Am Rande der "Sozialen Rezession"

1. März 2010, 17:11
  • Artikelbild
    foto: apa/epa

    Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz ist Vorsitzender der "Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress".

Ansätze und Wege zur Messung von Wohlstand und Wachstum

Das Wohlergehen und die Lebensqualität der Menschen, sowie das Florieren von Gesellschaften als Ganzes sind die wichtigsten Aspekte unseres Lebens und somit Auftrag an Politik und Wissenschaft. 

Unzufriedenheit und Angst

Aber trotz stabilen Friedens und stabiler Institutionen in den meisten OECD-Staaten und noch nie dagewesenen ökonomischen Leistungen hinsichtlich des BIP in den letzten 40 Jahren, fühlen sich viele Menschen trotzdem nicht länger wohlhabender oder bessergestellt, auch nicht in Hinblick auf materielle Aspekte. Es gibt immer größere Einigkeit entlang des politischen Spektrums, dass sich die modernen westlichen Gesellschaften am Rande einer so genannten "Sozialen Rezession" befinden. Es gibt Belege für steigende Raten von Angst und klinischer Depression, die Zusammenbrüche von Familien und Gemeinschaften, den Rückgang von Moral im Arbeitsleben sowie im öffentlichen Leben, Vertrauensverlust in der Gesellschaft und steigende politische Apathie.

Zusätzlich zu diesen sozialen Herausforderungen sind Gesellschaften heutzutage mit der sich rapide verändernden Umwelt konfrontiert, wovon der Klimawandel als prominentestes Beispiel zeugt. Wissenschaftler betonen, dass die Basis der natürlichen Ressourcen, die einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität unserer Gesellschaften leistet, vor der Gefahr von Ausbeutung und Kollaps steht (siehe z.B. auch Giljum et al., 2009: 2). Um globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Erschöpfung der Ressourcen, Armut, der Finanzkrise etc. entgegenzusteuern, werden neue Strategien für unsere zukünftige Entwicklung benötigt. 

Die Bedeutung von Messungen

Ansätze, die diese großen Herausforderungen bewältigen können, benötigen Aspekte von Operationalisierung. In der Wissenschaft ist Operationalisierung ein wichtiger Schritt, um theoretisch entwickelte Hypothesen in der Praxis zu testen und ein Schlüssel für ein besseres Verständnis von realen Verbindungen. In der Politik ist Operationalisierung essentiell um abstrakte Konzepte in wahrnehmbare und messbare Größen umzuwandeln. Messung ist zwar nur ein Aspekt von Operationalisierung, dafür aber ein extrem wichtiger! Ohne entsprechende Messungen wären beispielsweise der Ressourcenverbrauch, die CO2 Emissionen oder das Bevölkerungswachstum nicht zu managen. Erst anhand konkreter Zahlen wird (breiteres) Bewusstsein geschaffen (z.B.: ökologischer Fußabdruck) und werden konkrete Maßnahmen umsetz- und kontrollierbar (wie z.B.: Emissionsauflagen).

Auf der anderen Seite ist auch mit zu bedenken, dass wir uns mit Zahlen, Daten und deren Verknüpfungen ein Bild von der Welt machen, das ein Modell, aber nicht die Wirklichkeit ist. Indem wir Bestimmtes mit Daten illustrieren, ziehen wir von anderen Dingen das Licht ab. Vielleicht sind in manchen Fällen andere, nicht in Zahlen erfassbare Dinge viel wesentlicher. Beispielsweise funktioniert Erziehung durch Vorleben und hat nichts mit Messung zu tun. Die Versuche, den Erfolg von Schul- oder Bildungssystemen zu messen, sind eher mit Vorsicht zu betrachten.

Wenn wir das "Umweltverhalten" der Leute steuern wollen, so ist es besonders effizient, ihnen Möglichkeiten anzubieten: Sie werden den Müll nur trennen, wenn verschiedene Behälter für die unterschiedlichen Fraktionen zur Verfügung stehen, öffentliche Verkehrsmittel nur benützen, wenn es ein Angebot gibt, ... - unsere Informationen über die Entwicklung des Abfalls oder die Verkehrsemissionen helfen da wenig. Messungen alleine bewirken also noch wenig, und die Auswahl von Indikatoren ist ein Wertsetzungsprozess, dem entsprechende Beachtung gegeben werden muss.

Die Grenzen des BIPs als Wohlstands-Indikator

Im Bezug auf die ökonomische Leistung ist das Bruttoinlandsprodukt der am häufigsten verwendete Indikator. Es gibt seit langer Zeit Kritik am BIP, weil es oft als Wohlstandsmesser herangezogen wird, obwohl es lediglich ein Maß für die Größe von Volkswirtschaften darstellt. Die Überbewertung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes als politisches Ziel kann eine Gefahr für eine sozio- ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung sein.

