STANDARD-Interview

Schmied: "Jede zweite Schule mit Ganztagsangebot"

1. März 2010, 18:39
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    foto: standard/matthias cremer

    Unterrichtsministerin Schmied will "die Schule öffnen".

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) über die Stadt-Land-Ganztagsschule, Künstler in der Schule und Johanna Dohnals Aufmunterung per SMS

Standard: Was wollen Sie nach dieser Klausur in der Hand haben für Ihre Schulreform?

Schmied: Ich möchte ein klares „Yes we can, yes we do". Mir geht es darum, dass wir bei den anstehenden großen Projekten - neue Lehrerbildung, ganztägige Schulformen - zum Wir finden und sie als unsere großen gemeinsamen regierungspolitischen Anliegen sehen.

Standard: Wie sieht das Ziel für die Ganztagsschule aus?

Schmied: Mein Ziel ist es, dem Wunsch der Eltern zu entsprechen. Das, was wir aus der Ifes-Elternumfrage herauslesen, ist, dass der Bedarf bei etwa 350.000 ganztägigen Angeboten liegt. Diesen Bedarf müssen wir jetzt mit den Schulerhaltern (Städten, Gemeinden, Ländern) konkretisieren: welche Standorte, in welchem Ausmaß? Mein Zukunftsbild für die nächsten fünf bis zehn Jahre ist, dass wir dann in einem Stufenplan das Angebot von den 90.000 Plätzen, die wir derzeit haben - mit Hortplätzen sind es 120.000 - signifikant erhöht haben, sodass im Endeffekt jede zweite Schule ganztägige Angebote mit im Programm hat.

Standard: „Ganztags" heißt in Ihrer Zukunftsvision in der Stadt etwas anderes als auf dem Land.

Schmied: Wir werden da in Zukunft noch viel mehr differenzieren. Auf dem Land ist die Infrastruktur oft schon viel komfortabler. Sportverein, Kulturinitiative, Musikgruppe sind alle im Ort sehr dicht beisammen. Da kann man die Infrastruktur auch ausweiten, ohne sofort in den Schulausbau zu gehen. Auf dem Land merken wir ganz unterschiedliche Wünsche der Eltern. Sie wollen keine so starren Zeiten, jeden Tag bis 17 Uhr, da wollen die Eltern mehr Flexibilität, was das Abholen betrifft. Während wir im städtischen Bereich - ganz Wien ist ein Schulsprengel - ohnedies die Wahlmöglichkeit haben. Eltern sollen in Zukunft frei sein, die Kinder beim herkömmlichen Angebot anzumelden oder in der Ganztagsschule.

Standard: Heißt Ganztagsschule im Endeffekt dann auch offiziell „Ganztagsjob" für Lehrer?

Schmied: Nein. Das ist nicht unmittelbar verknüpft, weil es von der Arbeitsbelastung her unvorstellbar wäre, dass Lehrer en bloc sieben oder acht Stunden mit den Kindern verbringen. Das geht nicht. Es braucht ja die Vorbereitungs- und Nachbereitungszeit. Wir werden sicher mehr Lehrerinnen und Lehrer beschäftigen. Ich möchte die Schule öffnen, Stichwort "inklusive Schule", das heißt, in der Schule sollen auch andere Berufsgruppen mit entsprechender, auch berufsbegleitend erworbener pädagogischer Ausbildung tätig sein. Ich denke da als Kulturministerin an Kunstschaffende, für die es attraktiv wäre, auf diese Weise zu einem zusätzlichen Einkommen zu gelangen. Ich bin auch im Gespräch mit Minister Norbert Darabos, wie wir die ausgebildeten Sportwarte und Trainer integrieren können.

Standard: Wenn die Kinder den ganzen Tag in der Schule sein sollen, muss die Schule auch anders aussehen.

Schmied: Das braucht natürlich bauliche Maßnahmen, Räume zum Essen, Ruheräume für die Kinder, Arbeitsräume. Das wird vor allem im innerstädtischen Bereich eine große Herausforderung, weil wir natürlich nicht überall die ideale Campus-Schule errichten können.

Standard: Ein Zitat: "Ich gehöre jedenfalls zu jenen, die nicht aufhören werden, die Einrichtung von Ganztagsschulen, und zwar in Form der Integrierten Gesamtschule, zu fordern, denn erst die Zusammenführung dieser beiden Schulformen ermöglicht optimal, allen Kindern in der Schulbildung die gleichen Chancen einzuräumen." Zu wem passt das?

