Fritz Neumann

Wieso wir alt aussehen

28. Februar 2010, 18:42

Österreichs Sport hat größere Probleme als eine Nullnummer der Herren Skifahrer

Eine nationale Krise, ein nationales Drama, eine nationale Katastrophe gar. So wird, zumindest da und dort, der „Salto nullo" der Skifahrer bei den gestern beendeten Olympischen Spielen besungen. Tatsächlich dürfte die Nullnummer vielen Österreichern eher in Erinnerung bleiben als Medaillen im Rodeln, Skispringen, Biathlon, Kombinieren, Snowboarden, Skicross und Skifahren (Damen). Künftig wird oft von „Vancouver 2010" die Rede sein, so wie „Sarajewo 1984" wegen der einen Bronzenen des Abfahrers Anton Steiner ein geflügelter Begriff ist.

Der österreichische Hang zu Selbstmitleid und Selbstzerfleischung spielt dabei mit, vor allem aber hat der alpine Skisport hierzulande eine alles andere zudeckende Wichtigkeit erlangt. Diese eine Disziplin macht das Publikum glauben, das kleine Land könne in der großen Welt reüssieren. Dass zuletzt die Nachwuchspflege zu kurz kam, womit der Skiverband (ÖSV) in einigen Olympia-Rennen peinlicherweise nicht einmal konkurrenzfähig war, ist ein relativ kleines Problem. Es löst sich von selbst, wenn wieder Talente zum Zug kommen, denen nicht mehr jeder Platz verstellt, jede Chance verbaut ist.
Doch die Skifahrer und der ewige Jubel über Erfolge oder die ewigen Diskussionen über Niederlagen täuschen darüber hinweg, dass Österreich in vielen Sportarten praktisch nicht existiert. Dabei fahren die aktuellen Weltstars des Wintersports nicht mit zwei Brettern den Berg herunter, sondern springen mit einem Brett durch die Halfpipe wie Shaun White. Die Stars treten nicht im monotonen Eisschnelllauf, sondern im spektakulären Shorttrack an wie Apolo Anton Ohno. Sie rodeln nicht, sondern spielen Eishockey wie Sidney Crosby.

Halfpipe und Shorttrack sind Begriffe, mit denen bestimmende Kräfte im österreichischen Sport rein gar nichts anfangen. Im Winter ist alles auf den Skisport, im Sommer alles auf den Fußball konzentriert. Von Visionen keine Spur. Der eine Grund für den Stillstand: ORF und Kronen Zeitung sind Partner des Fußballbundes (ÖFB) und des ÖSV. So spielt dauernd dieselbe Leier. Während der ORF am Samstag zum x-ten Mal „Ursachenforschung" zum „Skidebakel" betrieb, wurde im ZDF-Sportstudio US-Snowboardstar White von jungen Sehern per Videonachricht befragt. Bezeichnend.

Der andere Grund: die Strukturen im Sport. In Österreich wollen zig Organisationen wichtig sein, das Olympische Comité (ÖOC), die BundesSportorganisation (BSO), das Sportministerium, die Sporthilfe, die Dachverbände Askö, Union und Asvö. Sie putzen sich aneinander ab. Frauensport etwa steht in Österreich nach wie vor im Abseits. So fuhren 52 Sportler, aber nur 29 Sportlerinnen nach Vancouver, eine erbärmliche Quote. Doch in dieser Frage erklärt das ÖOC die Verbände für zuständig.

Sportminister Norbert Darabos will bis 2011 die Sportförderung reformieren. 2009 standen dem Sport auf Bundesebene 113 Millionen Euro zur Verfügung, die Mittel haben sich seit 2000 verdoppelt. Dass ein guter Teil des Geldes in der Bürokratie verschwindet, ist angesichts der vielen Apparate und wenigen Erfolge klar. Dass sich daran bald etwas ändert, ist zu bezweifeln.