Es gibt viele Wohlstandskonzepte aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen. Dabei herrscht Einigkeit darüber, dass Wohlstand zweifellos materielle Dimensionen besitzt, aber auch überaus wichtige soziale und psychologische. Deshalb sollte neben dem Bruttoinlandsprodukt-Konzept von Wohlstand auch über Alternativen nachgedacht werden, die mit nachhaltiger Entwicklung kompatibel sind, die sowohl in ökonomischen, als auch in anderen z.B. in religiösen oder psychologischen Bedingungen ausgedrückt werden und von der Mehrheit der Menschen akzeptiert werden können.

Einen Vorschlag für einen ganzheitlichen Wohlstandsbegriff bietet die Initiative zum "Monitoring nachhaltiger Entwicklung in Österreich" (MONE). Wohlstand wird hier als das Spannungsfeld zwischen den vier Werten "Güter" (inklusive z.B. Bildung, Kunst und Kultur), "Gesundheit", "Umwelt" und "Zeit" beschrieben.

In Monatsthema 02/10 auf Nachhaltigkeit.at werden aktuelle nationale und internationale Ansätze und Wege zur Messung von Wohlstand und Wachstum beleuchtet.


Ansätze und Wege zur Messung von Wohlstand und Wachstum sind das Thema des Monats Februar 2010 im Internetportal




Logo: Nachhaltigkeit.at




 

AutorInnen: Maria Pircher, Joschka Wanner, Elke Pirgmaier, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Sustainable Europe Research Institute und Fritz Hinterberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer am Sustainable Europe Research Institue (SERI). Recherche und Aufbereitung im Auftrag des Lebensministeriums, Abteilung II/3 Nachhaltige Entwicklung und Umweltförderpolitik.

Direkt-Link zum Monatsthema 2/2010
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)

Kopf des Monats ist Joseph E. Stiglitz.

Der Dialog des Monats bietet eine Bandbreite an Statements politischer und wirtschaftlicher ExpertInnen zum Thema.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2
kdalaryd
00
17.3.2010, 16:41
"Grüner" Stalinismus

Wissenschaft ist grundsätzlich eine von vielen Arten die Welt zu beschreiben, hat aber nichts in Politik verloren da Wissenschaft nie neutral ist. Schon Plato hat die Wissenschafter aus der Höhle geschickt um endlich die wahre Natur der Dinge zu beschreiben und den Mob in der Höhle zu bändigen. Unkritische Auseinandersetzung mit Wissenschaft führt zu Totalitarismus, der ewige Traum der absoluten Herrschaft durch Wissen. Linke wie Rechte haben diese Fehler begangen und wiederholen sie immer fort, siehe Klimamodellierung.

Wissenschaft verlangt nichts, es sind immer Menschen die etwas verlangen.

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
21.3.2010, 12:10


ist doch mit allen dingen so

pago1
10
19.3.2010, 17:18
hirnw....

ihr beitrag

sturmy
04
gibt nur eine Lösung, das Zinssystem reformieren, Geld das keinen Mehrwert schafft, muß hoch versteuert werden...

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
21.3.2010, 12:11


da wird sie ovp aber nicht in ihr nachtgebet miteinbeziehen :)

sturmy
00
21.3.2010, 12:55
ist dass ihr ernst?

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
22.3.2010, 07:37


verstehen sie das system nun oder nicht?

Christoph Baumgarten
20
15.3.2010, 09:57
Ach

Das Zinssystem ist essentiell für das Funktionieren des Kapitalismus. Der Unterschied zwischen "schaffendem" und "raffendem" Kapital ist, abgesehen von der historischen antisemitistischen Konnotation (die dir jetzt nicht unterstellt sei) in der Praxis nicht existent.

Klaus Ganglbauer
02
Der Regelkreis und die Öko-Welle. Am roten Teppich verkörpern die Hollywoodstars die Ökowelle ideal, indem sie, für die Medienindustrie, einmal im Jahr ein Bäumchen pflanzen

und ein Kind aus einem Schwellenland adoptieren/importieren. Nicht für die Medienindustrie zur Schau gestellt wird die praktische Tatsache, dass dieselben täglich mit ihrem Privatjet fliegen, tonnenweise jenes Kerosin in die Atmosphäre blasen, dessen Billigpreise die US-Militärmaschinerie durch jene Kriege sicherstellt, die den minimalen Kollateralschaden nach sich zeihen, dass unzählige Kinderchen in den Schwellenländern keine Zukunft mehr haben.

