Olympia

"Fünf Hundertstel, da kriegst ja einen Vogel"

1. März 2010, 14:24
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    foto: epa/guariello

    Präsident Peter Schröcksnadel hat neue Strukturen für den Skiverband im Kopf.

Der österreichische Skiverband besorgte Österreich 14 der 16 Medaillen. ÖSV-Präsident und ÖOC-Vize Schröcksnadel hat neue Strukturen für den Skiverband im Kopf

Schröcksnadel: Das zipft mich an. Lauter vierte Plätze.

Standard: Ihre Begründung dafür?

Schröcksnadel: Wenn man jetzt sagt, das System ist hin, ist das Schwachsinn. Das System ist nicht hin wegen ein paar Hundertstel. Es hat uns bei den Herren nicht mögen. Bei den Damen hat's uns mögen, das kam unerwartet.

Standard: Also alles nur Pech.

Schröcksnadel: Ein vierter Platz ist immer Pech. Fünf Hundertstel, da kriegst ja einen Vogel. Deswegen brauchen wir keine Neuordnung.

Standard: Aber sie ist geplant.

Schröcksnadel: Das will ich jetzt nicht besprechen, jetzt ärgere ich mich einmal. Das muss man halt akzeptieren. Wir führen im Gesamtweltcup, den müssen wir heimfahren. Und wenn wir jetzt den Kopf hängen lassen, dann fahren wir ihn nicht heim. Den Kombiweltcup haben wir. Und im Slalomweltcup führen wir auch.

Standard: Reden wir über Olympia. Wenn Benjamin Raich um fünf Hundertstel schneller fährt, dann hat das männliche Skiteam auch das schlechteste olympische Ergebnis, zwar nicht allein, aber ex aequo mit Sarajewo 1984, als Anton Steiner Abfahrtsbronze holte.

Schröcksnadel: Wir brauchen keine Ausreden. Wir haben keine Medaillen, das ist ein Fakt. Damit müssen wir leben. Wir haben nach wie vor das stärkste Slalomteam.

Standard: Auf diesem Berg nicht. War das Team nicht gut genug vorbereitet? Es herrschten hier andere Bedingungen als im Weltcup.

Schröcksnadel: Das haben wir gewusst. Aber ich glaube, dass es nicht an den Bedingungen gelegen ist. Ich glaube, es ist an Olympia gelegen. Letztlich muss der Fahrer fahren. Man kann nicht die ganze Verantwortung abgeben an die Trainer, an den Verband. Im Fußball ist es so, dass der Trainer gewinnt und verliert. Beim Skifahren ist es so: Wenn wir gewinnen, ist es der Läufer, wenn wir verlieren, ist es der Trainer. Wenn der Benni Erster ist, gibt's das ganze Theater nicht. Jetzt ist er Vierter, und wir haben das Theater.

Standard: Viele andere ÖSV-Sportler gewannen hier Medaillen. Ist das nicht ein Trost.

Schröcksnadel: Insgesamt ist es schön, ich hab mich über jede Medaille gefreut. Bis auf zwei Medaillen sind alle unsere. Aber jetzt steh ich im Slalomziel, und es ärgert mich einfach, dass die Alpinherren keine Medaillen gemacht haben. Hätten sie welche gemacht, hätten wir die besten Spiele der Geschichte. Das ist Jammern auf hohem Niveau.

Standard: Die Biathleten waren die große Schande von Turin. Jetzt gewinnen sie zwei Silberne. Ist das nicht eine schöne Geschichte?

Schröcksnadel: Ein Hammer. Aber es ist im Moment eine verkehrte Welt. Dort, wo wir das Problem gehabt haben, sind wir irrsinnig gut. Und dort, wo wir immer gut waren, es nie ein Problem gegeben hat, sind wir abgestürzt.

Standard: Österreichische Skitrainer stecken hinter vielen Erfolgen anderer Nationen. Werden Sie welche zurückholen?

Schröcksadel: Das ist eine Möglichkeit. Und deshalb ist es auch eine blöde Forderung, Trainer zu entlassen. Dadurch, dass schon so viele weggegangen sind, sind unsere Strukturen woanders eingeführt worden. Und jetzt müssen wir uns etwas Neues überlegen.

Standard: Zurück zur Struktur.

Schröcksnadel: Jetzt ist meine Emotion draußen, der Ärger weg. Die Struktur wird grundsätzlich geändert, nach dem Weltcupfinale wird sie vorgestellt.

