Will Teheran einen israelischen Militärschlag provozieren um von inneren Spannungen abzulenken?
New York/Wien - Will der Iran einen israelischen Militärschlag
provozieren? Das ist eine der möglichen Erklärungen, die internationale Experten
dafür haben, dass der Iran fast seine gesamten Vorräte an niedrig angereichertem
Uran von einem unterirdischen Lager an eines an der Erdoberfläche verlegt hat,
wie die "New York Times" am Samstag unter Berufung auf Inspektoren der
Internationalen Atomenergie-Agentur IAEA (IAEO) schrieb.
Dem Bericht zufolge konnten die IAEA-Inspektoren am 14. Februar beobachten,
wie die Iraner mehr als 2000 Kilogramm niedrig angereicherten Urans aus einem
tief unter der Erde gelegenen Lager heraufholten, um es sichtbar in einer
oberirdischen Halle zu deponieren. Die Inspektoren rätseln jetzt über die
Gründe.
Der Iran hat angekündigt, niedrig angereichertes Uran (3,5 Prozent) auf 20
Prozent weiter anzureichern, um in der Medizin verwendete Isotope herzustellen.
Allerdings brauche der Iran nicht derartig viel Brennstoff für seinen alternden
Forschungsreaktor in Teheran, hieß es.
Mehrere Erklärungen
Die einzelnen Experten haben verschiedene Erklärungen für die
Umschichtungsaktion. Die Einen - wie Kenneth Pollack von der Brooking
Institution - meinen, der Iran wolle die Konfrontation mit dem Westen weiter
anheizen, um größere Konzessionen in den Verhandlungen zu erreichen.
Andere wiederum, darunter auch Experten der US-Regierung, gehen davon aus,
dass der Iran einfach nicht über genügend Lagerraum verfüge und daher seine
Uranvorräte andernorts aufbewahren müsse.
Bisher haben die Iraner ihre Atomanlagen - wie etwa die erst im September
bekanntgewordene Einrichtung bei Qom - immer tief unter die Erde beziehungsweise
in das Innere von Bergen verlegt, um sie vor möglichen Angriffen der USA oder
Israels zu schützen.
Dass die Iraner jetzt ihre Uran-Vorräte an die Oberfläche geholt haben,
könnte nach Meinung einiger Experten mit einem neuen Schachzug der
Revolutionsgarden zusammenhängen, die das Atomprogramm kontrollieren. Sie
könnten Israel zu einem Angriff "einladen", um von den seit acht Monaten
anhaltenden Spannungen im Land wegen der umstrittenen Wiederwahl von Präsident
Mahmoud Ahmadinejad abzulenken.
"Israelischer Schlag gut für das Regime"
Ein hochrangiger europäischer Diplomat meinte gegenüber der "New York Times",
ein israelischer Militärschlag wäre das "Beste", was dem iranischen Regime
passieren könnte. Damit würde sich das Volk um die Regierung und gegen den
gemeinsamen Feind scharen.
Geheimdienstexperten in Washington und Europa sind sich nicht sicher, ob der
Iran tatsächlich Atomwaffen bauen will oder nur anstrebt, über die Fähigkeiten
zu deren Herstellung zu verfügen.
US-Regierungsbeamte betonten, Präsident Barack Obama wolle einen israelischen
Militärschlag gegen den Iran verhindern. Er habe seinen nationalen
Sicherheitsberater und seinen Generalstabschef nach Israel entsandt, um dies zu
bekräftigen. (APA)