Zahrobska Dritte - Görgl respektable Siebente, Zettel mit großem Rückstand, Kirchgasser ausgeschieden
Whistler - Dass im dichten Schneetreiben und auf immer
schlechter werdender Piste am Ende die Topläuferinnen vorne waren,
spricht für die außerordentlichen Qualitäten der derzeit besten
Slalom-Artistinnen. Die Deutsche Maria Riesch kürte sich in Whistler
zur Doppel-Olympiasiegerin, die Salzburgerin Marlies Schild krönte
ihr Sensations-Comeback nach der im Oktober 2008 erlittenen
Beinverletzung mit Silber (0,43 Sekunden). Slalom-Bronze zum
Abschluss der alpinen Damen-Skibewerbe ging an die Tschechin Sarka
Zahrobska (+1,01).
"Gold wäre
ein Traum gewesen"
Mit den Goldmedaillen in Super-Kombination und Slalom ist Riesch
die erfolgreichste Alpinläuferin bei den Winterspielen, die größere
Sensation ist aber der zweite Platz von Schild. Die Saalfeldenerin
hatte sich vor eineinhalb Jahren im Training auf dem Rettenbachferner
bei Sölden einen Trümmerbruch sowie einen Bruch des Schienbeinkopfes
im linken Unterschenkel zugezogen, vier Operationen folgten, das
Karriereende stand im Raum. Im November 2009 gab die Lebensgefährtin
von Benjamin Raich ihr Comeback und gewann in der Folge die Slaloms
in Lienz uns Flachau.
Anders als bei der WM 2007 in Aare, als ihr Zahrobska die
Goldmedaille weggeschnappt hatte, war Schild dieses Mal nicht
enttäuscht, dass es nicht der erste Platz geworden war. "Ich habe
Silber geholt und bin damit sehr glücklich und zufrieden. Gold wäre
ein Traum gewesen, ich habe kurz gehofft, dass es doch noch gehen
würde, aber es hat nicht sein wollen", sagte Schild, die aus dem
ersten Durchgang als Dritte den Ballast von 0,65 Sekunden Rückstand
auf Riesch mitgebracht hatte.
"Im Steilen nichts mehr gesehen"
Schneefall und Nebel verlangten den Läuferinnen alles ab, schon im
ersten Durchgang war es schwierig gewesen, im Finale bewegte sich das
Rennen teilweise am Rande der Irregularität. "Der zweite Lauf war
sehr schwierig, ich habe probiert den Ski laufen zu lassen. Oben ist
es noch gegangen - aber im Steilen hat man nichts mehr gesehen. Ein
kleiner Fehler ist mir noch passiert, aber dann unten runter war es
sehr gut. Ich habe aus dem Tag etwas Gutes gemacht", betonte Schild.
Für das Team von Cheftrainer Herbert Mandl war es die vierte
Medaille in Kanada, zu Gold von Andrea Fischbacher im Super-G kamen
noch zwei Bronzemedaillen durch Elisabeth Görgl (Abfahrt und
Riesentorlauf), die sich im Slalom von der 22. Position nach dem
ersten Durchgang auf den siebenten Rang verbesserte. "Das war richtig
lässig, dass ich im Slalom noch so gut gefahren bin. Riesch hat große
Nervenstärke bewiesen, Marlies ist auch gut gefahren. Silber ist auch
super", sagte die Steirerin, die als einzige ÖSV-Läuferin alle
Bewerbe bestritten hatte.
Zettels Leerlauf
Absolut nicht gelaufen ist es am Freitag für Kathrin Zettel (13.),
die nach dem Riesentorlauf am Vortag mit Wut im Bauch gefahren war.
"Ich bin einfach mit den Bedingungen hier nicht zurecht gekommen. Ich
hatte meine Schwierigkeiten, das hat sich ausgewirkt", erzählte die
Niederösterreicherin. "Abhaken, und nach vorne schauen, das bringt
mir sonst nichts." Das muss auch Michaela Kirchgasser tun, die im
zweiten Durchgang ausschied.
Riesch hingegen durfte zurecht über das ganze Gesicht strahlen,
wie ihr Vorbild Katja Seizinger und Ski-Legende Rosi Mittermaier
schaffte die Deutsche das Olympia-Double. "Ich bin total überwältigt!
Es kann im Slalom ja so viel passieren, das kann man an meiner
Schwester sehen. Ich habe gesehen, dass Marlies super gefahren ist.
Ich kann nicht mehr sagen, als dass es einfach der Wahnsinn ist. Das
kann man nicht in Worte fassen, was das für eine Erleichterung ist.
Heute haben wir uns eine große Feier verdient", sagte die Läuferin
aus Garmisch-Patenkirchen. Ihre Schwester Susanne war zur Halbzeit
Vierte gewesen und schied im Finale aus.
Das Slalom-Gold stufte die 25-Jährige, die auch bei der WM 2009 im
Slalom triumphiert hatte, wertvoller ein als jenes in der
Super-Kombination: "Slalom ist noch einmal mehr wert als die Kombi.
Ich habe gewusst, einfach runterfahren geht nicht, ich habe riskiert.
Ich bin überglücklich mit meiner Fahrt." (APA)