Österreichs Sportler sorgten für das drittbeste Ergebnis bei Winterspielen, die alpinen Herren für das schlechteste
Dan Johnson, der Spezialist für olympische Prognosen, hatte Österreich gewissermaßen goldrichtig eingeschätzt vor den XXI. Winterspielen, gewissermaßen aber auch überschätzt. Die vorausgesagten vier Olympiasiege trafen ein. Die rodelnden Brüder Andreas und Wolfgang Linger, Andrea Fischbacher (Super-G), die Skispringermannschaft mit Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer sowie die nordischen Kombinierer Bernhard Gruber, David Kreiner, Felix Gottwald und Mario Stecher sorgten dafür.
Die von Johnson (40), dem kanadischen Wirtschaftsprofessor in Colorado, verheißenen insgesamt 25 Medaillen wurden freilich nicht erreicht. 16 Stück sind auch nicht übel. Es handelt sich um die drittbesten Spiele für Österreichs Wintersport, besser waren nur jene in Turin 2006 (23 Stück, neun davon in Gold) und jene von Albertville 1992 (21, sechs davon in Gold). Zählt man, was natürlich gar nicht geht, die von Österreichern erreichten vierten Plätze zu den Medaillen hinzu, kommt übrigens genau 25 heraus.
Die alpinen Herren grämen sich über das schlechteste Abschneiden der bisherigen Olympiageschichte. Zur Erinnerung: Mario Scheiber verpasste die Medaillenränge in der Abfahrt um zwölf, Marcel Hirscher jene im Riesenslalom um sieben, Benjamin Raich jene im Slalom um fünf Hundertstel. „Das ist wie eine Höchststrafe", kommentierte Herrencheftrainer Toni Giger ziemlich geknickt, „wir wissen aber nicht, was wir ausgefressen haben." Raich, vor vier Jahren in Turin Doppelolympiasieger: „Irgendwann kommen die verlorenen Hundertstel wieder zurück."
Österreichs Skifahrt blieb zwar auch in Garmisch-Partenkirchen 1936, als der alpine Skisport zum ersten Mal olympisch war, ohne Medaillengewinn. Aber dort kam es nicht einmal zum Versuch. Weil Skilehrer dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) nicht als Amateure galten, durften sie nicht mitwirken. Und deshalb boykottierte der österreichische wie etwa auch der schweizerische Skiverband damals die Spiele in Bayern.
Der Slalom rettete also die österreichische Skifahrerehre nicht. Aber dafür erlöste er Italiens Wintersportabteilung. Giuliano Razzoli (25), der erst im Jänner in Zagreb seinen ersten Weltcupsieg feierte: „Es ist toll, wenn man das wichtigste Rennen seiner Karriere gewinnen kann, das können nicht viele. Und ich weiß, was diese Medaille für mein Team und mein Land bedeutet."
Dan Johson, der sich nicht um Sport kümmert, sondern um Daten wie das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, die Einwohnerzahl, die Zahl der Frosttage, die politische Struktur oder den Heimvorteil in seine Rechnung einfließen ließ, hat Kanada den Sieg in der Medaillenwertung prophezeit. Und die Kanadier, die bei ihren bisherigen Heimspielen im Sommer 1976 in Montréal und im Winter 1988 in Calgary nicht eine einzige Goldene gewonnen hatten, hielten sich daran. Die Deutschen hat er übrigens unterschätzt und die Russen grob überschätzt.
Österreich ist im Wintersport _jedenfalls breit aufgestellt, und drei der vier Goldenen sind dem Teamgeist zu verdanken. Und zwei der insgesamt 16 Medaillen dem Rodelverband. Die Linger-Brüder haben die Fahne bei der Eröffnung getragen. Bei der Schlussfeier in der Nacht auf Montag war Silbermedaillengewinnerin Nina Reithmayer als Fahnenträgerin auserkoren. (Benno Zelsacher aus Whistler, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. März 2010)