Obama und die Europäer

"Europas Pazifismus ist eine Bedrohung"

28. Februar 2010 18:44
  • Die Diskussion im Audio-Format mit Fotos.

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    Foto: standard/newald

    Rund 800 Zuhörer kamen zur Debatte.

    Link: Die Diskussion als Video

"Europa im Diskurs": Diskussion über die schwierige Wiederannäherung von USA und EU im Wiener Burgtheater

Im Burgtheater kamen am Sonntag renommierte Persönlichkeiten bei "Europa im Diskurs" zur Sache. Das Resultat: Auch nach der Wahl Barack Obamas bleibt das transatlantische Verhältnis über weite Strecken eine große Verlegenheit.

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Geht es nur um Meinungsumfragen? Oder ist Politik auch ein Ort für Spinner, Fantasten und Visionäre, wie sie gelegentlich im Theater vorzufinden sind?" Mit dieser Frage übergab Direktor Matthias Hartmann am Sonntagvormittag die Bühne des Burgtheaters an ein hochkarätig besetztes Panel. Der Auftrag bei "Europa im Diskurs": Die transatlantischen Beziehungen quasi dramatisch aufzuarbeiten. Der Titel der vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen, der Erste-Stiftung und dem Standard organisierten politischen Matinée: "Obama and the Europeans - What has Changed?"

Robert Kagan, der aus Washington angereiste neokonservative Vordenker, versuchte die Visionen gleich zu Beginn bodennah und allenfalls anwesende Spinner im Zaum zu halten: "Es gab eine exzessive Erwartung darüber, wie sehr sich die US-Außenpolitik ändern würde. Aber nationale Verhaltensweisen wechseln ja nicht mit Wahlzyklen." Die USA operierten immer noch in einer Post-9/11-Mentalität. Das unterscheide die Machtbegriffe der Amerikaner und Europäer deutlich - auch jenen, der in Europa so geschätzten Administration Barack Obamas. "Erst vor kurzem hat dessen Verteidigungsminister Robert Gates erklärt, dass die Befriedung Europas ein Segen für das 20. Jahrhundert war, aber eine Bedrohung für das 21. Jahrhundert ist."

Damit erntete Kagan naturgemäß Widerspruch von europäischer Seite: Ivan Vejvoda, der Direktor des Balcan Trust for Democracy in Belgrad, sprach von grundlegenden Veränderungen in "Ton und Stil". Obama habe einen "Berg von Problemem" auf seinem Schreibtisch vorgefunden, angesichts dieses Erbes der Bush-Regierung sei Bescheidenheit gefragt. Auch Außenminister Michael Spindelegger stellte fest, dass der neue Präsident eine "notwendige neue Sprache" vor allem gegenüber Europa gefunden habe. Es gebe hohe Erwartungen, die - noch - nicht erfüllt worden seien.

"Am Abend seines Wahlsieges habe ich gesagt: Mir tut Obama sehr leid", entgegnete indes der frühere tschechische Außenamtschef Karel Schwarzenberg. Denn: "Erlöser kommen sehr selten auf die Welt. Und sie werden erst ans Kreuz geschlagen, bevor man sie akzeptiert." Die amerikanische Innenpolitik sei für Obama viel wichtiger als internationale Angelegenheiten, ja sie bestimme letztere sogar. Der Präsident müsse die noch immer hundsmiserable Wirtschaftslage verbessern und seine Gesundheitsreform endlich durchbringen. Aus diesem Blickwinkel sei Europa nicht unbedingt erste Priorität für Obama.

Pazifik statt Atlantik

Für Schwarzenberg zeigt sich auch ein vom Atlantik in den Pazifik gewechselter Fokus der amerikanischen Außenpolitik. Außenministerin Hillary Clinton sei zu ihrem Amtsantritt nicht wie traditionell alle ihrer Vorgänger zuerst nach Europa gefahren, sondern habe eine ausgedehnte Asienreise gemacht. Außerdem hätten die Europäer zuletzt ja nicht unbedingt als gute Partner für die USA brilliert: "Wenn die transatlantischen Beziehungen relevant für Amerika sein sollen, müssen die Europäer mehr tun."

Der amerikanische Politikberater Stanley Greenberg kommentierte den Umschwung der US-Außenpolitik mit einem schlichten "Follow the money." Und Robert Kagan ergänzte: "Folgt dem Geld und auch der Macht." Europa leide derzeit - mit oder ohne Lissabon-Vertrag - an einer Krise des Selbstbewusstseins und fürchte von Obama, ignoriert zu werden, noch bevor der überhaupt daran gedacht habe. "Im Gegensatz zu den Bush-Jahren sind heute die Europäer über ihre inneren Verhältnisse deprimiert und wir versuchen, sie aufzuheitern", witzelte der Neocon über den unerwarteten "Change" den es im vergangenen Jahr gegeben habe.