Das zu dieser grünalternativen Ökowelle passende Paradigma in der Wissenschaft ist der schwache Diskurs des kybernetischen Regelkreises: Verstärkung eines wider-vernünftigen Staus quo, hypokratische Ablenkung vom Trauma, dass die Ressourcen im Globalen sozial ungerecht verteilt sind.

Träume sind Schäume.
83
Sie sollten mal ihren Propheten Marx besser studieren


Alles in dieser Welt ist materialistisch aufgebaut.
Esoterische Gefühlsregungen für die "Umwelt" entspricht nur "petty bourgois identity politics", um vom Klassenampf und Klassenbewußtsein abzulenken.

Genosse, deine ist eine MATERIALISTISCHE Religion.
Demnach sind alle Dinge der "Natur" nur und NUR zu dem Zweck da den materiellen Bedürfnissen der Menschen zu dienen.
Nicht mehr, nicht weniger.

Eine blühende Wiese ist nur soviel wert wie der Hektarertrag oder das Industrieland, ein Wasserfall nur soviel wie die mögliche Killowat Auslastung eines Kraftwerks.

Alle anderen diesbezüglichen Gefühlsregungen sind irrational und Zeichen burgoiser Dekadenz.

Gehe in dich Genosse und übe Selbstkritik ;)

kdalaryd
00
17.3.2010, 16:23
dogma alarm: "alles in dieser welt ist materialistisch aufgebaut"

Sie legen hier die westliche-moderne von wissenschaft geprägte denkweise e (ratio-emotio, natur-kultur) bloss, auch dogmatischer marximus beruht in gewissem sinne darauf. der 'wert' einer blühende wiese, also der wert des 'konzepts der natur' ist nur für den modernen menschen begreifbar. NUR in dieser denkweise ist z.B. "climate change the biggest market failure" (lord n.stern).
Nach b.latour sind wir nie modern gewesen, was sehr einfach und plausibel nachvollziehbar ist.

Klaus Ganglbauer
00
Können Sie nicht lesen? Warum soll meine Religion materialistisch sein? Ich habe mich explizit auf die praktische Vernunft-Religion Kants bezogen.

Ich habe mich explizit gegen den postmodernen Ökonaturalismus ausgesprochen, versucht, an die vergessenen regulativen Ideen einer genuin politisch-praktischen Vernunft zu erinnern.

Wollen Sie mir unterstellen, dass auch ich unbewusst, also gegen meinen Willen, dem positivistischen Aberglauben verfallen sein müsste, nur weil sie sich nichts anderes mehr vorstellen können? Wir sollten nicht so frei assoziieren.

Doch in einem Punkt gebe ich Ihnen Recht:

"Eine blühende Wiese ist nur soviel wert wie der Hektarertrag oder das Industrieland, ein Wasserfall nur soviel wie die mögliche Killowat Auslastung eines Kraftwerks."

Diese Phänomene kennen weder Geist, noch Kultur, noch Aufklärung. Ich glaube jedoch nicht die Wahrheit dieser "Werte".

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
21.3.2010, 12:14


sie verneinen ihre materialistische religion und gleichzeitig huldigen sie ihr im vorletzten absatz. da dürfte doch ein unbewusster schlingel im kopf sitzen.

Klaus Ganglbauer
00
Weder ist Marx mein Prophet, noch bin ich Ihr Genosse. Ich verstehe mich vielmehr als bestimmte Negation eines Marxisten, sofern mein Weltbild absolut kein ökonomistisches ist. Der Ökonomismus - sowohl rechter als auch linker Prägung - entspricht

genau dem, was ich als naiven Empirismus oder Positivismus bezeichne.

Diesen unterstelle ich auch der Husserschen Phänomenologie, dem Popperschen Falsifikationismus, sowie der kypernetischen Theorie.

Wenn ich ein Etwas wäre, das sich in dem Weltbild des vulgären Weltanschauungs-Marxismus verorten ließe, dann am Ehesten noch ein "post-strukturalistischer Trotzkist". Doch auch das ist mehr eine Metapher als ein Griff, an dem meine Weltanschauung genossenschaftlich-chauvial vorzuführen wäre.

Auch Marx ist komplexer, als es seine ökonomistische Vulgärauslegung erlaubt. Aus dem von Ihnen Artikulieren, glaube ich schließen zu können, dass sie nicht in der Lage sind, führ den marxistischen Lehrmeister zu spielen. Zurück an den Schreibtisch!

