Wein, viel mehr als ein Durstlöscher

7. März 2010, 17:21
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Man trinkt ihn nicht nur, sondern genießt ihn wie ein Kunstwerk - Das und vieles mehr sollen Wein-AnfängerInnen in 60 Minuten erfahren

Es dauert wirklich nicht viel länger als eine Stunde, und das Buch ist ausgelesen. Das "Buch" ist eigentlich ein Büchlein, etwas größer als ein Taschenkalender, heißt "Weinkenner in 60 Minuten" und hat schlappe 102 Seiten. Autor Gordon Lueckel versucht darin, dem/der LeserIn die Welt des Weines in verständlicher, flotter Sprache näherzubringen. Absolute Wein-Anfänger bekommen zu Beginn erst einmal erklärt, woraus Wein genau besteht. Chemisch gesehen nämlich nur aus Wasser und Alkohol, welcher durch die Vergärung der Trauben entsteht. Der Leser erfährt auch, dass der Fachbegriff für Weinherstellung "Vinifikation" lautet sowie die wesentlichen Schritte der Weinherstellung. Auch auf die wichtigsten Trauben und Weinregionen wurde nicht vergessen.

Das Etikett richtig lesen

Wichtig ist für den künftigen Weinkenner auch zu wissen, welche Arten von Wein es gibt: Da sind natürlich der Rot- und Weißwein, nur kurz erwähnt werden Rosé- und Süßweine, dem Schaumwein - zu dem auch Champagner gehört - wird wieder mehr Beachtung geschenkt. Wer sich im Geschäft oder Fachhandel mit Wein versorgen will, dem schadet es nicht, der Sprache des Etiketts würdig zu sein. Ist der Wein etwa in einem aufwändigen Eichenfass gereift, weist die Bezeichnung "Barrique" (französisch) oder "Barrica" (spanisch) darauf hin. Das Etikett gibt außerdem Auskunft darüber, ob ein Wien trocken oder süß ist und ob er direkt vom Erzeuger in die Flasche abgefüllt wurde.

Ein Kenner lässt sich Zeit

Neben Ratschlägen, worauf man beim Weineinkauf achten sollte, nimmt der Autor den Leser auch an der Hand, wenn es um die Weindegustation (Weinprobe), das Bestellen von Wein im Restaurant oder das Präsentieren und Ausschenken von Wein als Gastgeber geht. Dass sich ein Weinkenner, egal ob beim Aussuchen oder beim Probieren, immer Zeit und Ruhe nehmen sollte, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. "Es wird kein Durst gelöscht, sondern ein Kunstwerk genossen", beschreibt Lueckel. Seine persönliche Leidenschaft für Wein lässt der Autor - trotz des Ratgeber-Charakters des Buches - wieder und wieder durchsickern.

Die richtige Degustation

Weiter geht es mit Tipps, Tipps und nochmal Tipps. Unter anderem auch für die richtige Weindegustation: Vorher nichts essen, ein geruchsneutraler Raum, gute Lichtverhältnisse für die farbliche Beurteilung des Weines, ein optimal temperiertes Getränk aus passenden Gläsern. Wie man dabei vorgeht ohne sich zu blamieren, wird anhand des so genannten "A-N-M-Prinzips" (Auge-Nase-Mund-Prinzip) erklärt: Erst das Glas gegen das Licht halten, schwenken und versuchen, Farben zu erkennen. Dann probieren, den Duft des Weines zu erahnen: "Ist da etwas von einem Holzfass oder spüren Sie andere Aromen, wie Vanille, Früchte, Blumen?" Zuletzt wird ein Schluck Wein in den Mund genommen. "Versuchen Sie jeden Eindruck möglichst genau mit einem blumenreichen Wortschatz zu beschreiben", rät der Autor.

Viel Information auf wenig Papier

Fazit: Für Wein-Anfänger mag die Kurz-Knigge tatsächlich hilfreich sein: Der Leser wird Schritt für Schritt an das Thema herangeführt, wichtige Begriffe werden erklärt, Wein-Irrtümer aufgeklärt, die Sprache ist locker und verständlich. Von der ersten Seite an gibt es zwischendurch oder als eigene kurze Kapitel immer wieder Tipps und Hilfestellungen - vom Einkaufen über die Degustation und den Restaurantbesuch bis zur richtigen Lagerung von Wein. Das Weinglossar am Ende reicht von A wie "Abgang" (Nachgeschmack eines Weines) bis T wie "TBA" (Abkürzung für Trockenbeerenauslese).

"Verpanschung" versus "Tradition"

Dass der typisch österreichische Spritzer einer "Verpanschung" gleich komme, der auch auf deutschen Weihnachtsmärkten beliebte Glühwein im Gegensatz dazu gleichmütig als "Tradition" hingenommen wird, mag den ein oder anderen Leser ärgern. Unzählige weitere Ratschläge, etwa wie man Weinflecken aus Kleidungsstücken bekommt oder Wissenswertes zu Weinflasche und Weinglas, machen den kleinen "Angriff auf die Nachbarschaft" aber wieder gut. Zu allerletzt: Wein-Guru wird man am Ende zwar keiner, aber genau das betont auch der Autor. Fest steht, dass sich in 60 Minuten erstaunlich viel über Wein erfahren lässt. (mak, derStandard.at, 07.03.2010)

Weinkenner in 60 Minuten
Autor: Gordon Lueckel
Verlag: Thiele Verlag
102 Seiten
Preis: 8,00
ISBN: 9783851791297

  • Artikelbild
    foto: thiele verlag
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