Ein US-Präsident, der neu ins Amt komme, stellt sich laut Kagan zwei Fragen: "Wer macht uns Probleme? Und wer kann mir helfen?" Europa mache keine Schwierigkeiten mehr, sei also in Machtfragen irrelevant. Und andererseits könne Europa Obama augenscheinlich auch nicht helfen, andere Probleme zu lösen.

Stichwort Iran, Stichwort Afghanistan. Für Robert Kagan wird sich in der Frage des Atomstreits zeigen, ob die amerikanisch-europäischen Beziehungen noch tragfähig sind. Es liege an den USA und der EU, Druck in Form von schärferen Sanktionen auf das Regime in Teheran auszuüben. Michael Spindelegger erklärte dazu, dass es bis Ende April Klarheit geben sollte, ob solche Maßnahmen kommen werden. Es würden derzeit im UN-Sicherheitsrat schwierige Verhandlungen darüber geführt: "Wir wollen versuchen, das Regime zu treffen, nicht die Menschen."

Was Afghanistan anbelangt, konnte der Außenminister weniger Konkretes sagen. Österreich schicke fünf Polizisten zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte nach Kabul. 100 Soldaten an den Hindukusch zu schicken, mache keinen Unterschied dort. Und mehr könne sich Österreich nicht leisten - "wir sind im Moment ja auch keine Supermacht".

Genau das mochte Robert Kagan als neuer Beweis für seine These über die unterschiedlichen Auffassungen über den Gebrauch von Macht - "die USA sind der Cowboy, die Europäer der Saloonbesitzer" - dienen. "Ich glaube, wir wissen, dass wir da nicht übereinstimmen. Die Frage ist: Wie machen wir jetzt weiter?" Ja, wie denn? Eine Antwort blieb auch der eloquente Kagan schuldig. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2010)

Kommentar posten
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F F
09.06.2010 00:32

Krieg ist super, Herr Friedensnobelpreisträger.

marlboro morgenstern
06.06.2010 14:15

wie lang bleibt der artikel noch da ??!

Round Robin
 
05.06.2010 06:07
Horst Koehler sieht das auch so

"Aber die poesen purschen haben kein respekt vor 'dem Amt', puuhuuu..."

Ab Null Euro
06.05.2010 09:32
Europas Pazifismus ist eine Bedrohung

Wäre vorteilhaft wenn NewYork, Chicago, LA, San Francisco,... auch mal aussehen würden wie Berlin, Wien, Dresden, Rotterdam, London, Coventry,... 1945.

Würde dämliche US Ansichten schnell ändern.

Des is so - und nicht anders..
 
29.03.2010 17:28
..ABER !!!!!

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"Europas Lobbyisten sind eine Bedrohung"



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..am liebsten würd ich mir das notariell beglaubigen lassen - damit ich meinen Kindern und Enkerl sagen kann: "Ich habs immer gewußt - aber ..." ... ;-)

Hamit_Hatemi
22.03.2010 18:43

Pazifismus führt in den Untergang - genauso wie Krieg.

Pazifismus muss nicht immer besser sein.

theMightyDaFa
16.03.2010 10:06
wär lustig zu sehen was...

... passiert, wenn deutschland wieder aufrüstet...

hoferbernie
13.05.2010 23:32

was würde dann ihrer meinung nach passieren???

more more
15.04.2010 11:22

Deutschland wurde schon vor langer Zeit wiederbewaffned.
Adenauer wollte damals sogar die Atombombe.

hoferbernie
13.05.2010 23:47

das geteilte deutschland lag damals im brennpunkt des kalten krieges der jederzeit zu einem heißen hätte werden können. der allererste austragungsort äre deutschland gewesen. adenauer wollte die bombe als gegengewicht zur sowjetmacht.
und so reagierten die deutschen darauf:

“ Mit Widerstand hatte Adenauer gerechnet, doch einen Proteststurm wie in den folgenden eineinhalb Jahren hatte die Bundesrepublik noch nicht gesehen.
Eine Meinungsumfrage im April 1957 ergab, dass 63 Prozent der Bundesbürger die Atombewaffnung der Bundeswehr ablehnten, nur 17 Prozent waren dafür.

aus: http://www.tagesspiegel.de/politik/g... 21464.html

Raptor Jesus
15.03.2010 13:16
Natürlich ist Pazifismus eine Bedrohung!

Wer soll den all die Waffen kaufen, wenn alle auf einmal liberale Hippie-Penner sind?
Zum Glück ist das für die Waffenindustrie nur ein Horrorszenario.
Die Bomben, die in Afghanistan Soldaten töten brachten in dem Heimatland des Toten Soldaten Aufschwung und Arbeitsplätze.

Mostbluzer
10.03.2010 12:07
Charismatiker Obama: .. auch Hitler war einer

sowas darf man natürlich als österreicher oder deutscher nicht sagen. bis auf einen ...altbundeskanzler schmidt. der letzte deutsche bundeskanler mit hirn und redefreiheit.

Was Helmut Schmidt »an der Redeart von Barack Obama« nicht gefalle, wollte Gastgeber Reinhold Beckmann (ARD) wissen.