Standard: Konkret?

Schröcksnadel: Ich sag nur, dass sie mehr Geld kostet. Wir haben zum Beispiel bei den Alpinen zu große Gruppen gehabt, weil wir gespart haben aufgrund der Krise. Das war natürlich nicht gescheit, aber das Geld muss man auch haben.

Standard: Die meisten Sparten waren ja erfolgreich bei den Spielen.

Schröcksnadel: Trotzdem gibt es Änderungen. Beim Skispringen hatten wir das Problem mit der Bindung. Dieses Theater war ja auch nicht grad lustig. Es gibt überall Verbesserungsbedarf.

Standard: Bleibt der Personalstand gleich?

Schröcksnadel: Man wird mehr Personal brauchen. Und ich geh jetzt nicht her und sag, der Giger wird rausgehaut. Wenn man das erwartet, dann erwartet man etwas Falsches. Wir haben sehr viel Potenzial, das nicht genützt wird.

Standard: In welchen Bereichen?

Schröcksnadel: Im wissenschaftlichen Bereich und beim Material.

Standard: Denken Sie schon an die Spiele 2014 in Sotschi.

Schröcksnadel: Ich denke nicht an Sotschi, das Konzept zielt auf die WM 2013 in Schladming. Ob ich dann weitertue, weiß ich nicht.
(Benno Zelsacher, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. März 2010)

ZUR PERSON: Peter Schröcksnadel (68) ist seit 1990 Präsident des Skiverbandes. Der Innsbrucker besitzt u. a. über seine Sitour Management GmbH zahlreiche Skigebiete und Tourismusunternehmen.

Kommentar posten
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Rudolf Larchner
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He Schröcksnadel.... BITTE tritt ab...

Oida, wie der Typ mir doch auf den ... geht. Was für ein kompletter Vollkoffer. Bitte Schröcksi.. geh deine Werbetafeln verkaufen und lass das Volk bitte in frieden.

Kann in dem Schirzirkus bei uns im Land nicht irgendwann mal jemand für Ablöse sorgen...?

Alibaba4491
10
Man sieht wie LÄCHERLICH sich die Österreicher mit ihrem nationalen Grössenwahn machen!!

Skisportgrossnation Österreich ???

Medaillenausbeute Ski alpin Herren:

Gold 0
Silber 0
Bronze 0

Fazit: Man sieht wie LÄCHERLICH sich die Österreicher mit ihrem nationalen Grössenwahn machen!!

djang
10
abfahrt:

abfahrt: 3 top10 plätze, darunter platz 4
riesentorlauf: platz 4, 5, 6
slalom: 3 top10 plätze darunter 4,5
kombi: platz 6
super g: ja gut das war nix

ist aber dennoch ein gutes mannschaftliches ergebnis...also auf den ersten blick waren nur die schweizer und amerikaner mannschaftlich besser (wenn man sich von den rennen die top10 ansieht)...

österreich hätte bei leicht anderem verlauf auch 8 medaillen davon 3 in gold machen können...in turin ist fast alles aufgegangen was aufgehen kann in vancouver halt nicht...man sieht aber eindeutig, dass wir voll vorne mitgefahren sind...und die weltcupergebnise bezeugen das ebenfalls...

mistvieh666
 
10
falsche frage.

die fragen sind:
- warum koennen mancuso, kostelic, usw, also leute die durchaus aehnlich erfolgreich sind wie unsere, ein praezises image aufbauen und unsere eigentlich nicht - verschenkte siege.
- wie kann man den schisport attraktiver machen. (zb: irgendwas vernuenftiges statt dieser dummen superkombi)
(zb: wenn einer der top 15 laeufer beim slalom, rtl im ersten durchgang ausfaellt kann er mit nr45... noch mal starten, wenn ich mir ein rennen anschau, will ich hirscher... sehen, egal wievielter er wird, und nicht hoeren, dass er beim 3.tor rausgeflogen ist)
managment kann was dafuer wenn man 50 rennen versagt und fuer andere sachen - siehe oben - aber nicht bei 5 rennen.

spatti
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ganz einfach, weil ein matt nicht zum zug kommt mit einer gezielten olympia-vorbereitung, währen raich, pranger, herbst, hirsch bereit je 5 topten-plätze im winter abgeliefert haben.

bei den herren fällt mir eigentlich nur janka ein, mit abstrichen kostelic und svindal, die im vorfeld schon regelmässig topergebnisse geliefert haben und bei in vancouver zugeschlagen haben. lizeroux? cuche? (für den ist es bitterer, als für unser gesamtes herrenteam zusammen...)

