"Es war ein Klima des Aufbruches"

26. Februar 2010, 22:15

Bundespräsident Heinz Fischer erinnert sich an Bruno Kreiskys ersten Wahlsieg vor 40 Jahren, an die damalige Welle von Reformen und analysiert, warum "heute viele Menschen Angst vor dem Wort Reform haben"

Am 1. März 1970 errang die SPÖ unter Bruno Kreisky wider alle Prognosen eine relative Mehrheit. Heinz Fischer, damals Sekretär des SP-Parlamentsklubs, heute Staatsoberhaupt, erinnert sich: "Kreisky war dann 13 Jahre Bundeskanzler und hat das Land sehr wesentlich verändert. Das ist einfach eine wichtige Etappe der Geschichte der zweiten Republik und unseres Landes gewesen." Kreisky hatte zunächst nach Absprache mit FPÖ-Chef Friedrich Peter eine Minderheitsregierung gebildet, wagte schon 1971 Neuwahlen und errang die absolute Mehrheit, die er 1975 und 1979 triumphal ausbaute. Fischer: "Wenn man das mit heutigen Wahlergebnissen vergleicht, ist das bestimmt eine Reihe von imposanten Ergebnissen gewesen."

Der Unterschied zu heute bestand auch darin, dass Kreisky mit einem umfassenden, von vielen Experten ausgearbeiteten Reformkonzept der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung antrat. Fischer: "Es war ein Klima des Aufbruches, es war ein Bauplatz, der zum Aufbauen eingeladen hat. Eine Reformagenda hat sich geradezu aufgedrängt."

Warum ist davon heute (in beiden Regierungsparteien) nichts mehr zu spüren? Die Rahmenbedingungen seien nicht zu vergleichen, meint Fischer. "Wir haben heute auch einen Reformrückstau, aber viele Menschen haben geradezu Angst vor dem Wort Reform. Damals war das mit neuen Chancen, mit verbesserten Bedingungen, mit höheren Sozialleistungen verbunden, heute geht das häufig in eine andere Richtung." Kreisky sei ein Genie im Umgang mit Menschen und Medien gewesen: "Er vermittelte dem Publikum den Eindruck - das erzählt er jetzt nur mir."

Bruno Kreisky habe als Kanzler auch das geistig-politische Klima des Landes verändert. In diesem Zusammenhang will Fischer zur kommenden Präsidentenwahl noch nichts sagen, aber grundsätzlich: "Das unmittelbare politische Tagesgeschäft liegt nicht in der Hofburg, aber natürlich kann auf das Klima in einem Land Einfluss genommen werden. Ich selbst habe mir vorgenommen und nehme mir weiter vor, für bestimmte Prinzipien und Werte einzutreten und klarzumachen, dass es Haltungen gibt wie Menschenfeindlichkeit, Intoleranz, Missachtung der Menschenrechte, zu denen man klar und deutlich abgrenzend Stellung nehmen muss und dass man Gerechtigkeit, Fairness und Solidarität und demokratische Prinzipien unterstützen muss." (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2010)

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meineMeinung1969
00
Das Wort "Reform" ...

... heisst in Österreich IMMER höhere Steuern oder Gebühren oder ähnlich = immer finanzielle Belastung der Bürger.

mM

leonardodavinci1
00
30.3.2010, 00:36

Das "Klima des Aufbruchs" endete mit dem "Aufbruch des Klima."

wwelv folig
00
warum wird hier der BP hauptsächlich über die vergangenheit interviewt?

Mich hätte zB interessiert warum der fischer uns an die eu verkauft hat was ein eingriff in unsere verfassung ist ohne das volk dafür zu befragen? weil das volk nein gesagt hätte... stattdessen wurde das volk belogen nach strich und faden, man sagte es wird nix teurer und alles wird ja so gut wenn wir in der eu sind... leider konnte wir bis dato nur das gegenteil feststellen und anstatt dieses brisante thema zu diskutieren wird über die vergangenheit ein tratscherl gmacht... typisch rauschzustand interview.

kauwvn
01
28.2.2010, 17:14
ja es war der

aufbruch in den abgrund der schuldenfalle!!!!

Ro_bert
10
28.2.2010, 17:14

"Wir haben heute auch einen Reformrückstau, aber viele Menschen haben geradezu Angst vor dem Wort Reform"

Daß das Volk keine Reformen mag ist eine ziemlich dreiste Ausrede. Die Rechtsparteien reiben sich schon mal die Hände!
Viele wollen keinen Sparkurs, aber das ist was anderes. Eine Steuer- und Verwaltungsreform hat jederzeit die Mehrheit hinter sich, ebenso wie das überfällige Rauchverbot.
Aber so gehts den meisten: in der Jugend idealistisch, im Alter angepaßt.

wwelv folig
00
rauchverbot hat mehrheit? hams beweise?

leonardodavinci1
00
30.3.2010, 00:38

Leider nicht im Parlament. Da sitzt ja "die Braut die sich nicht traut" im Gesundheitsministerium!

asso wolf
10
28.2.2010, 14:48
aufbruch, die zweite

es wäre wieder eine art aufbruch, wenn sich heinz fischer zum thema wiederwahl nur einmal zu wort meldete. mit einer rundfunkansprache, in der er seine kandidatur bekannt gibt und dabei gleichzeitig erklärt, dass er auf einen klassischen wahlkampf mit plakaten und sonstigen sinnlosigkeiten verzichtet. das wäre ein signal dafür, dass man mit diesem geld was vernünftigeres anstellen könnte. und jeder, der das demokratiepolitisch für bedenklich hält, sei herzlich dazu eingeladen, seine argumente vorzubringen. das hauptargument für einen nichtwahlkampf ist nämlich wohl einsichtig: ein staatsoberhaupt, das sich in seiner ersten legislaturperioide einen derart guten namen gemacht hat, braucht nicht auf die trommel zu schlagen.

