Vorratsdaten: Speicherung mit Mut zur Lücke

28. Februar 2010, 09:30
  • Artikelbild
    foto: bernd weißbrod dpa/lsw

Kleine Internetprovider von Speicherpflicht ausgenommen - Zweifel an Sinnhaftigkeit wegen zahlreicher Lücken

Internetzugang über einen kleinen Anbieter, telefonieren per Wertkarte oder surfen im unverschlüsselten Drahtlosnetz des Nachbarn: Um den Konsequenzen der geplanten Vorratsdatenspeicherung zu entgehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Auf manche weist der Entwurf des umstrittenen Gesetzes sogar explizit hin.

Kleine Provider ausgenommen

Keine Speicherpflicht besteht beispielsweise für Internetanbieter, "deren Unternehmen als kleines Unternehmen oder als Kleinstunternehmen (...) einzustufen ist", heißt es da etwa. Darunter würde deutlich mehr als die Hälfte der Mitglieder der Vereinigung der Österreichischen Internet Service Provider (ISPA) fallen. Wer also nicht über die großen Anbieter surft, entgeht demzufolge der Speicherung. Eine große wirtschaftliche und organisatorische Belastung habe damit für die Kleinbetriebe abgewendet werden können, erklärte ISPA-Generalsekretär Andreas Wildberger.

Die Nichtumsetzung

Als verkaufsförderndes Alleinstellungsmerkmal will er diese Ausnahme aber nicht sehen, schließlich sei das Internet kein rechtsfreier Raum. Außerdem hätten die Behörden ja auch andere gesetzliche Möglichkeiten. Aus Sicht der ISPA sei allerdings die beste Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung die Nichtumsetzung. "Mit diesen Ausnahmen wird die Vorratsdatenspeicherung nicht unsinniger, weil noch unsinniger geht gar nicht", kritisierte Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten. Er verwies auf weitere "Lücken": Unternehmen, die eigene E-Mail-Server betreiben, seien ebenfalls nicht betroffen, da die Vorratsdatenspeicherung auf gewerbliche Anbieter abziele.

Ausnahmen für "private Netze"

Im Telefoniebereich gebe es für "private Netze" (05er-Nummern) Ausnahmen, und Wertkartenhandys stünden ebenfalls zur Verfügung. Terroristen seien üblicherweise gut genug organisiert und ausreichend intelligent, um diese Lücken zu nutzen, ist Zeger überzeugt. Es reiche ja schon, auf Seiten wie gmx.at geschriebene E-Mails nicht zu verschicken, sondern sie als Entwurf zu speichern. Wenn sich mehrere Personen einen Zugang teilen würden, könnten sie so miteinander kommunizieren, ohne dass die elektronische Post unter die Vorratsdatenspeicherung falle.

Terrorismusbekämpfung oder Urheberrecht?

Davon abgesehen würden laut Hochrechnungen der ARGE Daten zehn Prozent der rund 200.000 WLAN-Netze in Wien unverschlüsselt betrieben und damit jedem offen stehen. Ob man damit die erwische, die man erwischen will, bezweifelt auch Rainer Knyrim, Rechtsanwalt der Wiener Wirtschaftskanzlei Preslmayr. Ausnahmen für kleine Anbieter und neue Forderungen nach Verwendung der Daten zur Klärung von Copyrightverletzungen würden vielmehr die "gewollte Zielrichtung" aufzeigen. Die gehe inzwischen weniger in Richtung Terrorismusbekämpfung, sondern in Richtung Urheberrecht, so Knyrim.(APA)

Kommentar posten
23 Postings
STiAT
04

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

(Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie - SPIEGEL 52/1999)

rs232
00
Kleine Provider schön und gut ..

Aber woher bekommen diese Provider ihren Internet-Uplink? Natürlich von einem grossen wie TA,Tele2 usw.
Denn die RIPE wird kaum IP-Adressen an einen Kleinprovider vergeben (wenns schon selbst keine mehr hat) und grosse Carrier interessieren Kleinbetriebe nicht.
Die kleinen Buden sparen sich zwar die Umsetzung, gespeichert wird trotzdem.

perihel
 
04
28.2.2010, 21:44
Picture unrelated ;)

Gab's wohl kein Bild von Storage Systemen im Archiv...
Die SX-8 Serie, wie im Bild dargestellt, ist ein Cluster von NEC für Hochleistungsberechnungen. Das Bild stellt den SX-8 Cluster des HLRS in Stuttgart dar.
:) Sowas braucht kein Service Provider für Data-Retention.
(Google-Image Suche nach HLRS SX-8)

x x3
30
28.2.2010, 22:00
Womit nun klargestellt ist,

das perihel ein Experte hinsichtlich solcher Systeme ist - und das uns klarzumachen ja auch der Sinn des Postings war, oder? ;-)

Claus_W
00
28.2.2010, 18:12
Erich Möchel - Die missbrauchten Vorratsdaten

http://www.youtube.com/watch?v=MhpmDyXvjG4

LCD
02
28.2.2010, 16:51

Piratenpartei in die Regierung!!!

