Neuer Dachverband der Afrikaner plant rechtliche Schritte gegen Hetze und Hilfsprojekte für Gestrauchelte
Wien - Es gehe darum, ein "Vakuum der Verantwortung" zu füllen, sagt Alexis Neuberg, Leiter des in Wien produzierenden Radiosenders Radio Afrika. Nämlich, dass sich in Österreich bislang niemand wehre, niemand seine Stimme erhebe, wenn über Asylwerber und Einwanderer aus Afrika öffentlich hergezogen werde. "Diese Rolle wollen wir übernehmen. Im Jänner haben wir die österreichweite Afrika Vernetzungsplattform (AVP), einen Zusammenschluss aller interessierten Vereine, gegründet", schildert der in Ruanda geborene Österreicher.
Eine der ersten Handlungen des neuen Dachverbandes wird juristischer Art sein. "Wir werden gegen die Aussagen von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky vergangenen Sonntag in der ORF-Diskussionssendung Im Zentrum rechtliche Schritte einleiten", kündigt Neuberg an. Denn Vilimskys Äußerungen in der Diskussionsrunde nach dem Nein der Eberauer zu einem Asylwerberaufnahmezentrum seien einem Generalverdacht gegen alle Nigerianer in Österreich gleichgekommen.
"Die meisten Nigerianer - und es sind die polizeilichen Statistiken, die das belegen - werden direkt in Organisationen eingeschleust, die mit Drogenhandel beschäftigt sind", hatte der FPÖ-Politiker am 21. Februar bei Im Zentrum wörtlich von sich gegeben. Laut dem Wiener Rechtsanwalt Oliver Ertl eine unwahre, pauschal verdächtigende und daher "auf den Vorwurf der Verhetzung hin zumindest prüfenswerte Äußerung".
Dem Hinnehmen wollen der AVP-Obmann und Vertreter von Grazer, Linzer und Salzburger Zusammenschlüssen eingewanderter Menschen aus Afrika Lobbyismus und Aufklärung über ihren Heimatkontinent "in einem globalen Kontext" entgegensetzen. Willkommen seien interessierte Einzelpersonen und Gruppen mit Wurzeln in ganz Afrika "auch in den arabischen Staaten des Nordens", betont Neuberg. Insgesamt, so schätzt er, leben in Österreich derzeit "20.000 bis 40.000 Menschen afrikanischer Abstammung".
Öffentliches Fußballschauen
Als erster öffentlicher Auftritt ist, parallel zur Fifa-Fußball-WM in Südafrika, die Veranstaltungsreihe Ke Nako Afrika (Afrika jetzt) vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 geplant. An mehreren Public-Viewing-Orten in Wien sollen Besucher über afrikanische Themen informiert werden. Die Stadt Wien ist für Neuberg zudem Ansprechpartnerin für das erste ins Auge gefasste soziale AVP-Projekt: "Wir wollen ein Neuorientierungsprogramm für Afrikaner aus dem Drogenmilieu initiieren. Wir nehmen dieses Problem ernst, ohne zu pauschalisieren ", erläutert Neuberg. Im Büro von Stadträtin Sandra Frauenberger (SP) zeigt man sich interessiert. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.2.2010)