Erfolgsbilanz

Die Sonne ging, der Goldregen kam

28. Februar 2010, 08:33
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    foto: reuters/audette

    Kanadas Fans hatten einiges zu bejubeln.

Gastgeber Kanada hat nach holprigem Beginn die Medaillenwertung gewonnen. Das wegen seiner Kosten kritisierte und verspottete Konzept "Own the podium" gilt als der Stein der Weisen

Vancouver - Als die Sonne verschwand, kam der Goldregen. Vor einer Woche verspotteten die kanadischen Medien ihre Athleten noch als Versager, nun feiert der Gastgeber nach einem überragenden Endspurt im verregneten Vancouver das beste Abschneiden einer Nation in der Geschichte der Olympischen Winterspiele.

„Unser Nationalstolz kocht über", titelte also die Tageszeitung Globe and Mail, „es sind goldene Spiele geworden!" Mit vierzehnmal Gold siebenmal Silber und fünf Bronzemedaillen übertrafen die Gastgeber die Sowjetunion, die 1976 in Innsbruck eine Bilanz von dreizehnmal Gold, sechsmal Silber und achtmal Bronze erreicht hatte. Hunderttausende feierten die Erfolge ihrer Olympioniken auf den Straßen, sangen immer wieder ihre Nationalhymne „O Canada". Vancouver wurde zur Partyzone.

Dabei stellten die Gastgeber ihr Licht sogar noch unter den Scheffel. Denn in Kanada wird der Medaillenspiegel nicht nach den Olympiasiegen, sondern nach der Gesamtanzahl der Medaillen erstellt. In dieser Bilanz lag vor den letzten beiden Entscheidungen ausgerechnet der Erzrivale USA (37) vorne. „Sogar in Japan wird es anders berechnet", schrieb ein Kommentator: „Warum quälen wir uns nur so?"

Das lange Warten auf den ersten Olympiasieg auf heimischem Boden, den Freestyler Alexandre Bilodeau am vierten Tag sicherte, scheint Lichtjahre entfernt. Und Chris Rudge wird sich wohl etwas schämen für seinen Ausspruch, den er zu Beginn der zweiten Woche getätigt hatte. „Wir leben nicht im Trottelparadies", sagte der Geschäftsführer des Nationalen Olympischen Komitees von Kanada auf die Frage, ob die USA in der Medaillenbilanz dieser Spiele noch einzuholen seien.

Auch die Kritik am 117 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) schweren Exzellenzprogramm „Own the podium" ist längst verstummt, seit Charles Hamelin im Shorttrack, Snowboarder Jasey Jay Anderson im Parallel-Riesentorlauf und die Herrenmannschaften im Eisschnelllauf, Shorttrack und im Curling das Land zum Teil unverhofft in den finalen Goldrausch versetzt haben. „Ruhm gibt es nicht umsonst", schrieb die National Post nun milde. „Aber wir müssen noch mehr tun."

In der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London will die Regierung noch einmal 22 Millionen Dollar (15,3 Millionen Euro) für Medaillen ausgeben.

Vor einer Woche waren positive Äußerungen über die heftig umstrittene „Own the podium"-Kampagne fast noch undenkbar gewesen. „Wir ziehen uns um, kreischen und verlieren", klagte die Vancouver Sun nach einer Pechsträhne der Kanadier im sonnigen ersten Teil der 16 Tage, „Blown the podium" (Das Podium vergeigt) sei sicherlich der passendere Slogan. Inzwischen haben die Medien jedoch sogar einen „neuen Patriotismus" ausgemacht, ähnlich jenem, der in Deutschland anlässlich der Fußball-WM 2006 ausbrach.

Für Olympia-Organisator John Furlong steht auch fest, dass die Spiele die Stadt Vancouver verändert haben: „Ich habe Bürgermeister Gregor Robertson schon gesagt, dass er eine ganz andere Stadt zurückbekommt." Möglich, dass Robertson darüber hinaus bald von Furlong beerbt wird. Eine Mehrheit will ihn als nächsten Bürgermeister. (sid, red, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 1. März 2010)

Kommentar posten
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Rarehero
 
00
Peinliche Gastgeber

Diese ganze "Own the Podium"-Kampagne steht den Kanadiern nicht gut zu Gesicht. Athleten anderer Nationen wurden von den Wettkampfstätten verjagt, damit die Kanadier ausgiebig trainieren konnten und anderen Athleten dumm aus der Wäsche schauen (gebracht hat es nichts). Die Athleten wurden einem immensen Erfolgsdruck ausgesetzt und die Fans messen den Erfolg ihrer Spiele in Medaillen und Platzierungen. Und jetzt, da sie wider den eigenen Erwartungen das Podium nicht erobert haben, bestehen sie plötzlich darauf, dass die europäische Sortierung der Medaillen anzuwenden ist, damit sie sich Sieger nennen dürfen. Ein peinliches für einen Gastgeber. Ich kann kaum glauben, dass da die Kanadier sein sollen, die ich so schätzen gelernt habe.

