Produkte so wenig bezahlt bekommen, dass sie nicht davon leben können.

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Posting 1 bis 25 von 78
1 2 3
Arthur D Little
 
00

ökonomische Themen werden in letzter Zeit nur noch ideologisch diskutiert, es wird nur noch unterteilt in absolute Anhänger des freien Marktes vs. absolute Gegner des freien Marktes.
Dieser Artikel ist ein erster Ansatz mit diesem Paradigma aufzuräumen. Für all jene die sich von dieser ideologischen Diskussion nicht befreien können ein Beispiel:
Die Verteilung der Ressourcen über die ganze Welt erfolgt über eine zentrale Stelle (wie seinerzeit in der UdSSR), wenn dann Knappheit herrscht, gibt es eben Schlangen überall, und für die Leute werden dann die Beamten die für die Verteilung zuständig sind, die Bösewichte sein, das tatsächliche Problem ist aber auch dort, die Knappheit an sich, mehr Nachfrage als Angebot!




LinksSchreiber
00
14.2.2011, 17:31
Es gäbe auch die Möglichkeit, die Zirkulation gerade dadurch wirklich zu befreien, dass das nur das Elementarste zentral verteilt wird, also zugewiesen wird. Wenn es Grund-Nahrungsmittel für alle frei gäbe, dann müssten die Unternehmen die

Arbeitskräfte besser bezahlen.

Ansonsten ist die Ideologisierung der Debatte "natürlich", denn es gibt nur mehr zwei Möglichkeiten, sich zum bestehenden System zu verhalten: kritisch gegen die nicht regulierte Marktwirtschaft oder unkritisch dafür!

okami
00
Das Credo der New Economy: der Markt reguliert alles! ?

Das sollten wir auch langsam in den Fundus der 'Gschichtln' aufnehmen.

Warum verhungern Menschen in fruchtbaren Landstrichen?
Warum muss ein Bauer der seine Ware in die nächste Stadt trägt über den 'Weltmarktpreis' konkurrieren?
Warum werden Lebensmittel vernichtet um den Preis hochzuhalten?
Warum ... ?

LinksSchreiber
00
14.2.2011, 17:27
Richtig! Frei nach Jean Ziegler: die unregulierte, freie Marktwirschaft ist generalstabsmäßig organisierter Massenmord, der durch das positive Recht selbst gedeckt wird, das eben primär nicht das menschliche Leben, sondern nur das Privateigentum

schützt!

In den Finanz-Algorithmen wird die Ausbeutung, die moderne Form der Sklaverei einfach herausgerechnet, zum Verschwinden gebracht.

Letztendlich muss alles, was die einen mehr verdienen, anderen weg genommen werden.

Somit wären ökonomische Vorschläge angebracht, die Ressourcen gerecht zu verteilen, durch eine entsprechende Politik.

Arthur D Little
 
00

das mit dem Lebensmittel vernichten liegt aber mehr mit der Agrarpolitik innerhalb der EU als an den Spekulanten ...

okami
00
Mit der Agrarpolitik innerhalb der EU besonders, aber nicht nur

Es geht doch letztlich immer um den erzielbaren Preis.

Arthur D Little
 
00

damit gestehen Sie aber nun ein, dass nicht die "bösen" Spekulanten Wurzel allen Übels sind, auch staatliche, nicht marktwirtschaftlich orientierte Institutionen betreiben ebenfalls moralisch fragwürdige Dinge in dieser Sache ...

LCMSMS2
00
Werter Herr Frey, ned bös sein, aber ...

... die Erwähnung der Brüder Hunt ist im Kontext so was von falsch!

Die Hunts hatten den Silbermarkt gecornered, und wurden nur dadurch ruiniert, dass die COMEX und die Fed eine konzertierte Aktion gegen sie unternahmen. De facto wurde es ihnen durch die neuen Regeln schlicht untersagt, weiter Silber zu kaufen.

Und wer hätte das gedacht, die Chefs der COMEX, welche die Regeln umschrieben, waren selbst short in Silber ...

www

.

investopedia.com/articles/optioninvestor/09/silver-thursday-hunt-brothers.asp

ignazius rummsfeld
11
Diese dumm provokanten Artikel

hängen mir zu Hals heraus.
Von diesem Mann kommt offenbar nichts menschenwürdig/vernünftiges.
Ich gebs auf.

Hurra Deutschland!
01

"Ich gebs auf", sagen Sie. Aber Sie haben ja nicht einmal angefangen. Wo sind Ihre Argumente?

