Raus mit ihnen!

Irene Brickner, 28. Februar 2010, 11:49

Die verschärften Fremdengesetze zeigen Wirkung. Landauf, landab ist derzeit von Fällen unmenschlicher Abschiebungsversuche zu hören, oft sind kleine Kinder mitbetroffen

Die Meldung über die verhinderte Abschiebung von Röthis in Vorarlberg ist vergangenen Donnerstag durch die Medien gegangen. Nachbarn, Bekannte sowie der dortige Ortschef haben sich um 4,30 Uhr früh gewaltfrei, aber konsequent Fremdenpolizisten entgegengestellt. Diese waren angerückt, um zu nachtschlafender Zeit eine kosovarische Familie mit zwei kleinen Kindern aus ihrer Wohnung zu holen und in die Schubhaft sowie weiter in den Flieger nach Pristina zu verfrachten.
Der Widerstand der ganz normalen Gemeindebürger war mutig - doch er wird, so steht zu befürchten, nur von kurzfristigem Erfolg sein: In Röthis ist binnen Tagen oder Wochen mit einem neuerlichen Abschiebeversuch zu rechnen. Weil die Fremdenbehörden in diesen ersten Wochen des Jahres 2010 die seit Jahresbeginn verschärfte Fremden- und Asylgesetzgebung zum Anlass nehmen um durchzuziehen, was das strapazierte Recht nur hergibt.
Tatsächlich ist derzeit landauf, landab von Fällen langjährig in Österreich lebender Einzelpersonen und Familien zu hören, die von Einheimischen gegen eine Abschiebung verteidigt werden, aber dennoch ohne Bleibechance sind. Etwa in einer katholischen Pfarre in Wien, wo sich Pfarrer und Gemeindemitglieder seit Jahren um eine katholisch-kosovarische Familie kümmern. Am 15. Februar 2010 geschah dort laut Sachverhaltsdarstellung einer Helferin folgendes:

„Familie M., die wir seit vier Jahren begleiten, rief uns um etwa 6.15 Uhr morgens an, die Polizei sei da, um sie abzuholen. Wir fuhren sofort hin. Vor dem Haus stand ein weißer Kastenwagen mit vielen Sitzen bereit. Oben in der Wohnung waren fünf Fremdenpolizisten in Zivil, eine davon eine Frau.

Die Familie war noch nicht fertig angezogen und vor Schreck wie gelähmt. Auf meine Frage, was da los sei, teilte mir die Beamten mit, dass die Familie festgenommen sei, und es würde nun abgeschoben. Die Familienmitglieder kämen in die Rossauer Lände, Anhaltezentrum (Schubhaft mit kleinen Kindern!) und am nächsten Morgen (16. Februar) ins Flugzeug nach dem Kosovo. Sie könnten pro Person 20 kg Gepäck mitnehmen.

Der Abschiebungsbescheid, datiert mit 10. Februar 2010, wurde der Familie erst vor Ort, um 6.15 Uhr, ohne jede Vorankündigung übergeben, und sie sollte sofort zusammenpacken und mitkommen. - Das erinnert mich stark an 1938!

Die Mutter weinte, der Älteste, Frederik (14 Jahre), auch, Florentina (7 Jahre) saß nur da und zeichnete, ohne aufzuschauen. Das Kleinkind Florian (3 ½ Jahre) erlitt wieder einen Bronchialanfall. (Man hatte an diesem Morgen, nach einer durchwachten Nacht vor, mit Florian ins St.-Anna-Kinderspital zu fahren, wo er schon viermal stationär aufgenommen war.) Deshalb wurde von den Beamten ein Amtsarzt gerufen."
Weil sich Kleinkind Florian als schwerkrank und nicht transportfähig herausstellte, wurde die Abschiebeaktion schließlich abgebrochen. Mit weiteren Versuchen ist stark zu rechnen. Die engagierten Pfarrmitglieder haben jetzt an eine Vielzahl von Politikern und Experten einen Appell geschickt, dass bittesehr Familien mit Kindern, die „asylverfahrensbedingt hier sozialisiert" worden sind, ein Bleiberecht bekommen sollen.
Ein solches wäre auch im Röthiser Fall anwendbar, wo mehrere Fakten von der Unmenschlichkeit und - nach internationalen Menschenrechtsstandards- Widerrechtlichkeit einer Abschiebung künden: Die Familie lebt seit fünf Jahren in Österreich, die kleinen Mädchen sind zwei und sechs Jahre alt. Zudem sind die Betroffenen Angehörige der goranischen Minderheit, die laut UN-Berichten im Kosovo weiter schweren Verfolgungen ausgesetzt ist. Dorthin zurückgeschickt werden sollen sie trotzdem. Ist das wirklich der Umgang mit „Fremden", den Österreich braucht? Den die meisten Österreicher wollen?