Klaus Ganglbauer
02
Vom Regelkreis und der schwachen Vernunft. Im Zuge jener monetaristischen Nachkriegs-Tendenz, die das Denken der Aufklärung auf einen gefährlichen Dogmatismus reduziert, sowie jede revolutionäre Idee als totalitaristische Symptom denunziert hat, ist

ist eine "schwache Vernunft" (post)modern geworden.

Diese "schwache Vernunft" gibt vor, das Reale bloß sinnlich anzuschauen, nur von der Erfahrung her erkennen zu können. Sie begreift, urteilt und schließt nicht mehr explizit, sie hat die Kybernetik auf den szientifischen Speiseplan gesetzt.

Der Diskurs des Regelkreises schmeckt den politisch korrekten OpportunistInnen, weil er in Bezug auf die realen Widersprüche und Antagonismen dieser Gesellschaft absolut nichts aussagt.

Ein Effekt dieser Tendenz zum Nichtssagenden ist die naiv-humanistische Ökowelle. Deren Paradigma wird inzwischen nicht mehr von den Pionieren eines - ewig unzeitgemäßen - kritischen Denkens vorangetrieben, sondern von den Hollywoodstars verkörpert.

Klaus Ganglbauer
00
Das der empirischen Sozialwissenschaft zu Grunde liegende erkenntnistheoretische Modell ist die Kybernetik erster Ordnung, der einfache Regelkreis. Damit lässt sich zweifelsfrei ein Kühlschrank steuern, mit Sicherheit

nicht die globale Ökonomie, das komplexeste autopoietische System, das die Evolution bislang hervorgebracht hat.

Dieses Sachverhalts ist sich jeder gute Automechaniker auf bescheidene Art bewusst.

Was machen diese politisch korrekten Daten- und und statistischen Fakten-SammlereInnen eigentlich?

Sie biedern sich bei der herrschenden Klasse an. Sie geben nur vor, eine gesellschafts- oder kultur-kritische Position zu vertreten, obwohl es tatsächlich nicht der Fall ist. Sie retten nur ihre eigene Karriere, ihr Ego, nicht das Soziale.

Der Diskurs der Universität ist der mächtigste Staatsapparat dieser globalisierten Kultur.

Falls er korrupt strukturiert ist, wird es verheerende Auswirkungen für diese Welt haben.

Klaus Ganglbauer
00
Messung und Operationalisierung - die instrumentelle Vernunft soll als methodische Voraussetzung einer Korrektur der ethischen Normen fungieren? Das ist wohl ein schlechter Witz! Die Wissenschaft misst und operationalisiert schon seit 100 Jahren.

Seit sich der Positivismus der "harten" Naturwissenschaft universitär durchgesetzt hat, misst und operationalisiert die Wissenschaft ausschließlich.

Dennoch hat der szientifische Positivismus die größten Kulturkatastrophen der Geschichte hervorgebracht: den Faschismus und den Stalinismus - zwei vulgär materialistische Versionen eines bloß nationalen Pseudo-Sozialismus.

Eine Wissenschaft, die primär von Sammlungen empirischer Daten ausgeht, wird immer nur den Status quo als real nachweisen können, und der ist in dieser Kultur durchgehend asozial strukturiert.

Das Wort "sozial" hat bereits die Konnotation eines Schimpfwortes (Sozialschmarotzer).

Was empirisch zählt ist ausschließlich die Fähigkeit, die anderen zu über-leben.

iohui
00
das ausmaß der wertveränderung als indikator für wohlstand

ist eigentlich absurd, weil vermögen immer relativ ist.
es kommt darauf an, was man mit dem vermögen anstellt und anstellen kann, wie man die prioritäten setzt, wem der reichtum zugute kommt, ob es ums geben oder ums nehmen geht und wie man sich dabei fühlt. letztlich ist wirklicher wohlstand ein gefühl.

Klaus Ganglbauer
00
Der Artikel ist im (vulgär-materialistischen Un-)Geist des Popperschen Positivismus verfasst, der einerseits konstatiert, dass wir Erkenntnis nur falsifizieren könnten, andererseits aber ein positive Realität da draußen hypostasiert,

an die sich unserer Erkenntnis asymptotisch zu approximieren hätte.

Das ist ein fudamentaler Widerspruch. Das Absolute wird einerseits positivistisch als Ding an sich hypostasiert, die metaphysische Tat-Sache dieser Hypostasierung jedoch im selben Zug verleugnet.

Was dieser Kultur fehlt, ist die Anerkennung der praktischen Tatsache, dass die wirklich vernünftige Idee des kategorischen Imperativs eine unbedingte Bedingung jedes zwischenmenschlichen Handelns darstellen muss.