Space Needle
00
Der Gert Ehn muss wieder her!

Bitte holt den Gert Ehn wieder ins Weltcup Team. Mit seiner intelligenten, verschmitzen Art holen wir 2013 alle Goldmedaillen! Ich war ganz überrascht als er jetzt plötzlich bei den Skicrossern afgetaucht ist, wo er arbeitet regnet es Medaillen!

sick boy
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lieber ehn, berthold und leitner als pum und giger. keine frage. der einzige den man im jetzigen trainerteam brauchen kann ist der evers

Ausgeflippter Lodenfreak
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Um ein paar Hunderstel waren aber die Fahrer nur zurück, wenn der Anspruch nur der dritte Platz ist, hinter dem Ersten war man weiter zurück.

C.C.
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EINFACH ZUM NACHDENKEN

Generationen von österreichischen Ski(sport)helden sind nicht WEGEN sondern vielmehr TROTZ der hierorts gepflegten Bräuche und Strukturen zu dem geworden, was sie sind.

Die Heulerei über soundsoviel Hunderstel hinter einem 3. Platz (das war Olympia!) ist solange völlig bornierter Blödsinn als nicht verstanden wird, daß der ÖSV den Anschluss an Maier & Co schlicht und einfach verpennt hat!

Nicht nur in der freien Marktwirtschaft sondern in jedem Schrebergartenverein werden diese Versäumnisse auch bestraft - aber hierzulande?

Als Faktum bleibt nämlich neben der historischen Pleite nur folgendes bestehen: im Verhältnis zu den eingesetzten Mittel war der Output (bei den Herren) absolut letztklassig!

leo_nardo
12
wenn der ösv

am erfolg nicht "schuld" hat, dann dürfte man man ihm konsequenterweise auch nicht die misserfolge zur last legen.

HeinzPrüller
02

Schröcksnadel...
... is a too small man.

Enrico Furioso
14
Irgendwie

verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Klar: die Alpinen Herren war ein Totalausfall, aber ansonsten ... von den Medaillen her war Vancouver doch ziemlich erfolgreich (drittbeste Olympiade für Österreich überhaupt). Bis auf die beiden Rodel-Medaillen kamen alle anderen aus dem ÖSV-Stall. Das finde ich eigentlich viel bedenklicher. Wenn nämlich der ÖSV mal wirklich in eine Krise kommt, möchte ich gar nicht wissen, wo Österreich dann bei einer Olympiade stünde. Man braucht sich ja nur Finnland anschauen, das via dem Nordischen Bereich früher eine Wintersportmacht war: 1 Silber, 4 mal Bronze. So schaut eine echte Krise aus. Was hier in Österreich passiert, ist jammern auf hohem Niveau.

Unpolitisch
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Kein Problem

Für mich waren die Medaillen für andere Nationen absolut kein Problem.

Gerade beim Skifahren kann ich mich für einen Bode Miller, eine Maria Riesch oder Pärson genau so freuen wie für einen österr. Sieger.

Es einfach ein Einzelsport und es spielt die Persönlichkeit eine viel größere Rolle als die Staatsbürgerschaft.

profiler
00

bode miller, anja pärsson ja..... aber sich für eine deutsche freuen? ;-)

Zaungast8
 
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sie kann ja nix

dafür ...

djang
00

also ich finde sie höchst unsympathisch...allerdings nicht wegen ihrem pass...

Helmut Mayer
03
Was generell...

...uebersehen wird, ist die zunehmende Dichte im Skisport. Frueher sind wir gegen die Schweizer und ein paar Franzosen und Italiener gefahren...heute sind es Norweger, Amerikaner, Kanadier, Schweden, Kroaten, Slowenen, Finnen, etc...die meisten von Oesterreichern trainiert...das wirkt sich bei Olympia durch die Vierer-Kontigents noch mehr aus...es wird auch komplett der Ruecktritt von Hermann Maier uebersehen, der auch, wenn er nichts gewann, sehr viel Rummel und Druck von den anderen nahm...in Summe sind auch die Herren nicht soo schlecht gefahren...wenn ich mir einen Hirscher anschaue, dann kann im OeSV nicht so schlecht gearbeitet werden...

