Schule als "System der Minderleister"

1. März 2010, 19:10
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    foto: standard/urban

    In der überbetrieblichen Lehrwerkstatt kann man sich zur pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin ausbilden lassen.

Die Regierung ist stolz auf die niedrige Arbeitslosenrate bei Jugendlichen - Zu Recht? Nur zum Teil, ein Betreiber einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte

Wer zu Reinhard Weidinger kommt, hat in der Regel schon viele Absagen auf Bewerbungen bekommen. Am Wiener Mexikoplatz und bei Außenstellen bildet seine Firma jene Jugendlichen aus, die am freien Arbeitsmarkt keine Lehrstelle finden. Von 120 Betreuern werden derzeit gut 1000 Jugendliche ausgebildet - zu Restaurant-Fachleuten, Tischlern, Reisebüroassistenten oder pharmazeutisch-kaufmännischen Assistenten. Neben dem Fachwissen müssen sich viele erst einmal Grundkenntnisse aneignen: sinnerfassendes Lesen, einfache Bruchrechnungen.

Wer mit Weidinger über Jugendarbeitslosigkeit redet, ist daher schnell beim Thema Bildung. "So wie bei uns Schule organisiert ist, demotiviert sie Schüler und engagierte Lehrer. Böse formuliert:Es ist ein System der Minderleister. Die Strukturen sind für engagierte Lehrer nicht leistungsfördernd. Dasselbe gilt für Schüler."

Ist die Politik also zu Unrecht stolz auf die im EU-Schnitt vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit? Man müsse unterscheiden, sagt Weidinger. "Bei der Erstausbildung der 15- bis 19-Jährigen sind wir relativ gut. Da passiert auch viel." Bei den heute 19- bis 25-Jährigen sei in den letzten Jahren aber "einiges verabsäumt" worden. In dieser Gruppe gebe es viele, deren höchste abgeschlossene Schulbildung ein Hauptschulabschluss ist. "Damit verbunden ist eine hohe Gefahr von Arbeitslosigkeit."

Integrationsaspekt

Für diese Zielgruppe müsse man daher verstärkt Angebote schaffen, damit Schulabschlüsse oder Fachkräfteausbildungen nachgeholt werden. "Da wird man auch Geld in die Hand nehmen müssen." Für ihn stelle sich aber generell die Frage, "ob man sich in einer entwickelten Industriegesellschaft mit einer Pflichtausbildung bis 15 begnügt. Da liegen wir nicht im Spitzenfeld" .

Sein Vorschlag: eine Ausbildungspflicht bis 18. Wer keine weiterführende Schule besucht und keine Lehrplatz findet, müsste demnach eine überbetriebliche Lehrwerkstatt besuchen. In Holland sei an die Ausbildungspflicht beispielsweise auch die Familienbeihilfe gekoppelt.

Damit verbunden sei auch ein Integrationsaspekt: Jugendliche mit Migrationshintergrund haben derzeit überproportional häufig nur einen niedrigen Bildungsabschluss. Vor allem bei zugewanderten Mädchen gebe es Probleme - wenn die Eltern eine Berufsausbildung untersagen. "Da könnte eine Ausbildungspflicht einiges bewegen" , sagt Weidinger. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 02.03.2010)

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12 Postings
Mike Webman
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15.7.2010, 20:56
Regierende Minderleister(innen)...

...demotivieren ihre Mitarbeiter(innen) am meisten:
Daraboz das gesamte Heer, Schmidt die Lehrer(innen) und Professor(inn)en usw.

Sche
00
Die Regierung ist...

...stolz auf die niedrige Arbeitslosenquote bei Jugendlichen?
Toll - und wie hat sie das erreicht? Etwa durch Maßnahmen, die Jugendliche in die Arbeit führen?

An unserer PTS haben wir am Schulanfang mit 350 SchülerInnen gestartet, von denen über 100!!! nicht mehr schulpflichtig sind, sondern ein freiwilliges 10. oder 11. Schuljahr absolvieren.
Auf dem Papier natürlich keine Arbeitslosen, aber auch nach 3 Jahren an der PTS in den wenigsten Fällen in der Lage, eine Lehrstelle zu finden - da der "freiwillige" Besuch eben nicht von den SchülerInnen, sondern von den Eltern ausgeht (Kindergeld!!, "Brauch keine/n zu Hause, die/der nur faul rum liegt" usw.).

Liebe Regierung, es gibt keinen Grund stolz zu sein.

ente,ente,ente,ente,ente,ente,ente,...
00
mmh

jetzt bin ich aber gespannt, wie eine schule aussehen soll, in der man was lernt und trotzdem immer spass hat...sorry, das ist unmöglich.
die heutige schule ist leider die PERFEKTE vorbereitung auf den arbeitsmarkt, denn dort heisst es meist auch nur katzbuckeln und stur das machen, was der chef sagt - auch wenn's noch so dämlich ist.

eine pflicht zur berufsausbildung ist eine gute idee. allerdings glaube ich, dass leute, die GAR KEINE ausbildung machen oder schule/lehre abbrechen, meist größere probleme als faulheit oder dummheit haben.