Ein vernünftiges Wesen kann unmöglich wollen, dass die globale Wirtschaft nur einer Minderheit zum Vorteil gereicht, dass das Private das Öffentliche beherrscht, die Partikularität der individuellen Gier über die universale Idee der Gerechtigkeit gestellt wird.

europa fassen
13
Nee, das ist alles viel einfacher.

Verteilung ist eine Machtfrage. Wer mehr Macht hat, der bekommt mehr vom Kuchen, was wiederum dessen Macht vermehrt.
Das Modell ist selbst verstärkend, überschießend und dadurch destabilisierend, oder mathematisch gesagt 'chaotisch'.

Nur Revolutionen - ab und an - bringen das Ganze wieder ins Gleichgewicht. So ist der Mensch halt.

Klaus Ganglbauer
20
Das ist alles korrekt. Doch so einfach ist es auch wieder nicht! Revolutionen entstehen nicht spontan oder aus dem Nichts.

Spontan hat sich der liebe Mensch Jahrhunderte lang vom Feudal-Adel versklaven und wie ein Nutztier halten lassen - bis in Europa die Renaissance, die Protestation und die Aufklärung "aufgekommen" sind.

Ohne die Rückbesinnung auf das Denken der Antike hätte es niemals eine bürgerliche Revolution gegeben. Die Mehrheit wäre nach wie vor Leibeigentum eines Adeligen.

Es gilt vor allem, einen linken Myhtos zu dekonstruieren: ohne logische Wissenschaft gibt es keine Revolution.

So genannte spontane Revolutionen haben sich immer wieder als reaktionäre Konter-Revolutionen herausgestellt, die besser nicht Statt gefunden hätten.

Somit reicht die Chaostheorie nicht aus, um das in Frage stehende Phänomen der Praxis theoretisch zu erklären.

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
21.3.2010, 12:26


das die aufklärung schuld an der dezimierung des adels hat und hatte wissma aber auch ohne ihre philosophische betrachtungsweise. das demokratie genauso ein herrschaftsystem darstellt das nur wenigen, der machtelite, herrschaft sichert steht ebenfalls fest. das sich daran nur etwas ändert, wenn der großteil der menschen dazu gezwungen wird, meist durch äußere umstände, die ihnen von der machtelite aufoktroyiert werden ist ebenfalls nix neues.
neu sind immer nur die umstände, die zu solchen handlungen führen, aber immer vorhersehbar.
in diesem sinne: auf nach griechenland!

Klaus Ganglbauer
00
Es findet sich ein fundamentaler Widerspruch in Argumentation, sofern einerseits hypostasiert wird, dass unsere wissenschaftliche Erkenntnis nur ein subjektives Modell der objektiven Realität da draußen wäre,

andererseits zugestanden, das jede Interpretation eines Details das Licht von einem anderen Detail abziehen muss.

In Wahrheit liegt unserer subjektiven Erkenntnis nicht eine objektiv hypostasierbare Realität da draußen zu Grunde, die wir durch die Instrumente unserer Anschauung bloß partiell anschatten würden.

Auch das theoretisches Erkennen ist ein effektives Handeln, wir haben somit immer schon in das Reale eingegriffen, es manipuliert. Die Aktion des Erkennens produziert überhaupt erst Licht und Schatten in dieser Welt.

Dieser pragmatische Zugang zur Wirklichkeit ist ein Anti-Positivismus, er geht auf Kant zurück, auf das Primat des praktischen über das theoretische Interesse der Vernunft.

Klaus Ganglbauer
00
Warum soll das Messen empirischer Daten den akuten Mangel an Vernunft beseitigen können? Die Ursache der sogenannte soziale Regression liegt doch gerade in dem vulgären Empirismus, der sich im Zuge des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelt und

zum Positivismus des 21. Jahrhunderts ausgewachsen hat. Der vulgäre Sozial-Darwinismus ist ein naiver Empirismus, ein Positivismus. Diesem mangelt es nicht an Datensammlungen, sondern ganz im Gegenteil, an einer wirklich vernünftigen Methode, die Daten zu interpretieren. Die Interpretation ist das A-priori selbst für das A-posteriori des Datenmaterials.

Es ist in praktischer Hinsicht einfach nicht vernünftig, die Mehrheit der Bevölkerung von jeder gewinnbringenden Partizipation am Welt-Markt auszuschließen.

Genau dieses Programm muss jedoch von jedem pseudo-elitären Wettbewerbs-Denken gefahren werden, das diesseits der Idee der Gerechtigkeit verortet wird.

||||||||||||||||||||||||||||||||||
00
21.3.2010, 12:28


mit einem wort: UMVRTEILUNG !

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.