Anstieg von 10,2 Prozent - 83.426 Personen davon in Schulungen - Zahl der Beschäftigten ging um 36.000 zurück
Wien - Im Februar waren in Österreich 396.332 Personen auf Jobsuche, davon befanden sich 83.426 in Schulungen. Der Anstieg betrug im Vorjahresvergleich 10,2 Prozent bzw. 36.654 Betroffene, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) Montagfrüh bekannt gab.
Die Situation am heimischen Arbeitsmarkt ist damit weiter angespannt. 312.906 Jobsuchende (ohne Schulungen) - ein Anstieg von 11.211 Betroffenen bzw. 3,7 Prozent - bedeuten einen neuen Februar-"Rekord". Gegenüber Jänner ging die Zahl der Jobsuchenden saisonbedingt jedoch um 10.745 Personen zurück.
36.000 Beschäftigte weniger
Die Beschäftigung schrumpfte um 1,1 Prozent oder um 36.000 auf 3,303 Millionen. Der Rückgang der gemeldeten offenen Stellen konnte gebremst werden.
Insgesamt waren im Februar 26.218 offene Stellen gemeldet, das waren um 0,2 Prozent oder 57 Jobs
weniger als vor einem Jahr. Die Jugendarbeitslosigkeit war mit 47.627 nach wie vor hoch, stieg aber nur mehr um 0,4 Prozent oder um 199 Betroffene an.
Erstmals seit Beginn der Krise ging die Arbeitslosigkeit in der Industrie zurück, und zwar um 7 Personen auf 35.925 Betroffene. Deutlich rückläufig war auch die Arbeitslosigkeit bei den Zeitarbeitern, und zwar um 6,8 Prozent (-2.077) auf 28.587.
Hundstorfer: Wieder schwieriges Jahr zu befürchten
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Februar mit 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zwar zurückgegangen, es sei aber zu befürchten, dass das heurige Jahr für den Arbeitsmarkt ein "sehr schwieriges Jahr bleiben wird", sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ).
Während die Arbeitslosigkeit in der Industrie und bei den Zeitarbeitern
im Februar bereits zurückging, nahm die Zahl der Jobsuchenden am Bau
aufgrund der kalten Witterung mit plus 8,0 Prozent oder 5.115 auf
68.700 überdurchschnittlich stark zu. Steigende Arbeitslosenzahlen gab
es auch im Handel (plus 4,6 Prozent auf 42.530), im Tourismus (plus 6,0
Prozent auf 28.249) und in den Gesundheitsberufen (plus 12 Prozent auf
13.393 Jobsuchende).
Zehn Prozent mit Einstellungszusage
Zehn Prozent der Arbeitslosen oder 93.419 Personen
haben eine Einstellungszusage. Hundstorfer geht davon aus, dass nach
dem harten Winter mit beginnendem Frühling die Bau-Arbeitslosigkeit
deutlich zurückgehen werde.
Deutlich angestiegen sind im Februar wieder die Schulungen, und zwar um 43,9 Prozent oder um 25.443 auf 83.426 Schulungsteilnehmer. Es sei das Ziel der Schulungsoffensive, möglichst vielen Arbeitssuchenden Qualifizierungen anbieten zu können, um sie im Aufschwung leichter vermitteln zu können, so Hundstorfer.
Starker Anstieg bei Älteren
Männer waren vom Anstieg der Arbeitslosigkeit mit plus 4,2 Prozent auf 207.109 Jobsuchende stärker betroffen als Frauen mit einem Anstieg von 2,8 Prozent auf 105.797. Stark angestiegen ist die Arbeitslosigkeit bei den Älteren ab 50 Jahre, und zwar um 7,3 Prozent auf 64.730. Die Arbeitslosenquote bei den Älteren betrug überdurchschnittliche 9,2 Prozent und war um 0,4 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr.
Kräftig gestiegen ist die Arbeitslosigkeit auch bei den Langzeitarbeitslosen, die länger als 12 Monate einen Job suchen, und zwar um 33,1 Prozent auf 7.880 Betroffene. Die Zahl der Lehrstellensuchenden nahm im Jahresvergleich um 5,6 Prozent auf 5.278 Betroffene zu, die gemeldeten offenen Stellen sanken nur leicht um 0,2 Prozent auf 3.152.
Minus in drei Bundesländern
Besonders erfreulich sei, dass die Arbeitslosigkeit bereits in drei Bundesländern wieder leicht sinkt. Rückläufig war die Arbeitslosigkeit in Salzburg (minus 2,3 Prozent), Steiermark (minus 1,4 Prozent) und im Burgenland (minus 1,0 Prozent). Am stärksten gestiegen ist die Arbeitslosigkeit in Oberösterreich mit plus 11,8 Prozent.
Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung stieg im Februar im Jahresvergleich um 0,4 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent, gegenüber Jänner sank sie um 0,2 Prozentpunkte. Nach Eurostat betrug die Quote im Februar 5,4 Prozent, damit lag Österreich hinter den Niederlanden an zweitbester Stelle in Europa. Bei der Jugendarbeitslosigkeit hält Österreich mit einer Quote von 12,0 Prozent hinter den Niederlanden und Deutschland den drittbesten Platz.
Kopf: Rückgang erst 2012
AMS-Vorstand Johannes Kopf sieht einen Rückgang der Arbeitslosigkeit erst im Jahr 2012. Im heurigen Jahresschnitt werde die Zahl der Jobsuchenden um rund 20.000 Betroffene über dem Vorjahr liegen. Auch 2011 sei noch mit einem leichten Anstieg zu rechnen, es sei aber vorstellbar, das die Arbeitslosigkeit in einzelnen Monaten bereits sinken werde. Erschwerend dazu kommen werde die Öffnung des Arbeitsmarktes 2011 für die neuen EU-Länder.
Die Industrie, die am stärksten von der Krise betroffen ist und zwischen 10.000 und 20.000 Arbeitsplätze verloren hat, beginne sich aber bereits zu erholen. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass eine Stabilisierung eingetreten sei. Die Zahl der Arbeitslosen im produzierenden Bereich war im Februar in etwa unverändert, bei den Arbeitskräfteüberlassern gab es einen überdurchschnittlichen Rückgang um 6,8 Prozent.
Projekt von AMS und IV in Vorbereitung
Das AMS und die Industriellenvereinigung (IV) seien derzeit dabei, in einem gemeinsamen Projekt den Beschäftigtenbedarf zu erheben, um gezielt Schulungsmaßnahmen vorzubereiten, so Kopf. Sehr weit sei man dabei schon bei der Analyse für die Metall- und Elektroindustrie. Das Projekt soll noch heuer starten.
Die Kurzarbeit in Österreich geht zurück und werde deutlich weniger kosten als angenommen, so Kopf. Ende Februar waren 26.425 Personen in 224 Unternehmen in Kurzarbeit, das waren um 2.959 Betroffene weniger als Ende Jänner. Die meisten Kurzarbeiter gab es im Februar in Niederösterreich mit 8.062 Betroffenen, gefolgt von Oberösterreich (5.571) und der Steiermark (5.433). (red/APA)