Olympia

Teamgeist und Sekundenbruchteil

28. Februar 2010, 18:19
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    foto: apa-foto: hans klaus techt

    Nicht viel zu Lachen gab es für die Alpinen Herren.

Österreichs Sportler sorgten für das drittbeste Ergebnis bei Winterspielen, die alpinen Herren für das schlechteste

Dan Johnson, der Spezialist für olympische Prognosen, hatte Österreich gewissermaßen goldrichtig eingeschätzt vor den XXI. Winterspielen, gewissermaßen aber auch überschätzt. Die vorausgesagten vier Olympiasiege trafen ein. Die rodelnden Brüder Andreas und Wolfgang Linger, Andrea Fischbacher (Super-G), die Skispringermannschaft mit Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer sowie die nordischen Kombinierer Bernhard Gruber, David Kreiner, Felix Gottwald und Mario Stecher sorgten dafür.

Die von Johnson (40), dem kanadischen Wirtschaftsprofessor in Colorado, verheißenen insgesamt 25 Medaillen wurden freilich nicht erreicht. 16 Stück sind auch nicht übel. Es handelt sich um die drittbesten Spiele für Österreichs Wintersport, besser waren nur jene in Turin 2006 (23 Stück, neun davon in Gold) und jene von Albertville 1992 (21, sechs davon in Gold). Zählt man, was natürlich gar nicht geht, die von Österreichern erreichten vierten Plätze zu den Medaillen hinzu, kommt übrigens genau 25 heraus.

Die alpinen Herren grämen sich über das schlechteste Abschneiden der bisherigen Olympiageschichte. Zur Erinnerung: Mario Scheiber verpasste die Medaillenränge in der Abfahrt um zwölf, Marcel Hirscher jene im Riesenslalom um sieben, Benjamin Raich jene im Slalom um fünf Hundertstel. „Das ist wie eine Höchststrafe", kommentierte Herrencheftrainer Toni Giger ziemlich geknickt, „wir wissen aber nicht, was wir ausgefressen haben." Raich, vor vier Jahren in Turin Doppelolympiasieger: „Irgendwann kommen die verlorenen Hundertstel wieder zurück."

Österreichs Skifahrt blieb zwar auch in Garmisch-Partenkirchen 1936, als der alpine Skisport zum ersten Mal olympisch war, ohne Medaillengewinn. Aber dort kam es nicht einmal zum Versuch. Weil Skilehrer dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht als Amateure galten, durften sie nicht mitwirken. Und deshalb boykottierte der österreichische wie etwa auch der schweizerische Skiverband damals die Spiele in Bayern.

Der Slalom rettete also die österreichische Skifahrerehre nicht. Aber dafür erlöste er Italiens Wintersportabteilung. Giuliano Razzoli (25), der erst im Jänner in Zagreb seinen ersten Weltcupsieg feierte: „Es ist toll, wenn man das wichtigste Rennen seiner Karriere gewinnen kann, das können nicht viele. Und ich weiß, was diese Medaille für mein Team und mein Land bedeutet."

Dan Johson, der sich nicht um Sport kümmert, sondern um Daten wie das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, die Einwohnerzahl, die Zahl der Frosttage, die politische Struktur oder den Heimvorteil in seine Rechnung einfließen ließ, hat Kanada den Sieg in der Medaillenwertung prophezeit. Und die Kanadier, die bei ihren bisherigen Heimspielen im Sommer 1976 in Montréal und im Winter 1988 in Calgary nicht eine einzige Goldene gewonnen hatten, hielten sich daran. Die Deutschen hat er übrigens unterschätzt und die Russen grob überschätzt.

Österreich ist im Wintersport _jedenfalls breit aufgestellt, und drei der vier Goldenen sind dem Teamgeist zu verdanken. Und zwei der insgesamt 16 Medaillen dem Rodelverband. Die Linger-Brüder haben die Fahne bei der Eröffnung getragen. Bei der Schlussfeier in der Nacht auf Montag war Silbermedaillengewinnerin Nina Reithmayer als Fahnenträgerin auserkoren. (Benno Zelsacher aus Whistler, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. März 2010)

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Capricorn61
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Die Kunst des Medaillenzählens