Aber Hauptsache, in Sotschi 2014 können die Skifahrer die Schmach „Vancouver 2010" tilgen. Schon werden Rufe nach einer nationalen Anstrengung, einem nationalen Aufbäumen, einem nationalen Kraftakt laut. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. März 2010)

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teuerzahler
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sport ist, was ich mit meinem eigenen körper leiste!

alles andre ist show, geschäft und seitenblicke-biz.

das profi-schit-fahren ist genauso unnötig wie das profi-kicken samt tv-berichterstattung.

dazu kommt chauvinismus und vertrotteltes nationalstolzgehabe.

das sport-geschäft ist dreckig, verlogen und widerlich.

bei uns in bagdad
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lieber fritz neumann

ich glaube hier werden äpfel mit birnen verglichen. geld das in der bürokratie verschwindet muss zuallererst einmal vorhanden sein!
ein durchschnittlicher wiener sportfachverband verfügt über eine aus der öffentlichen hand stammenden förderung i.d.h.v max. 8.000.-!
ein durchschnittlicher bundesverband verfügt über 100.000.-! wo sehen sie da geld, dass in der bürokratie verschwinden kann? es liegt nicht an den ehrenamtlich tätigen, es liegt am ö umfeld.
beispiele: wien verfügt über ein 50meter sportbecken, österrreich insgesamt über drei!?! in wien gibt es keine LA anlage für eine öm!,
das dieses so erschreckend ist, dafür ist wohl auch die mangelnde berichterstattung darüber mitverantwortlich.

milo66
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Die Alpinski, die Ski Nordisch und die Skispringen werden immer die olympischen Winter-Kernsportarten bleiben, so wie die Leichtathletik und Schwimmen für die Sommerspiele. Dass es daneben auch noch was anderes gibt ist ok, man sollte es allerdings nicht überbewerten. Im Snowboard gibt es durchaus ÖsterreicherInnen, die international im Spitzenbereich sind. Aber warum sollte man ausgerechnet in Österreich eine Sportart wie Shorttrack, die nirgendwo in Europa besonderes populär ist, fördern? Nur weils die Amis lieben? Es liegt zwar immer im Auge des Betrachters, aber die besondere Attraktivität dieser Sportart hat sich mir nicht erschlossen.

Veridad
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ja für die verblödete Ö3-Gemeinde!

Das geläuterte gesuderte Übliche
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Schon!

Aber warum haben wir keine einzige Biathletin, obwohl wir fast das stärkste Herren-Team haben? Da kann man doch kooperieren und muss nicht wie bei Short-Track von Null beginnen. Die Damen fahren bei Olympia gleich viel Rennen wie die Herren, da ist es doch schlau auf beides zu setzen. Auch im Langlauf haben wir uns wohl selbst disqualifiziert, im Eisschnellauf waren wir auch schon mal durch Einzelsportler zumindest dabei, derzeit tote Hose! Es ist auch toll, wenn wir 4 der 6 besten Schispringer stellen, aber da gibts nur 3 Bewerbe und nicht wie im Short Track oder Eisschnellauf jeweils 10!

milo66
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Was den Frauen-Biathlon betrifft gebe ich Dir recht, da könnte man weitaus effizienter agieren, und das trifft mit Sicherheit auch auf andere Felder zu.
Was Eisschnellaufen betrifft frage ich mich, inwieweit die bestehenden Strukturen da überhaupt angenommen werden, und zwar auch jenseits einer kurzfristigen Olympiabegeisterung. Macht es wirklich Sinn, da Geld reinzupumpen, nur weil alle vier Jahre ein paar Medaillen vergeben werden? Ich muss allerdings zugeben, dass ich sowohl Eisschnellauf als auch Shorttrack nicht besonders attraktiv finde. In Spandex gezwängte Männer (und Frauen) mit dicken Hintern sind einfach nicht mein Fall. Aber wems gefällt...

bewusstsein
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ich als snowboarder glaube nicht, dass snowboarden die zukunft ist. der trend ist vorbei. in zwanzig jahren werden mich die jungen wahrscheinlich ähnlich sehen, wie ich in jungen jahren die skibobfahrer.