Irene.Brickner@derStandard.at

 

Kommentar posten
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Lucky Luke 1988
10
22.3.2010, 14:00
kommt die abschiebung

kommt die krankheit.

Fritz Wunderlich
02
das politische vorgehen gegen asywerberinnen trifft schwache, die sich nicht verteidigen können,

und bedient gleichzeitig die sozialschmarotzer- und ausländerhassgefühle
diese in gesetze gegossenen politik der gefühle wird aber der zugrundeliegenden problematik ungleicher vermögensverteilung, die produktion von armen und die konkurrenz um arbeitsplätze, wohnungen etc., die auch ethnischen charakter annimmt, wenn die fpö und das bzö das sozialdemagogische feld allein bestellen dürfen, integration wird so zu einer umverteilung der chancen zugunsten der migranten uminterpretiert
das scheitern (oder die langjährige ignoranz?) von spö und övp in der migrations- und integrationsfrage führt diese zur exitstrategie "asylmißbrauch"
damit werden sie aber weder die fp noch die problematik los

kacenka mourkova
00

danke! wunderbar dargestellt!

Fritz Wunderlich
00

einfügung nach problematik: in keinster weise gerecht

Blanc de Blancs
810

Fakt ist, dass Asylmißbrauch in den letzten Jahren massiv gestiegen ist. Der Staat wehrt sich nun (wenn auch halbherzig) dagegen. Zurecht.

Festnetzwiederanmelder
30
unser rechtester Poster

im Standardforum ist aufgewacht! Wer bezahlt Sie eigentlich für ihren Mist?

kacenka mourkova
20

"halbherzig" wird dagegen vorgegangen?!?!? Es wird eh schon fest deportiert. Was schlagen Sie denn vor?! - "Lager um Menschen zu konzentrieren"??? Auch da hat J.H. in Kärnten zu Lebzeiten noch realisiert....

Blanc de Blancs
03

Es wird niemand "deportiert".

Und "halbherzig" - ja leider (das beste Beispiel ist der Fall Zogaj).

kacenka mourkova
00
lat. deportare = wegbringen, fortschaffen

Deportation (lat. deportare „wegbringen“, „fortschaffen“) bezeichnet eine staatliche Anordnung, die sich auf das geltende Strafrecht der jeweiligen Länder bezieht. Von Deportation spricht man, wenn eine staatliche Verbringung von Menschen in andere Gebiete erfolgt, die auf Grund regionaler Gesetze für den Antritt von Strafmaßnahmen, zwangsweiser Unterdrückung von politischen Gegnern oder Isolierung von ethnischen Minderheiten ausgesprochen wurde.

Beobachter zweiter Ordnung
53
wohl zu viel in die krone geschaut!

Daniil Charms
 
33

"Fakt" ist da gar nichts.

RebelAngel
 
210
"Das erinnert mich stark an 1938"

Vielleicht sollte sich Frau Brickner eher an geschichtlichen Fakten als an ihrer "Erinnerung" orientieren...

KlassenfeindIn
112
Die meisten Österreicher wollen einen Einwanderungsminister!

Jüngste Erfolgsmeldung des schwedischen Einwanderungsministers: Die Zahl der Abschiebungen konnte auf 10.700 gesteigert werden.
http://www.thelocal.se/24888/20100209/
Die Grundversorgung-bis-zum-St.Nimmerleinstag-Asylpolitik der Frau Fekter haben viele satt.

Kritifaxe
30

Grundversorgung gilt für Österreicher. Also..

Georg Hinterleitner
 
08
Die Verteilung

von grünen und roten Stricherln in diesem Forum läßt einen schauern ....

kacenka mourkova
00

ja, da muss ich zustimmen... ich wähnte mich schon im forum der falschen zeitung...