Bei den 2010-Spielen gab es 86 Bewerbe, mal 3 macht also 258 Medaillen insgesamt. 16 davon sind 6,2%. Mithilfe der New York Times habe ich in die Vergangenheit gegraben:
Vor rund 20 Jahren, 1992, gab es insgesamt 195 Medaillen, Österreich errang 21: das sind 10,8%. Nochmals 20 Jahre davor, 1972, gab es 102 Medaillen, Österreich errang 5, das sind wirklich mickrige 5%. Und bei den ersten Spielen in Innsbruck, 1964, gab es gar nur 84 Medaillen und davon gingen 12 an Österreich: stattliche 14,3%.
In relativen Werten sind also die 2010-Spieler eher als minder erfolgreich zu betrachten.

kubidus
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und von den 258 medaillen...

wurden allein 60 nur bei den eisschnelllauf- und shorttrack-wettbewerben vergeben! (mehr als alle ski-alpin, ski-sprung und snowboard-medaillen zusammen ;)

Enrico Furioso
00
Naja

dafür sind heute Nationen bei Olympia die vor 20 oder mehr Jahren praktisch bedeutungslos waren. Die Konkurrenz ist viel größer als früher. Welche Bedeutung hatten denn zb. in Innsbruck 1964 Länder wie Süd-Korea oder China? Praktisch keine. Fazit ist wohl: mehr Bewerbe, mehr Medaillen, und mehr Konkurrenz.

Was ich generell eher bedenklich finde ist diese Konzentration auf den alpinen Skisport. Vielleicht ist es ganz gut, wenn mal Disziplinen im Scheinwerferlicht stehen bei denen man nicht mit 2 Bretteln an den Füßen einen Hang runterrast. Ich fand zb. den Langlauf in der Nordischen Kombination - Mannschaft spannender als jedes Skirennen, ob nun mit, oder ohne österreichischen Sieger.

Mann ohne Nerven
03
nationalistische Gefühle

wenn man sonst nichts hat (sowie anscheinen dieser Alibaba) werden diese wohl immer wieder herhalten müssen. Ich gönne der Schweiz dieses historische Ergebnis. Aber es gibt auch andere interessante Meldungen (im Ausland) bitte lesen...
http://www.sueddeutsche.de/,tt7m1/sp... r/?img=5.0

gratis trinken
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hundskicker

Gary Grantscherbn
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Ich erinnere nur daran, wieviele Alpin-Medaillen die anderen großen Skinationen Schweiz (3?), Italien(1) und Schweden (1) eingefahren habne. Dieses Mal ist es halt für Germanien und USA gelaufen.

Alibaba4497
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...wióbei die Schweiz insgesamt vor Österreich liegt ... Hahaha !!!

asdf 1234
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Wenn Sie schon die >Betonung auf "insgesamt" legen,

so möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Österreich "insgesamt" vier Alpin-Medaillen in Vancouver erreichen konnte. Wieviele Alpin-Medaillen erreichte die Schweiz "insgesamt"? ;-))))

chris hopeman
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Schweiz ohne "Schummelmedaillen" weit hinten

ja, aber ohne die beiden "Schummelmedaillen" von Amman mit seinem gebogenem Rohr wäre die Schweiz deutlich hinter Österreich.

asdf 1234
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Was heißt "Schummelmedaillien"?

Offenbar haben Sie nicht mitbekommen, dass es einen Juryentscheid in dieser Sache gab.
Und selbigen akzeptiere auch ich als Tiroler;-)))

Wenngleich jedem Verband das Recht zugestanden werden muss, etwas zu hinterfragen;-)))

Sobald aber ein Juryentscheid egal ob pro oder kontra vorliegt, ist dieser zu akzeptieren!

Alibaba4497
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Neidzerfressener Österreicher. Nicht mitbekommen? Der Schmierentheaterinitiant Pointner hat nach der Ohrfeige der Jury und der internationalen Schelte den Schwanz eingezogen?

Neidzerfressener Österreicher. Nicht mitbekommen? Der Schmierentheaterinitiant Pointner hat nach der Ohrfeige der Jury und der internationalen Schelte den Schwanz eingezogen?