LL MM
00

Gehen wir mal 30 Jahre zurück:
Norweger: Erik Haker, aber sonst war eher nicht viel los. Sind dann später richtig stark geworden.
Schweden: Ganz heiß (Stenmark, Strand etc.). Bei den Herren bei weitem nicht mehr so stark.
Kanadier: Vor allem in den Speeddisziplinen sehr stark.
Amerikaner: Mahre-Zwillinge sehr gut. Der Rest eher gute Platzfahrer. Bei den Damen allerdings (z. B. Anfang der 80er-Jahre) top.
Kroaten, Slowenen: Damals als Jugoslawen bei den Herren stark (Krizaj und Co.)
Finnen: Nicht vorhanden.
Franzosen: Ebenfalls kaum vorhanden. Sind bei den Herren Anfang der 70er-Jahre in ein tiefes Loch gefallen. Bei den Damen wars etwas besser.
Russen: Einige Weltklasseleute (Makeev, Tsyganov, Shirov, Andreev).

Dichte war durchaus da.

Plugman
01

mit ausnahme der kroaten (familienbetrieb!) sind eigentlich sämtliche nationen immer mit dabei. die us-skifahrer haben schon 1952 gold geholt, norweger und schweden immer wieder größen hervor gebracht.

Enrico Furioso
00
Bis Stenmark

waren die Skandinavier im Alpinen Skilauf Exoten. So wurde Stenmark, da "Exote" im alpinen Skilauf, von den damals arrivierten Skifirmen nicht unterstützt, und war daher auf das Material und die Unterstützung einer damals im Westen völlig unbekannten Skifirma (Elan) aus dem ehemaligen Jugoslawien angewiesen. Spricht für seinen Charakter, dass er Elan auch später als Superstar in den technischen Disziplinen des Alpinen Skilaufs treu blieb.

Von den ehemaligen Ostblockländern - Tschechien, Slowakei, Kroatien - ganz zu schweigen, die waren damals de facto non-existent, eben echte Exoten im Alpinen Skizirkus.

Plugman
00

dem kann ich z.B. stein eriksen entgegen halten. holte 1952 gold im rtl und silber im slalom. und in cortina war im slalom ein japaner auf rang 2 und eine russin im rtl auf platz 3. natürlich sind jetzt - bei 10 statt 3 bewerben - noch mehr nationen in den spitzenrängen.

Enrico Furioso
00
Gut

einzelne Ausnahmesportler gab's, aber wie viele Japaner haben noch in der Zeit, sagen wir mal bis Lake Placid 1980, eine Medaille im Alpinen Skilauf gewonnen. Wie viele Russen? Und welcher Skandinavier noch ausser Stein Eriksen bis Stenmark? Keiner.

Das das Ganze etwa ab Lake Placid viel nationenbunter wurde, zeigt doch sehr deutlich diese Liste: http://de.wikipedia.org/wiki/List... n_Skisport

Was ja auch für den Skisport nur gut ist, wenn er nicht nur eine Domäne der Alpenländer ist.

Wieso übrigens 10 statt 3 Bewerbe? Früher wurde Slalom, Riesenslalom, Abfahrt und Kombination gefahren, jeweils Männer und Frauen. Dazu kam ab 88 Super-G. Das ist jeweils ein Bewerb mehr, und nicht 7.

Enrico Furioso
00
kleine Korrektur:

habe Bergen vergessen, der 1952 im gleichen Slalom hinter Eriksen Bronze holte. Aber dann dauerte es von 52 bis 76 bis wieder ein Skandinavier (Stenmark) in den Alpinen Herrenbewerben eine Medaille gewann.

Plugman
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es sollte natürlich 10 statt 6 bewerben heißen. kombi ist erst seit calgary wieder im programm. super-g ohnehin. auch wenn ich mich wiederhole: natürlich gibt es bei mehr disziplinen auch mehr länder die medaillen holen. die norweger, kroaten, finnen etc. die medaillen holen sind auch heute noch einzelkämpfer. teams gibt es nur in aut, sui, ger (damen!), ita, fra. wie immer schon.

Enrico Furioso
00
Dann vergleich Sie doch einfach nur

die 3 Bewerbe die immer im Programm waren, also ohne Super-G und ohne Komi. Seit etwa Lake Placid ein wesentlich bunteres Bild als zuvor.

Das ist einfach eine Tatsache, dass in den letzten Jahren deutlich mehr Nationen in den Alpinen Skibewerben Läufer an den Start schicken können mit Aussicht auf Medaillenerfolg. Es gibt mehr Konkurrenz. Und das ist gut so.

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