Elmar Luger
00
Beispielhaftes Projekt in Vorarlberg

ja, die Herausforderungen sind in diesem Artikel sehr gut aufgezeigt. Was man noch dazusagen darf ist, dass es eine Menge sinnvoller Projekte - zumindest nach meinem Kenntnisstand in Vorarlberg - es gibt. Als 1 Beispiel sei die Dornbirner Jugendwerkstätten, http://djw.volblog.at; http://www.dornbirn.at/djw genannt. Aber auch niederschwellige Projekte wie z.B. das Tagelöhnerprojekt der Offenen Jugendarbeit, das job-ahoi oder job-design, http://www.ojad.at, bieten wertvolle Ansätze einer sinnvollen Beschäftigung und Integration.

f.j.neffe
 
10
Über die Schablonen hinauswachsen

Das ist der Unterschied zwischen Du-musst-Schule und Ich-kann-Schule. Täglich den ganzen Tag Du-musst ist demotivierend. Es drückt die Talente nieder statt sie aufzurichten, zu stärken und zum Wachsen zu bringen, wie das in der Ich-kann-Schule der Fall ist.
Es geht am Leben vorbei, wenn wir immer nur die äußere Form weiterperfektionieren. Das mag vor 50 Jahren, nach dem Krieg, sinnvoll gewesen sein; heut sind längst alle so weit, dass sie über die alten Schablonen hinauswachsen müssten.
Ist Schule infantil u.debil geworden, dass sie immer noch den alten Stiefel perfektioniert und nicht selber wächst für ihre eigene RealitäÜbet? Erkennt sie, dass sie ihren Erfolg statt verwirklichen auch verwirken kann?
Freundlich grüßt
Franz Josef Neffe

Penelope Ody
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Die bösen Ich-muss-Schulen...

Der Sohn meiner Freundin war in einer Ich-kann-Schule. Er konnte wählen: will ich lieber spielen oder lernen. Er und seine Freunde wollten lieber spielen. Eigentlich fast immer. Mit der Konsequenz, dass sie ein Schuljahr verloren haben, weil sie die nötigen Dinge nicht gelernt hatten. Und jetzt sitzen die drei in einer Ich-muss-Schule - und kommen weiter.

RS69
 
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Wenn die Eltern nicht mit unterstützen, kann das kaum funktionieren.

Sind SIe Selbst ein "ICH MUSS" oder ein "ICH KANN", wenn's um Ihren Job geht?

f.j.neffe
 
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Lieber Könner als Super-Müsser

Der Sohn Deiner Freundin war ganz sicher nicht in einer Ich-kann-Schule; das ist nämlich die Schule die jeder Mensch IN SICH hat. Bei IKS gehts auch nicht um die Wahl zwischen verschiedenen Schablonen sondern um einen sensibel-kraftvollen Umgang mit den Talenten. Weiterkommen tun Lebewesen so und so, das Leben bleibt ja nicht stehen. Für mich ist es aber ein qualitativer Unterschied, ob man im Müssen oder im Können weiterkommt. Wenn Dir das Müssen für Dich lieber ist, hab ich da nichts dagegen. Ich kann und mag lieber Können entwickeln. Ciao
Franz Josef Neffe

Irma la Douce
05
1 Jahr Kindergarten + 9Jahre Schule in Österreich


und sie können nicht lesen. Daran krankt es wohl.

ride my pimp
02

Bildung ist eine Holschuld; der Staat kann zwar alles tun, um seinen Bürger Bildung zu ermöglichen, aber letztlich kann man zu seinem Glück niemand zwingen, man kann niemanden "integrieren" (an sich ein Unwort).
Die (wenigen) HAS-Schüler mit Migrationshintergrund (allerdings auch mit ö. Staatsbürgerschaft), die ich im Praktikum unterrichten durfte, konnten nicht deshalb nicht Deutsch und nicht ordentlich lesen, weil sie zu wenig talentiert waren, sondern weil sie zu faul waren und nicht wollten. Sie saßen in der Schule, damit die Mütter Alimente und Familienbeihilfe kassieren konnten, was sie mir auch so gesagt haben, denn ansonsten könnte ich es nicht glauben.

Erwin Wolfram
00

Ueblicherweise wird einem ja irgendeine Verfehlung unterstellt, wenn man gekuendigt wird, auch beim AMS. Es geht also dann in der Praxis darum Menschen, die sich Schuld fuehlen zu erzeugen und das gelingt sehr gut, da saemtliche Ansprechpartner die leistungen und Vertraege vorstrukturieren: halboffene Gespraeche ohne Nachweismoeglichkeit und alle moeglichen Betruegereien durch den jeweils Staerkeren. Nach einer Zeit scheint einem, dass das Wirtschaftssystem darauf beruht und es sollen die Leistungen, die die kleinen jederzeit erbringen koennen ja auch bepreist und besteuert werden, um sie vom Markt auszuschliessen. So meine Ansicht der "Regeln".

springflower
04
Verstehe kein Wort!

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