Darauf Schmidt: »Ich habe nichts gegen die Art der Rede. Aber ich habe erlebt, dass Charismatiker hinterher mehr Unheil gestiftet haben, als sie sich selber vorgestellt haben. Immerhin – Adolf Hitler war auch ein Charismatiker.«

http://info.kopp-verlag.de/news/altb... itler.html

Harry Y.
 
12.05.2010 12:11

Der Schmidt hat natürlich Recht: man muß sehr aufpassen, dass man nicht auf Blender siehe KHG oder HC Strache hereinfällt und auch nicht auf leere Rhetorik.

Aber Sie scheinen die beiden zu vergleichen, und das finde ich falsch und obskur.

Otto Ottinger
 
22.04.2010 22:14

uns Sozialist war er auch!

franz kurt
 
15.04.2010 15:24

und vegetarier.

vergessen sie nicht, dass er vegetarier war.

Hans Meiser2
07.05.2010 23:50
Und Nichtraucher

Sonst noch was?
Aja, stimmt das mit dem einen Ei eigentlich?

pepitant
16.04.2010 12:16
Linkshänder war er nicht zufällig ?

Dann gilts nicht.

frune
04.03.2010 19:12
Die USA sind eine Supermacht

am absteigenden Ast.
Sie selbst wissen um ihrer Situation am besten.
Sonst hätten sich die Busenfreunde des Herrn Kagan nicht schon zu Beginn der Ära W.Bush zur NeoCon-Truppe NewAmericanCentury zusammengetan. Einziges Ziel dieses "Think Tanks" ist die manifestierung der amerikanischen Vormachtstellung.
(www.newamericancentury.org)
Was wird in den USA zur Zeit noch auf konkurrenzfähigem Niveau produziert?
Ausser Investmentbanken und Versicherungsgesellschaften ist nicht mehr viel übrig im zivilen Bereich.
ABER die Rüstungsindustrie boomt wie seit dem 2. WK nicht mehr. Und genau dieser Umstand macht die USA zu einem unberechenbaren und gefährlichen Riesen.
Europa muss sich emanzipieren, oder es wird mit den USA untergehn.

mistvieh666
 
18.03.2010 00:27

die produktion wandert nach asien ab.
was zum beispiel wird in europa noch konkurenzfaehig produziert?
man soll die welt nicht mit veralteten modellen erklaeren.
uebrigens, wissen sie warum hitler der meinung war, dass deutschland dringend die welt erobern muss:
landwirtschaft, ackerflaechen, lebensraum.
(haetten die nazis den 2. weltkrieg gewonnen, die agrarsubventionen haetten dem 1000jaehrigen reich den todesstoss versetzt)

sycl0ne
13.04.2010 09:43

äh - deutschland = exportweltmeister
aber in erster linie wird hier know how produziert

Jens Kampe
05.03.2010 20:53
Von dem Pazifismus durfte man ja heute erst wieder lesen.

Deutschland gönnte sich (nebst den vor kurzem gekauften knapp 200 Eurofightern) jetzt mal eben 60 der neuen Airbus A400m Maschinen.
Was werden die damit wohl transportieren? Rosinen? Tz.

Micha Do
 
04.03.2010 12:50
Was Obama nicht sieht:

Die meisten Menschen in Europa haben es satt, im 20-Jahres-Rhythmus übereinander her zu fallen.
Wenigstens die "internen " Vorbehalte der verschiedenen Staaten in Europa sind weitgehend in den Hintergrund getreten.
Wenn irgend eine Region Grund für Pazifismus hat (was auch immer Obama darunter versteht, wenn ich mir z B GB ansehe) dann Europa.
MfG

daemeth
06.05.2010 11:44

was man auch bedenken sollte ist, das die us-amerikaner nie erlebt haben, was es bedeutet sein land, seine familie, seine existenz zu verlieren um dann wieder alles neu aufbauen zu müssen...das zehrt schon sehr an der wahrnehmung was besser ist...krieg oder frieden.

Micha Do
 
06.06.2010 09:19
Wenn man verschiedene der Äusserungen im Artikel genauer überdenkt,...

...könnte man weiterargumenieren:
Weniger Konflikte der Europäer untereinander gefährden die Interessen der US; Krieg ist schon was Nützliches - vorausgesetzt er findet tunlichst woanders statt.
Sie haben schon recht - den US geht eine mehr realistische Sicht von "Krieg" offensichtlich ab.
Für mich einer der Gründe, warum sich Europa (im Begriff für mich weiter gefasst als die dzt EU) von den US dringend mehr emanzipieren sollte. - weiß schon, in Anbetracht der Paradigmen in Polen, GB, Tschechien etc im Augenblick eine nicht realistische Überlegung..
MfG M.D.

benedetto ratzinga
02.03.2010 11:37
Wir verdanken den Amis unseren Lebensstandard

geht das in den Schädel einiger überkritischer Poster nicht rein?

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