Schmied: Das gefällt mir sehr gut, und es ist von Johanna Dohnal, Anfang der 1970er-Jahre.

Standard: Es stammt aus einer Rede im Wiener Gemeinderat von 1974. 36 Jahre, und noch immer hinkt die Schule hinter dem Leben mit Kindern hinterher.

Schmied: Ja, es ist sehr lang, darum sage ich jetzt auch immer wieder: Die Zeit des Handelns ist gekommen, wir brauchen keine weiteren Studien, wir brauchen keine Expertenkommissionen, wir brauchen Umsetzungspläne und vor allem das klare Ja des Handelns und den Willen, es zu tun.

Standard: Welche Bedeutung hatte Johanna Dohnal für Sie?

Schmied: Ich habe Johanna Dohnal früher aus der Ferne schon sehr geschätzt und bewundert, auch ihr resolutes Auftreten hat mir immer sehr imponiert. In den letzten drei Jahren war sie auch eine sehr persönliche Begleiterin von mir und hat mich oft in schwierigen Phasen per SMS ermutigt, nicht aufzugeben - sie wird mir sehr fehlen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD-Printausgabe, 2.3.2010)

Zur Person

Claudia Schmied (50) war bis zu ihrem Wechsel in die Politik im Jänner 2007 Bankerin im Vorstand der Kommunalkredit Austria und der Dexia Kommunalkredit Bank.

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gu si
00
22.5.2010, 16:13
Ich denke da als Kulturministerin an Kunstschaffende, für die es attraktiv wäre, auf diese Weise zu einem zusätzlichen Einkommen zu gelangen.

Übersetzung:
Gescheiterte Künstler finden in Schulen ein neues Betätigungsfeld.
Wozu sollte dann noch jemand das Lehramt studieren ?

sam duke
00
es ist schon wieder eine hochglanzbroschüre

aus dem ministerium in meinem fach gelegen. ungelesen in den papierkorb.

ML85
01
Nur 13.000 zusätzliche Plätze benötigt!

Was nirgendwo gesagt wird: Nach der von BM Schmied genannten IFES-Umfrage sind nur 38% der Eltern bereit, einen Kostenbeitrag zu leisten. Oder anders formuliert: Kostet die Nachmittagsbetreuung etwas, schrumpft die Nachfrage auf 38% der propagierten 350.000, womit wir bei 133.000 Plätzen sind. 120.000 werden derzeit bereits angeboten.
All das ergibt sich aus der IFES-Umfrage selbst, die jeder unter www.elternbefragung.at abrufen kann.
Zur Umfrage selbst habe ich übrigens einen interessanten Kommentar gelesen: http://quinecke.wordpress.com/2010/02/1... dringlich/

dude11
01
peinliches Benehmen der Eu Partei....

Das ganze Theater der ÖVP ist außer peinlich eigentlich nur peinlich. Es war sowieso von Anfang an klar, dass die EU Partei auch in der Bildung auf EU Linie i s t bzw. zu sein hat, d.h. Gesamtschulen nur eine Frage der Zeit sind. Wer sich die Vorgaben von EU und Europarat genauer ansieht, begreift extrem schnell in welche Richtung es geht. Alles andere ist nur Theaterdonner verschiedener Interessensvertretungen für Wahlen. Nun da die Personalvertretungswahlen vorbei sind....

Pete7
01

Man kann wohl aus verschiedenen Gründen für oder gegen die Ganztagsschule sein - sie ist vielerorts aber eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Ich kann auch gegen vaterlose Familien sein - sie sind aber nun mal Realität. Und wenn keine Großeltern in der Nähe sind muss das Kind halt irgendwohin am Nachmittag. Da wären mir ordentliche Nachmittagsbetreuungsplätze jedenfalls lieber als der Park neben.

GoodieGoodie
00

Die Notwendigkeit bestreitet ja auch keiner.
Aber aus der Notwendigkeit plötzlich die ideale Schulform zu machen, das ist ein bisschen weit hergeholt.

drea66
00

was haben Sie denn dagegen, aus dem notwendigen übel eine tugend zu machen? was spricht dagegen, die notwendige ganztagsschule so zu gestalten, dass sie pädagogischen erfordernissen so weit wie möglich - und vielleicht weiter als die derzeitigen schulformen - entgegen kommt??