Homer Simpson II.
 
05
"Ist das wirklich der Umgang mit „Fremden", den Österreich braucht? Den die meisten Österreicher wollen?"

*hüstel* Ist nicht ganz ungefährlich wenn man "die Österreicher" fragt was sie so denken... um Überraschungen zu vermeiden könnte das sample ja auf Standard-Redakteure beschränkt werden.

„Kann man in Österreich eigentlich ganz ohne Scheu darüber reden, wie man über politische, geschichtliche oder kulturelle Dinge denkt?", fragte Imas.

14 Prozent meinten 2007, es sei besser, sich zurückzuhalten. Im Februar 2010 teilten bereits 24 Prozent diese Ansicht.

Dazu kommen noch einmal 20 Prozent, die finden, dies hänge vom Problem ab. Es gebe „flagrante Widersprüche zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung", sagen die Imas-Forscher.

Vierter Mann
831

Wie jedes andere Einwanderungsland geht auch Österreich gegen illegale Einwanderung vor, und zwar relativ lasch, wie man an all den Beispielen sieht.
Ein paar Verwirrte glauben an ein Bleiberecht für Alle, und halten alle für Nazis, die mit solchen utopischen Zuwanderungskonzepten nichts anfangen können. Wie die Mitglieder einer Sekte blicken sie erhaben auf das dumme Volk herab.

Übrigens, durch kompetente Rückkehrberatung lassen sich unschöne Abschiebeszenen oft vermeiden, aber das passt manchen dann auch wieder nicht.

Kritifaxe
52
lasch..

wenn man das Offenlegen von Extrembeispielen.. mit tatsächlicher Wirklichkeit verwechselt und dann noch diese Extrembeispiele, die sehr wohl Beispielcharakter haben mit falschem Vorzeichen beschenkt, offenbart man in der Tat geschädigten Charakter und verqueres Gemüt, das einer genetischen Reparatur bedürfte


Michael Bakunin
76

das "dumme" volk ist gar nicht so dumm, wie manche glauben. wie man am fall der zivilicourage der bevölkerung von röthis sieht.
wenn nicht nur die rassischen hetzer gehört werden, sondern auch andere vernünftige stimmen, erkennen die leute, dass die menschen aus anderen ländern auch nur menschen wie wir sind. warum sollten sie dann nicht auch hier leben dürfen können? ob der nachbar huber heißt oder einen fremdklingenden nacmen hat, ist dannn ganz egal.

H. Kienhammer
114
Ihr Pech ist es ...

... dass die Mehrheit der Bevölkerung Ihre Ansicht nicht teilt, dass jedermann freien Zugang zu den Ländern hat, wo die Sozialleistungen am höchsten sind.
Und das nicht erst seit Haider u. Strache.

Natürlich ist es möglich in fast jedes Land der Welt einzuwandern.
Dafür gibt‘s Bestimmungen.
Sogar die Grünen setzen inzwischen auf qualifiziere Zuwanderung.

Wem die Qualifikation fehlt, kann‘s natürlich über die Asylschiene versuchen.
Bekommt er den Asylstatus, ist das o.k., wenn nicht, muss er die Konsequenzen ziehen.

Ihre Meinung: „Wer sich einmal in’s Land hat schleppen lassen, soll dableiben“ kann ich leider nicht teilen.

Beobachter zweiter Ordnung
00
Unser Glück ist,

dass Österreicher überaltet ist und die Rassisten und Paranoiden und was sonst noch alles in dieser rechten Ecke herumkugelt, bald ausstirbt!

Kritifaxe
22

sie mißinterpretieren wieder nach Belieben. Wo wird nachunbegrenzter Zuwanderung gerufen?..


H. Kienhammer
05
Was denn sonst?

Jeder soll bleiben können, der 3 Jahre und mehr im Land war.
Diese Zeit geht sich locker aus, wenn der Asylwerber alle Einspruchsmöglichkeiten nützt.
Man kann die Höchstgerichte ja nicht zu einer 1000 Mann/Frau Truppe aufstocken.

Kritifaxe
40
ah, was denn sonst..

So hat jeder sein carport.


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