el gonYo
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gratulation an team canada. auch wenns nicht immer verdient eine medaille wurde (seltsame juryentscheidungen, aber das ist wohl heimvorteil), doch ein sieger des medaillenspiegels dem das zu gönnen ist.

fands schade, daß es dem orf so absolut scheißegal war, wo die spiele stattfanden und uns nichts, absolut gar nichts über land, leute, kultur, gesellschaft in vancouver & british columbia gezeigt wurde. das nenne ich öffentlich-rechtlicher bildungsauftrag !!!

schmunzelnd hab ich festgestellt, daß da ein gewisser peter andauernd irgendwas von ranglisten, medaillenspiegeln und so gespamt hat. war da der böse alkohol im spiel, weilst dauernd dasselbe postest. interessiert doch keinen wer das wie sieht, obwohls zum teil richtig war.

Die Gezeichneten
00

Komisch ist das schon, dass sehr oft bei Großereignissen die Gastgeber am besten abschneiden...

Easy Rawlins
02
Jemand. der

"fool's paradise" mit "Trottelparadies" übersetzt und das sogar bis zur Veröffentlichung schafft, lebt tatsächlich in einem solchen.

Hantau1
 
01
Medaillenzählweise

manche Nationen nehmen die alternative Zählweise her, damit sie besser da stehen, manche aus umgekehrten Gründen.

aber klar, die rein golddominierte Zählweise ist auch nicht unbedingt logisch, da zählt fast nur der Sieg (da sind sogar die Simon's vor uns ;-) aber das kanadische Modell ist auch nicht richtig, denn Gold soll schon mehr zählen als Bronze. Also warum nicht: Gold 3 Punkte, Silber 2 und Bronze 1 Punkt?

Gary Grantscherbn
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bitte in welchen Sportarten (außer Eishockey und Schneebrett) haben die ihre Goldmedaillen gewonnen, dass es von mir unentdeckt geblieben ist?

Der Bamser
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Buckelpiste, Short-Track und andere Königs-Disziplinen.

Gary Grantscherbn
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ah ja...eben....

pipi pipifax
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das wird nicht das einzige sein, das sie nicht im stande sind zu entdecken.

Peter W1
 
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Wie spielt sich das eigentlich im Hirn eines Amerikaners ab? Der sieht den Medaillenspiegel vor sich, sieht das die USA nichtmal annähernd so oft gewonnen hat wie Kanada, meint aber weil die USA mehr dekorierte Verlierer hat, dass die USA besser sind? Und das obwohl direkt neben der belanglosen Medaillenanzahl der reale Medaillenspiegel aufgelistet ist ;) ? Sorry, aber da musst echt viel Verdrängung anwenden um dir solchen Unfug erfolgreich einreden zu können ;) .

Ich Bins6
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Was spielt sich eigentlich im Hirn eines Peter W1 ab?

Peter W1
 
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Gratulation an Kanada! Die nun absolut gesehen grösste Wintersportnation aller Zeiten!

Ein Land das bis vor 20 Jahren über jedes Medaille froh war und auch bei den letzten spielen nur besseres Mittelfeld war ist nun absolut gesehen die beste Wintersportnation aller Zeiten. Relativ gesehen haben sie gegen die Sowjetunion mit ihren 13 Goldenen in Innsbruck 76 bei 37 Bewerben (die UdSSR hat damit mehr als ein Drittel aller Bewerbe gewonnen!) keine Chance. Aber absolut gesehen hat noch nie zuvor eine Nation 14 Goldene erreicht. Unfassbar!

footy show
09
28.2.2010, 23:40
Olympische Bewerbe

1976 - 37
2010 - 86

Alles relativ meine goldgeilen Kanadischen Freunde ;)

Der Bamser
00

Ja, aber Sportarten wie Eisbeserln sind eben wichtig!

Peter W1
 
20

Mal einer der mitdenkt :) . Die 13 Goldmedaillen der Sowjetunion waren mehr als Drittel aller Goldmedaillen!