Seuchenprinz
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ich bin früher beides gefahren, habe snowboarden sehr gemocht, aber skifahren geliebt. mittlerweile fahre ich nur mehr mit zwei brettern und bin der gleichen meinung wie du.

FatBoy
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DEN NAGEL AUF DEN KOPF GETROFFEN!

Gratulation zu diesem Kommentar - er stimmt sogar in den Nebensätzen.

Das wirkliche Problem ist nur leider: das geht alles in diesem elenden Hin- und Rücksichtlgesumpfe unserer hochalpinen Furchengänger völlig unter.

Von der kafkaesken Bürokratie und der systemimmanenten Schrebergartenmentalität einmal ganz abgesehen - solange auch noch diese unseligen Allianzen in der Medienlandschaft (und nicht nur im Sport!!!) als eigentliche Säulenheilige der Nation auch weiter bestehen, braucht der Visionär in diesem Land tatsächlich nur eines: einen Arzt!

Ausgeflippter Lodenfreak
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Halfpipe, Shorttrack und Eishockey als Marketingträchtige Sportarten zu nennen ist aber schon ein wenig zu sehr auf den USA-Markt konzentriert. Außerhalb einer bestimmten Zielgruppe kennt kein Mensch in Europa Shaun White und den Ohno kennt sowieso fast niemand.

Das geläuterte gesuderte Übliche
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Glauben sie ein Ami kennt einen Schlieri oder einen Herbstl???

Poldi Fesch
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Eishockey

wiederum is ein Klassiker, v. Anatoli Firsov ueber Bobby Hull u. Orr, zu Gretzky u. Tretjak. Leider hat keiner v. denen je in Aut gespielt

Dr. Muffel
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Nicht alle

Markus Ragger sieht ziemlich jung aus (ist er ja auch):
http://upload.wikimedia.org/wikipedia... Markus.jpg

und jetzt sage keiner, Schach sei kein Sport. Wehe!

schwierig
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keiner

ja, aber es gibt keine Jahreszeiten für Schach

Sinfioetli
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Schach ist Sport genau so wie Kreuzworträtsel und Sudo

Sonntagsfahrer
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Guter Kommentar!

lubo
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sehe ich nicht so denn:

arrivierte wintersportnationen wie deutschland, norwegen, schweden usw. sind in sportarten wie halfpipe, shorttrack und skifreestyle auch so minder vertreten wie österreich. einzig die schweiz schafft es enorm gute sportler im breitensport zu medaillenanwärter zu machen. und jetzt ernsthaft in den sportarten wie eiskunstlauf, shorttrack oder freestyleskiing sind eben nordamerikaner und asiaten weltspitze.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
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krise des österreichischen wintersports? krise des ORF-sportjournalismus

der ORF hat es in der negativen auslese von sportjournalisten zu unerreichter meisterschaft gebracht. eine intellektuelle zumutung. hysterischer hurra-chauvinismus statt analyse & echter begeisterung (wie bei edi finger sen.).

Michael Eisner
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Ein österreichischer

Dschihad, also?

Bis zum Hirnstamm und nicht weiter
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Ich habe noch nie so viele überhebliche Wichtigtuer wie im Österreichhaus in Whistler gesehen.

Peppermint Betty
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Waren Sie selber dort?

Bis zum Hirnstamm und nicht weiter
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ja

Poldi Fesch
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warst

leicht nur dort ?

Zrp Zrpov
 
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Wenn die alpinen Herren lernen, wie angeschossene Milchkühe ins Ziel zu fahren, werden sie in Sotschi wieder auf die Siegerstraße zurückkehren!

pedro_alvorada
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milchkühe

bei angeschossen ist ein o zuviel, dafür fehlt das i...

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