Freund der Sanktionen
18
28.2.2010, 14:46
Es wird eh nicht passieren.


Der ganze Mist wird mittlerweile von der Kommission selbst überprüft und nächste Woche wird der deutsche Bundverfassungsgerichtshof das Ganze für verfassungswidrig erklären und damit ist das hier vermutlich auch gestorben...

schweinebucht
01
28.2.2010, 14:16
Datenschutz in die Innenpolitik!

Klaus Botschen
00
28.2.2010, 13:04

Manchmal hat die "österreichische Lösung" ja auch ihr Gutes - rein pragmatisch betrachtet.

augusteight
04
28.2.2010, 12:10
und warum ...

genau zielt man nur auf die größeren Provider ab?! Ein jeder potenzielle Terrorist der solche Informationen liest könnte gleich zu einem kleineren Provider Wechseln und somit würden wieder nur die „normalen“ überwacht werden. Liebes Österreich ...

Freund der Sanktionen
01
28.2.2010, 14:44
Weil das mit Terrorismus soviel zu tun hat wie Ihr Posting?


Oder glauben Sie wirklich, man kann den Terrorismus bekämpfen, indem man Ihre Telefonverbindungsdaten überwacht???

ü-strichal
03
28.2.2010, 18:19

pssst, ned so laut ...

nicht dass die leute auch noch selbständig zum denken anfangen und das ganze in frage stellen

Freigeist
00
28.2.2010, 11:52
ausnahme - kleine provider

sehr gut. bleibt nur zu hoffen, dass nicht all zu viele wechseln und die kleinen auch zu grossen werden.

eine liste mit den kleinen providern wäre vom standard noch nett gewesen; als leserservice so zu sagen :-)

es könnten als notwehr gegen das gesetz auch mehr leute ihr w-lan öffnen (gastzugang fürs internet).

dem überwachungswahn der staaten muss einhalt geboten werden!

LCD
01
28.2.2010, 17:03
Mein WLAN ist für jeden offen

und bleibt auch so, egal was die Gäste über meinen Zugang herunterladen.

W. Shizzle
00
28.2.2010, 17:39

Man kann mit einem offenen Zugang viel mehr anstellen als nur "herunterladen".


Wo wohnst du denn? :)

//\\//\\(())(())TT
 
09
28.2.2010, 11:27

Das kann jetzt aber wirklich gar nichts mehr mit Terrorismusbekämpfung zu tun haben. So dumm kann die Politik gar nicht sein.

Whisker
00
Wie sagte weiland Albert Einstein:

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, beim Universum bin ich allerdings noch nicht sicher."

Bastian Balthasar Bux
05
28.2.2010, 16:29
"So dumm kann die Politik gar nicht sein."

Sie haben ja keine Ahnung! ;) ;)

x x3
00
28.2.2010, 22:05
Sie sind jetzt aber nicht so dumm,

zu glauben, dass Politiker zu dumm wären, um die Dummheit des Volkes für ihre wahren Absichten zu nutzen ;-)

etepetete
018
28.2.2010, 10:57
So ein Gsindel.

Diese verlogenen Heuchler lügen da freizügigt der ganzen Bevölkerung ins Gesicht! War von Anfang an klar dass dieses Gesindel mit der Bespitzelung der Bürger keinen Nicht-existenten-Terrorismus als Ziel hat, sondern dem freien Bürger des Landes Österreich die Freiheit rauben will!
Das ist ja nicht zu fassen wie diese Verbrecher hier der Lüge überführt werden.

Spionage der Bevölkerung abschaffen! Jetzt!

x x3
00
28.2.2010, 22:09
Spionage der Bevölkerung abschaffen! Jetzt!

Bin sofort dafür.
Nur wer soll's tun.
Die da oben?
Die dort unten?
(die haben schließlich die da oben gewählt)
Wir?
Du?
Ich? (hab grad keine Zeit dafür)
Also Du.
Dann steht gefälligst auf und tue auch was für deine Bürgerrechte anstelle hier blöd rum zu motzen.


Blöde Slogans bringen gar nichts.
"Spionage der Bevölkerung abschaffen! Jetzt!"
So jetzt hab ich's auch geschrieben, jetzt hamma's denen owa gsogt.

oh yeah, just eat 'em!
00
28.2.2010, 21:48

Freie Bürger. Dass ich nicht lache. Die Freiheit auch in den 'freiesten' Ländern ist eine lächerliche Illusion.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.