Florian Treml
00
28.2.2010, 20:27

eigentlich in jedem rennen der Alpin-Herren bei allen eine ziemlich gleichmäßige fortsetzung der saisonleistungen - ausgenommen Super-G und (erwartungsgemäß) dem Herbstl. insofern kann man sich eigentlich "nur" über pech beklagen, nicht über unvermögen.

orso minore
00

Hirscher hat heuer schon Rennen gewonnen, Raich hat die Kombi-Kugel und fuehrt im Gesamt-WC, also war eigentlich schon mehr zu erwarten.

derjungeroemer
00
28.2.2010, 19:02
was mich wundert ist, dass es 1936 schon skilehrer gab

das bedeutet ja, dass es schon schüler gab, d.h leute, die dafür bezahlen konnten und wollten.

Gary Grantscherbn
00

war damals schon weltberühmt...über einen der Pioniere von damals war vor kurzem eine höchst interessante Sendung "Hörbilder" in Ö1: Friedl Pfeifer. Zum Download, 13.2. Hörbilder, 09.05. Der hat damals schon reichen Amerikanerinnen am Arlberg Stemmbogerl beigebracht.

Bauti
00
28.2.2010, 22:38
ja natürlich

...der Arlberg war damals bereits als Schigebiet weltbekannt. Deshalb gelang es am Arlberg relativ gut, die 1.000 Mark-Sperre wegzustecken, weil Engländer, Amerikaner, Franzosen usw. schifahren kamen. Natürlich lässt sich das nicht mit heutigen Verhältnissen vergleichen, aber für die damalige Zeit war das schon was.

LL MM
00
28.2.2010, 19:34

Was wundert Sie da?

Der Wintertourismus blühte schon in den 20er und 30er-Jahren, vor allem in Österreich, in der Schweiz, in Italien und in Frankreich. Massentourismus gab es zwar keinen, aber genug Gäste, die sich das leisten konnten. Der Arlberg z. B. war damals schon ein bekanntes Wintersportgebiet mit vielen Skipionieren.

kraeutrpolizei
00
28.2.2010, 19:34

der alpinismus hat die möglichkeit zum tourismus einfach schnell erkannt. immerhin kamen schon im 19. jahrhundert engländer in die alpen zum schifahren.

Julian Casablancas
70
28.2.2010, 18:30

verschwendung von steuergeldern is das ganze und sonst nichts!

Settembrini
29
28.2.2010, 18:57
Verschwendung - aha.

Ich kann das Gemosere schon nicht mehr hören. Raumfahrt - Verschwendung. Grundlagenforschung - Verschwendung. Theater - Verschwendung. Sportereignisse - Verschwendung. Literatur - Verschwendung. Wein - Verschwendung. Es gibt nur Brot essen, Wasser trinken, zu Gott beten, GV zur Fortpflanzung, keine Witze und im Keller lachen. Geh´ sch......

Julian Casablancas
50
28.2.2010, 20:06

bin ganz bei ihnen. verstehen sie mich bitte nicht falsch. nur das geld für die sportförderung ist komplett nutzlos. was bringt es mir wenn ein sportler gold holt? gar nichts! was bringt es österreich? auch nichts.
diese gelder sind viel besser in der bildung, wissenschaft, kultur aufgehoben! sport wird doch letztendlich nur wegen der panem et circenses gefördert!

hurchzua
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es bringt durchaus auch messbares

Österreich wird bekannt. Sonst kommen wir in Nordamerika kaum in den Medien vor.

In nächster Zeit werden weniger Verwechslungen mit Australien geschehen. Das hilft dem Tourismus. Das hilft dem Export.

rapidfans.at
02
was bringts mir, wenn die oper subventioniert wird?

nichts. mir persönlich gar nichts. aber es ist ok für mich. denn das systrem steuern beinhält nun mal, dass auch dinge subventioniert werden, die mich eben nicht interessieren. das ist in einer gemeinschaft so.

Cogito Ergo Dumm
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Sie vergessen, dass sportliche Erfolge ganz wichtig sind

im Nation Building Process.

Ich erinnere nur an Cordoba.

asdf 1234
00
Cordoba wurde seinerzeit

und wird heute noch als "Sternstunde des österreichischen Fußballs" verkauft, wobei einmal angefragt werden darf, aus welchen Gründen.
Fakt ist nämlich: Hätte Hansi Müller kein Eigentor für Österreich geschossen, hätte dieses Spiel max. 2:2 geendet;-)))
Wo also liegt hier die "Sternstunde des österreichischen Fußballs", wenn man 2:2 gegen Deutschland (ohne dem Eigentor Müllers) spielt?
LG aus Tirol;-)))

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