"Rudelbumsen ist keine Kunst"

02. März 2010 06:56
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    Foto: matthias cremer

    Der FPÖ-Obmann und die Kunst: "Völlig durchgeknallt" findet Strache manche Subventionen.

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    Foto: kulturring 22

    Bezirkspolitiker Tiller unterstützt heimische Künstler, "da brauch' ich keinen Schweizer".

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    Foto: kulturring 22

    Kulturveranstaltung: Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf feiert mit der FPÖ Donaustadt und dem Kulturring 22 zu Schlagerklängen den "Tanz in den Herbst".

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    Foto: fpö

    Inserat der Wiener FPÖ: "Alles, was populistisch nutzt."

Straches FPÖ höhnt gerne über die "political correctness" anderer Parteien - In Kunstfragen agiert sie bieder wie niemand sonst

Wien - Was ist Kunst? Diese diffizile Frage scheint zumindest für Helmut Tiller beantwortet. "Rudelbumsen ist keine Kunst", sagt der 65-jährige FPÖ-Bezirkspolitiker, "das kann ich auch." Er engagiert sich als stellvertretender Obmann im "Kulturring 22", dem Kulturverein der FPÖ Donaustadt. "Aber ein Swingerclub", sagt Tiller, "hat nichts mit Kunst zu tun. Und es ist eine Schweinerei, den als Kunst zu deklarieren."

Empörung im Gleichschritt mit dem Boulevard

Bezirksfunktionär Tiller liegt damit voll auf Linie der FPÖ-Spitze rund um Parteichef Heinz-Christian Strache. "Die Rathaus-SPÖ muss schon völlig durchgeknallt sein, wenn sie öffentlichen Gruppensex mit 90.000 Euro unterstützt", schnaubte Strache vergangene Woche. Zeitgleich rollte der Stein des freiheitlichen Anstoßes durch sämtliche österreichischen Boulevardmedien: Der Schweizer Künstler Christoph Büchel hatte im Untergeschoß der Secession einen Swingerclub installiert - inklusive aktivem Personal.

Was versteht die FPÖ unter Kunst? Offenbar nicht Büchels künstlerische Visionen. Im "Kulturring 22" lädt Tiller mit seinen Mitstreitern zu Tanzabenden bei Schlagermusik, zum Preisschnapsen, oder man baut gemeinsam einen Punschstand auf. Weiterer Vereinszweck: die Pflege von Kriegerdenkmälern in der Donaustadt. Hin und wieder organisiere er auch Vernissagen in Gasthäusern. "Wir unterstützen heimische Künstler", betont Tiller, "weil da brauch' ich keinen aus der Schweiz dazu."

"Diese Kunst bekomme ich auch am Gürtel"

Doch was stört nun am subventionierten Swingen? FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner zieht die Grenze der Kunst dort, wo der Steuerzahler dem Künstler zur Hand geht: Die Secession sei von Bund und Stadt Wien gefördert, "alle Österreicher zahlen dafür. Da wird ein Musentempel missbraucht für Agitation", beharrt sie gegenüber derStandard.at auf ihrem Standpunkt. Stünde sie an Stelle von Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP), hätte sie Büchels Projekt nicht genehmigt, und die Secession solle auch kein Geld mehr bekommen.

Denn: Die Aussteller würden sich mit solchen Aktionen nicht mehr an ihre eigenen, mehr als hundertjährigen Statuten halten, richtet Unterreiner der "Vereinigung Bildender KünstlerInnen" aus. "Sie sollen sich einmal besinnen, und ich würde denen die Rute ins Fenster stellen, sich auf die eigenen Statuten zu berufen", meint sie im Hinblick auf künftige Subventionen. "Man muss darüber nachdenken, ob ich jetzt Kunst fördere, die ich auch für privaten Eintritt am Wiener Gürtel bekomme."

"Das ist direkte Zensur"

Der Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl bezeichnet solche monetären Drohgebärden als "direkte Zensur. Seit wann entscheiden Politiker, welche Kunstwerke gefördert werden?" Er vermutet aber keine tiefere Absicht hinter der freiheitlichen Empörung. "Ich glaube nicht, dass die FPÖ irgendein Kunstverständnis hat. Sie machen alles, was populistisch nutzt, und die Kunst bietet da eben eine Gelegenheit", meint Zinggl zu derStandard.at.

Unterreiner bestreitet, aus dem Wiener Innenstadt-Skandälchen politisches Kleingeld schlagen zu wollen. Vielmehr fordert sie, die Politik solle künftig darüber nachdenken, "welche Kriterien es für Kunst geben kann außer festgeschriebenen Gesetzen". Unterreiner denkt da an bestimmte "Sitten und Normen".

Sitten und Gebräuche

Kunst, sagt Unterreiner, sei gerade in der Kulturnation Österreich identitätsstiftend. "Wenn man jetzt alles zur Kunst deklariert - auch was gar keine Kunst ist -, dann achtet man unsere kulturelle Identität nicht, auch nicht die österreichischen Sitten und unseren Wertekanon." Zinggl meint ob dieser Befürchtungen, die FPÖ solle sich "doch dann lieber Nationalpartei und nicht freiheitliche Partei nennen".