Doper
01
Etwas zu kurz gedacht.

Die wirklich vaterlose Familie gibt es nur in Sonderfällen.

Statt die Allgemeinheit für Kinderbetreuung aufkommen zu lassen, könnte man ja den biologischen Vater zur Kasse bitten.

Wenn er Kinder in die Welt setzen kann, kann er auch arbeiten.

jucheeee
00

Jetzt wollen Sie biologische Väter NOCH MEHR abzocken?^^ die müssen ohnehin schon genug für ihre Kinder zahlen. Wozu gibts Unterhaltszahlungen?

Ist sowieso so eine Unsitte in österreich, dass alleinerziehende (Mütter) glauben, der Ex-Mann kommt für alles finanzielle auf - und wenn der sich verständlicherweise weigert, soll der Staat einspringen.

dude11
01
Endlich eine vernünftige Argumentation

Danke!

Luk91
12
Sport

in letzter zeit hören wir immer wieder das die heutige jugend zu wenig sport mach und zu dick ist. bevor das sportangebot für schüler IN DEN SCHULEN nicht drastisch verbessert wird, kann ich diesen schultyp nur ablehnen.

wir sollten uns daran erinnern das es im leben mehr als schule und arbeit gibt. nochdazu werden die schüler nur noch weniger lernberit sein wenn sie den ganzen tag in der schule sitzen müssen.

ich denke die ganztagsschule ist ein schritt in die falsche richtung.

Irma la Douce
01
Pröll wird zustimmen und ihr dann keine Mittel zur Verfügung stellen.

Ich gebs zu
02
Dann tut er ungefähr dasselbe wie Schmied, die

eine Reform ankündigt, dann die nächste, dann die nächste, dann die nächste...

Was sie allerdings recht verlässlich produziert, ist Eigenlob.

Doper
00
Mein Mann hat sich unlängst auch eine Harley Davidson gewünscht.

Ich habe zugesagt, ihm aber dann das Geld nicht gegeben.
Andere Ausgaben waren dringender.

jucheeee
00

Und wieso kauft sich Ihr Mann die Harley Davidson nicht selber? Sind Sie etwa sein Sachwalter?

drea66
00
so, also bildungsinvestitionen sind also nicht "dringend"?

es wird uns allen nochmal auf den kopf fallen, dass bildung so stiefmütterlich behandelt wird...

Doper
00
Sie haben recht,

der Vergleich war nicht gelungen.

docw
52

ich lese aus dem interview heraus,dass sich die landbevökerung um ihre kinder kümmern muss und die kinder der städter - eher rotwähler - die schule als babysitter haben,damit die mütter nicht zu früh das kaffeehaus und die väter den stammwirten verlassen müssen. wo käme man hin,dass der herr papa nur 3 krügerln trinken kann,um vielleicht den gschrappn von der schule zu holen.

jucheeee
00

Seien Sie doch froh, wenn die Kinder nicht von der "Ganztagsschule" erzogen werden, sondern noch von den Eltern.

docw
11

bin ich doch. lehne es ab,dass die schulen als ersatz zum babysitter herhalten sollen,ausserdem würden viele auch gerne die erziehung der schule überlassen und wenn geht auch noch die wochenendbetreuung.

Ich, der sch... Gutmensch
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Ihnen würden ein paar Bier weniger auch gut tun

docw
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sorry,trinke kein bier.

komischerVogel
02
Bevor ich "ja" sagen kann zur Umsetzung eines

pädagogischen Modells, möchte ich wissen, w i e (und mit welchem Personal dh in welcher Qualität) es durchgeführt wird.

Wenn es stimmt, dass sowohl in der offenen als auch in der verschränkten Form der Ganztagsschule in Wien die Betreuung jener Einheiten, die nicht dezidiert "Unterricht" heißen, von 4 Monate lang angelernten Personen ohne Vorbildung durchgeführt wird...

... dann werden hier lautstark Wurstsemmeln/verantwortungsvolle Betreuung angepriesen: nur die Wurst/Verantwortung drin fehlt.

Tim Eodanaos
00
Sozialpädagog/innen

wären sicher geeignet. Die haben eine sehr vielseitige pädagogische Ausbildung, die sie befähigt, ein breites Spektrum an Bedürfnissen abzudecken.

komischerVogel
00

bin ganz bei ihnen. Aber die haben auch mehr as 4 Monate Ausbildung.

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