Khalfan gegenüber Zeitung: Die meisten mutmaßlichen Täter sind in Israel - Deutsche Behörden weiten Ermittlungen aus
Dubai - Der Polizeichef von Dubai hat den Chef des israelischen
Auslandsgeheimdienstes Mossad aufgefordert, im Fall des ermordeten Hamas-Führers
Mahmoud al-Mabhouh klar Stellung zu beziehen. Mossad-Chef Meir Dagan müsse
entweder die Verantwortung für das Verbrechen übernehmen oder eine Beteiligung
eindeutig bestreiten, erklärte Dahi Khalfan in der Samstagsausgabe der Zeitung
"Emarat al-Youm". Fest stehe, dass sich die meisten mutmaßlichen Täter in Israel
aufhielten, sagte General Khalfan gegenüber "Al-Khaleesh", einer anderen Zeitung
aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Sollte die Täterschaft des Mossad bewiesen werden, stünden dessen Chef sowie
der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ganz oben auf der Liste der
mit internationalen Haftbefehlen gesuchten Personen, fügte der Polizeichef
hinzu. Am Freitag hatte Khalfan erklärt, die Polizei habe am Tatort in einem
Luxushotel in Dubai nicht nur Personendaten,
sondern auch DNA-Material sichergestellt. Es seien DNA-Spuren "eines Täters" und
Fingerabdrücke von mehreren Verdächtigen gefunden worden. Diese Spuren
ermöglichten es den Ermittlern, Mabhouhs Mörder "mit 100-prozentiger Sicherheit"
zu identifizieren.
Deutsche Behörden weiten Ermittlungen aus
Indessen ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft nach Informationen
des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" jetzt auch wegen des Verdachts
auf Mord. Zudem ermittle auch die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, berichtet das
Magazin in seiner jüngsten Ausgabe. Der deutsche Bundesnachrichtendienst vermute
den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem tödlichen Attentat.
Einer der mutmaßlichen Agenten beantragte unter dem Namen Michael Bodenheimer im
Frühjahr 2009 einen deutschen Pass beim Bundesverwaltungsamt in Köln. Er berief
sich auf die Verfolgung seiner Eltern in der Nazi-Zeit.
Den Einbürgerungsantrag ließ Bodenheimer dem Bericht zufolge über eine
deutsche Rechtsanwaltskanzlei stellen. Bodenheimer benutzte den Pass demnach
bereits am 8. November 2009, als er schon einmal von Frankfurt am Main nach
Dubai flog. Die deutschen Ermittler vermuteten,
dass es sich dabei entweder um einen Probelauf handelte oder um einen
fehlgeschlagenen Versuch, den Hamas-Führer zu töten.
Der Hamas-Führer war am 20. Jänner ermordet aufgefunden worden. Derzeit
fahnden die Ermittler nach 26 Verdächtigen, die mit Pässen westlicher Staaten in
das Emirat eingereist sein sollen. Die Affäre um die Verwendung westlicher Pässe
durch die mutmaßlichen Täter hat weltweit für Aufsehen gesorgt. (APA)