Vehement bestreitet Unterreiner jedenfalls, ihre Empörung gründe darauf, dass ihr manche Kunst schlicht nicht gefalle. Bezirksfunktionär Tiller, in der Donaustädter FPÖ zuständig für Museen und Brauchtumspflege, gibt hingegen unumwunden zu, "ein Waldmüller gefällt mir halt besser. Heute kannst auf einem Bild gar nix mehr erkennen. Vielleicht bin ich auch schon zu alt, aber ich versteh's nicht, und was ich nicht verstehe, werde ich nicht unterstützen." (Lukas Kapeller/derStandard.at, 2.3.2010)

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Silvio Lackner
27.04.2010 12:41

HC, gib nit so an. Wir trauns dir eh zu.

füllhornkäfer
03.03.2010 14:27

Endlich wieder ein Kulturskandal mit Unterhaltungswert

okami
03.03.2010 13:28
Das ist auch interessant bei der Debatte um Subventionen:

http://www.news.at/articles/... tsleistung

jayjay_one
03.03.2010 12:26

jede nacht
jeden tag
auf der jagd
wenn das rudel tollt
wenn der rubel rollt

kacenka mourkova
03.03.2010 12:23
Verbale Flatulenz ist keine Politik!

"...und was ich nicht verstehe, werde ich nicht unterstützen." - oje... das beschränkt die unterstützenswerten projekte wohl auf ein minimum!

Aber danke an die Damen und Herren der FPÖKBZÖ - selten so gelacht! In diesem Sinne verstehe ich Ihre Parteienförderung als Kleinkunstförderung! Somit ist zumindest der Fortbestand des Kabarets in Ö gesichert...

Leukozyt
 
03.03.2010 12:04
"...aber ich versteh's nicht, und was ich nicht verstehe, werde ich nicht unterstützen."

Kein weiterer Kommentar.

Grüner Kobold von Nussloch
13.03.2010 22:56

Warum bekommt die FPÖ dann noch Wahlkostenrückerstattung?

bahnsteig4
03.03.2010 14:03

fpö in a nutshell.

Wollkönigin
03.03.2010 13:43
Gut,

dass dieser Mann nicht wirklich etwas zu sagen hat.

chilli p.
03.03.2010 10:21

...und die fpö macht keine politik.

-meine_Meinung
03.03.2010 10:14
Freiheit???

Die Freiheitliche Partei trägt doch das Wort "Freiheit" in ihrem Namen, wie wir von Rosenkranz soeben hören.
Also warum ist dann die FPÖ gegen "Freiheit" in der Kunst? Strache, erklären's mir bitte den Unterschied zwischen "Freiheit" und "Freiheit"!

kacenka mourkova
03.03.2010 12:35

Freiheit = Freiheit
freiheitlich = hmmm... was wäre noch mal das Gegenteil von Freiheit?! - Vorschläge bitte!

schlechter Gutmensch
03.03.2010 07:45
Jetzt wissen wir es:

anständige Österreicher haben also die Secession zu meiden und stattdessen in Bierzelten und an Stammtischen erst mal 3 Bier zu bestellen und dann ausländerfeindliche Parolen zu grunzen, bevor sie sich auf den Weg zu einer teutschen Sex-finding-Mission ins nächste Puff machen.

Danke für diesen Beitrag zur Volksbildung, lieber HC!

Peter Hammer 06
03.03.2010 06:31
Diese "künstliche" FPÖ-Erregung .....

...erinnert an die Demos und Plakate aus der Zwischenkriegszeit:
... "Im Westen nichts Neues"
... "Josefin Baker"
... "Jonny spielt auf!"
Da war halt noch der Uropa oder Opa dabei, heut' ists der stramme Nachwuchs.

Kati Hribernig
03.03.2010 00:50

Wien Euro Woche Stein inklusive

Was soll dieser Mist?

Gemurr Gemurr
03.03.2010 00:40
Fast 800 postings/Aufreger zur Kunst

und wenig Echo auf die Ausländerstreiks in Italien???

http://derstandard.at/126713210... in-Italien

Doch wohl nicht, weil die FPÖ einsieht, dass wir die Ausländer brauchen sondern eher, weil Sex immer zieht und sittliche Entrüstung oft gut ankommt - offiziell, versteht sich. Was daheim klammheimlich quer durch die Lande an Pornos geschaut wird, entzieht sich der Öffentlichkeit.

Bambi, die Sau
03.03.2010 00:35

Ich bete jeden Tag einen Rosenkranz in der Hoffnung einmal bei so einem Rudelbums dabei sein zu können. Die Kunst ist frei!

Peter Hammer 06
03.03.2010 10:50
Beten'S doch lieber den "Englischen Gruß"....

...mit dem "Rosenkranz" machen'S nur Reklame für die 10-fache Mutter.

Kamikazekartoffel1
02.03.2010 23:23

Das die Meister im Abcashen von Steuergeldern sich darüber aufregen, dass andere dies auch tun ist schon irgendwie ein starkes Stück.

krastavac
02.03.2010 21:54
"Rudelbumsen ist keine Kunst"


Tjach, Rudelbiersaufen ist schon viel eher etwas für den HC.

Oder im Rudel mit Farbpatronen auf einander schießen. Das steigert das Selbstwertgefühl erheblich...

herr_rechtsausleger
02.03.2010 21:36
tiller: "das kann ich auch!"

bitte probiers, alter mann! dann sind wir dich los!

SlapZ
02.03.2010 20:47
do spitz i mir an!

Ravenspower
02.03.2010 19:19
Warum sind die Wiener/innen...

.... auf swingerclub-besuchende nachbarn so besonders stolz? für meinen geschmack ist das eher etwas für freaks.

Pi der Grieche
02.03.2010 22:07

diffamiere ... äh ... definiere Freaks

Sir Bené Myles
02.03.2010 19:08
Heidemarie Unterreiner zieht die Grenze der Kunst dort, wo der Steuerzahler dem Künstler zur Hand geht

ich zahl lieber steuern für "sex kunst" als für einen burschenschaftler-ball!!!

Außerdem, wer definiert kunst überhaupt? sicher nicht die FPÖ!!!

Kunst ist ein weitläufiger begriff. wenn ich auf eine leinwand schei**e kann es ja genau so kunst sein!

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