Die Agrarpreise steigen, weil die Nachfrage steigt. So einfach ist das. Die Spekulation mag dem zwar zeitlich voraus sein, aber die Richtung gibt sie nicht vor. Und oft dient sie dem vernünftigen Zweck, sich rechtzeitig einen günstigen Preis zu sichern. Denn nicht hinter jedem Warentermingeschäft steckt ein Mafioso mit dunkler Sonnenbrille. Es kann auch der Nudelhersteller sein, der sich einen günstigen Weizenpreis sichert, damit Sie Ihre Spaghetti weiterhin billig kaufen können – zwar zu Lasten der Hungernden in der Welt, aber das kümmert Sie natürlich nicht, denn Sie sind ja kein Spekulant.

gistof
03
Schlechte Idee

Man kann doch nicht einfach den wackeren Standardposter mit Thesen konfrontieren, die das mühsam zusammengebastelte Weltbild wieder durcheinander bringt. Es muss heißen: Spekulanten sind böse, haben Draculazähne und machen alles kaputt. Böse sind auch Banken, Leute mit einem Einkommen von mehr als 40.000 im Jahr und Autobesitzer. Danach geht der Standard Voodooökonom moralisch hoch befriedigt ins Bett und schlummert zufrieden ein, erfreut vom Leben als besserer Mensch.

t-bonesteak
12
ob sie es glauben oder nicht

ich habe wirtschaft studiert (an der wu-wien) und ich habe die theorie des "freien marktes" schon im 1. semester (vor ein paar jahrzehnten) abgelehnt, weil sie einfach ein schuss mit der schrottflinte in den kopf ist.

Arthur D Little
 
00

dann sollten Sie vielleicht mitbekommen haben, dass es bei Wirtschaft um die Allokation knapper Ressourcen geht, freier Markt ist eine Möglichkeit.

Wenn es weniger Nahrungsmittel gibt als nachgefragt wird, liegt dies in erster Linie mal nicht am Wirtschaftssystem. Aus eines UdSSR hätte keine nicht vorhandenen Nahrungsmittel herzaubern können ...

t-bonesteak
00
11.3.2010, 12:58
ach du schande

schon wieder im kummerleck gelandet. na ja. bei einem der sich arthur d little nennt, darf das nicht wundern...

Arthur D Little
 
00
26.3.2010, 15:47

frustrierter WU Studienabbrecher?

FatFaceRicky
02

Kannst ja mal einen Urlaub in Nord-Korea absolvieren, im Paradies der Werktätigen und der gebändigten Märkte.

Hurra Deutschland!
01

Sie hätten eben das zweite Semester auch noch absolvieren sollen.

Protagoras v. Abdera
04
Glücklicherweise widerlegen die Preisentwicklungen der letzten Jahre -sowohl auf den Rohstoff- wie auf den Nahrungsmittelmärkten- Freys Plädoyer für die positive Wirkung von Spekulationen

Spekulationsblasen können sich bei gegebener Überliquidität (infolge einer immer höheren Einkommenspreizung) sehr wohl über mehrere Perioden halten, bevor sie platzen. Frey scheint einer der wenigen letzten Mohikaner zu sein, die glauben, dass Märkte vollinformiert sind und tatsächlich Abegot und Nachfrage perfekt abbilden können. Die Weltmarktpreise auf den von ihm erwähnten Märkten haben sich in den letzetn Jahren zu stark bewegt, um dies bloß auf eine Suche nach dem Gleichgewichtspreis zurückzuführen. Egal ob Preise von Spekulanten nach oben oder nach unten getrieben werden, sie verzerren Märkte für ihre eigenenen Profitinteressen und schädugen entweder die Konsumenten oder die Produzenten. Egal ob bei Immobilien, Reis oder Rohöl.

Flash Gordon
03

Selten so einen Blödsinn gelesen.

Glauben Sie eigentlich selber was Sie schreiben ?

der träumende hans
04

Mit Lebensmitteln spekuliert man nicht! Punkt!

Tony S
01

Haben Sie schon mal auf eine Butter-aktion im Supermarkt gewartet?

FloW ERlebnis
05
Na gut, Frey nimmt ohnehin niemand ernst, der auch nur ein klein wenig informiert ist.


So wie Ortner oder Schellhorn, aber die sind in ihren PRopagandistischen Verrenkungen wenigstens lustig zum anschauen.

Hier bleibt halt immer nur die Langeweile der ewiggleichen "neoliberalen" AuftragsPRopaganda und die Frage, von wem konkret er dafür bezahlt wird.

gutartiger Bösmensch
01
Das sieht zwar sogar die EU-Kommission anders

aber hey, was wissen die schon?

Lilith Boessse
 
12
ich verstehe diesen artikel nicht ganz....

.... hier meine milchmädchenrechnung:

mit dem geld ist es wie mit den lebensmitteln:

es gibt zuhauf genug davon auf der erde, nur ist's nicht (ge-)recht verteilt.

GEBT DEN ARMEN IHR GELD ZURÜCK!!!!

grifter
04

Geht's nur mir so, oder hat sonst noch jemand das Gefühl, dass sich hier jemand im Stil eines Urlaubsberichtes an einer komplexen Materie vergriffen hat?

Ich kann das (für mich) beurteilen, da ich von dieser Materie tatsächlich nicht die geringste Ahnung habe, daher einige Fragen:

Ist es tatsächlich egal, wenn jemand gegen ein brennendes Haus Wetten abschließt, anstatt mit seinem Vermögen Löschwasser zu kaufen, auch wenn er nicht an der Entstehung des Brandes beteiligt war?
Und wenn er schon nicht Löschwasser besorgt, sollte er dann nicht wenigstens der Feuerwehr die Zufahrt ermöglichen, statt sie zu blockieren?

Ist dieses Beispiel zu weit hergeholt und sind die bösen Spekulanten in Wirklichkeit am Ende echte Altruisten?...

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