Trotzdem ist es respekteinflössend, dass Kanada nun absolut gesehen die beste Nation bei Olympischen Spielen ever ist. Hätte nie jemand erwartet, weil Kanada nie zuvor eine Rolle spielte. Beste Ergebnis war Platz beim Medaillenspiegel 2002 mit 7 Goldenen (2006 gab es auch 7 Gold und mehr Silber, aber das war nur noch Platz 5. Damals war ein Alpinland auf Platz 3 .... Österreich mit gleich vielen Goldenen wie die USA! Lang ists her :( ).

Cannondale27
00
Als Gastgeber....!?!

Haben scheinbar (wie so viele Olympia-Gastgeber in der Vergangenheit auch) im Vorfeld kräftig in ein Leistungs-Förderprogramm investiert - lt. ARD ca. 170 Mio €.

Es ist zu beobachten, wie nachhaltig diese Investition ist...

Peter W1
 
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Und wie sich die Investition auszahlte. Kanada die absolut beste olympische Wintersportnation aller Zeiten. Wer hätte das vor den Spielen gedacht? Neben Platz 4 mit 7 Goldenen 2002 hatten die wenig zu melden. Da war sogar Österreich 2006 mit 9 Goldenen (und damit Platz 3) besser.

Relativ gesehen können sie mit den 13 Goldenen der Sowjetunion in Innsbruck 76 nie mithalten. die gewannen mehr als ein Drittel aller Bewerbe (13 Gold bei 37 Bewerben, Kanada 14 Gold bei 82 Bewerben). Aber absolut gesehen die grösste Sportsensation der letzten Jahre. Weder Norwegen, noch die Sowjetunion (um die grössten Wintersportnationen aufzuzählen) haben das je erreicht.

Cannondale27
00
Canada hat nach eigenen Aussagen...

Platz 1 in der Nationenwertung mit 29 Medaillen geplant - Ziel fast erreicht !

Ich spreche von Nachhaltigkeit ! Mir fällt Beispiel Australien mit den Olymp. So.-Spielen in Sydney 2000 ein:
1996: 41 Medaillen
2000: 58 Med.
2004: 49 Med.
2008: 46 Med.

So ähnlich wirds evtl. in Canada auch gehen (Sportstätten werden wieder abgerissen, Förderprogramme laufen aus, etc.)

Peter W1
 
20

Mehr Platz als mit den meisten Goldmedaillen die je ein Land bei Winterspielen erreichte geht beim besten willen nimmer.

Ziel ist damit übererfüllt. Du solltest das mit der Medaillenanzahl nicht so eng sehen. Nicht nur ist sie sportlich irrelevant. sie hat auch einen anderen Hintergrund. Mit dem Wort Medaillenanzahl wollen sich die nationalen OCs absichern, da eine solche Aussage eher einzuhalten ist als zu sagen wir wollen 14 Olympioniken (und rat mal was Kanada jetzt wohl lieber ist ;) ). Das Wort Medaillenanzahl ist schlicht Feigheit der OCs.

Und bei Kanada brauchst du dir wegen der Nachhaltigkeit keine Sorgen machen. Schau dir mal die Olympischen Winterspiele seit den 70ern an. Früher niemand und 2002 4. und 2006 5. (beide 7 Gold).

Dr.Shirota
01
28.2.2010, 22:44

die kanadier sehen das aber anders:

http://www.vancouver2010.com/olympic-medals/

Peter W1
 
50

Ne, die übernehmen einfach die weltfremde Tabelle der nordamerikanischen Medien, die weltweit niemand außer diesen verwendet.

Ist ja auch selten weltfremd und intelligenzbefreit einen Sieg mit einer Niederlage auch nur ansatzweise gleichzusetzen. Wozu dann überhaupt Bewerbe, wenn die Verlierer dann eh genauso zählen wie Gewinner :) .

Ich bin ja auch kein Freund von Eliten, aber dann sollten sportliche Bewerbe halt abgeschafft werden. Aber sie zuerst zu veranstalten und dann jammern, wenn der Gewinner überraschend als einziger zählt ist an suboptimalen Denkvermögen kaum zu übertreffen.

Para Dox
01

1. Ist das die offizielle Seite der olympischen Spiele und 2. wird auch in Kanada so gezählt.

Das IOC zählt allerdings so wie in A (Standard, ORF) gezählt wird (also Kanada vorne).

Cannondale27
05
28.2.2010, 21:33
Der Peter W1 ist auch so ein Fäkalposter wie Robert Mayreder !

Robert Mayreder
00

Sie teilen meine messerscharfen Analysen sportlicher Ereignisse und der Psyche deutscher TV-Sportler nicht? Aber irgendwie scheine ich Ihr tiefstes Inneres sehr zu beschäftigen. Gut so!

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