Norbert Müller
 
00
28.2.2010, 14:21
zum schlusswort vom fischer möcht ich noch sagen: das was er unter konsenspolitik meint, ist das typische österreichische herumwurschteln und

niemals irgend einen weg wirklich konsquent gehen. dazu gibt es 1000 beispiele in den vergangen jahren.
da bin ich schon eher ein anhänger von klaren durchsetzten von ganz bestimmten strategien, auch wenn diese (vorerst) keinen breiten konsens finden, aber nur diese vorgehensweise kann am ende des tages eine wirkliche verbesserung einer sitation erwirken. die oposition ist sowieso naturgemäss immer gegen alles was die regierung macht, insofern halte ich in österreich eine konsenspoltik für das eher weniger itelligentere u. effizientere vorgehen. In der Wirtschaft brauchts auch starke geschäftsführer welche den spielraum haben ihre strategien zu fahren. In der Politik sollen die demokratisch gewählten poltiker ähnlichen spielraum haben.

derpradler
01
28.2.2010, 12:34
Und ich erinnere mich

an den Genossen Fischer, der sich als der große Denker in der Sozialdemokratie zu etablieren versuchte. Viele Österreicher(innen) kauften ihm das auch ab, er war für Viele die Ideologische Hoffnung.
Leider auch nur ein Irrtum, so wie das Meiste was nach Kreisky kam. Sie ignorierten Kreisky`s Ratschläge, sie stellten den Altmeister ganz einfach ins Alten-Eckt.
Und dann begann der große Umbau, von der Sozialdemokratie zu einer neolibealen Partei. Androsch....F.V. .........sie schmissen die Ideologie über Bort und begannen mit dem Profitdenken, die Sozialdemokratie in den Dreck zu zerren.
Und Fischer, er war mitten unter Ihnen!
Freundschaft

Walter Bimini
10
28.2.2010, 19:42
die spö war immer nur ein einziger schmäh wie die zweite republik.

undemokratisch, verlogen und bis ins innerste korrupt.

pepitant
01
Mit anderen Worten:

"Ein müder Abklatsch der VP." :-)

Andi van west
03
28.2.2010, 12:00
der Aufbruch zu den Schulden

Konrad Euler
01
27.2.2010, 22:36
"wagte 1971 neuwahlen"

"Kreisky hatte zunächst nach Absprache mit FPÖ-Chef Friedrich Peter eine Minderheitsregierung gebildet, wagte schon 1971 Neuwahlen"

... ist glaube ich nicht ganz korrekt.

der pakt mit der fpö umfasste die zusage eines viel minderheitenfreundlicheren wahlrechts (extra für die fpö ... absicht kreiskys war das "bürgerliche" zu teilen, in dem die blauen hochgepäppelt werden) und dann zu wählen.

bei ausschreibung der wahl 1971 rechnete auch die sp nicht mit einer absoluten, sie hat sie dann aber überraschend - trotz des geänderten fp-freundlichen wahlrechts - erhalten.

"gewagt" trifft also die sache nicht ganz, da es defakto paktiert war und der ausgang nicht so erwartet wurde.

Der strenge Meister Johann
00
27.2.2010, 14:06
Tja!

...und dann kam der AKH-Skandal und die Besetzung der Au!

Frank'n'furter ät www.agenda2020.at
00
27.2.2010, 11:47

konsens gut und schön, aber es kann keinen konsens geben mit menschenverachtender ideologie, wie sie vor allem von den rechten, aber auch in wirtschaftspolitischer hinsicht von der övp vetrtreten wird.

und da, sehr verehrter herr fischer, tun sie unserer meinung nach viel zu wenig. überparteilichkeit ist gut, das darf aber nicht an der parteinahme für die menschlichkeit hindern.

daher:

bernhard 4 president.

www.agenda2020.at


das ist fix
54
27.2.2010, 11:40
Eine Verklärung...


Es waren Menschen wie Kreisky und Fischer welcher die Diktatoren der KP-Regmine hoftiert haben.

Honecker, der die Menschen an der Berliner Mauer abschießen ließ wurde von Kreisky besucht - hat er sich dabei etwas gedacht?
Es war in Wirklichkeit kein Aufbruch, sondern ein Niedergang von Anstand und Werten.

KaterTom
00
28.2.2010, 12:02
Anstatt am Füllhorn der Propaganda zu saugen

würde ich an Ihrer Statt einmal die Statistik bemühen:
Stand der Wirtschaft in Eurpa vor und nach der SPÖ Regierungsbeteiligung.
Vergleich der Schulden mit denen der anderen West/Mitteleuropäischer Staaten.
Bitte selber suchen, damit Sie mir nicht den Verweis auf gefälschte Quellen unterstellen können.
Dann bitte eine Bewertung machen.

Nichtschweiger
 
00
28.2.2010, 18:57
Das geht ziemlich schlecht für die sozialdemokratischen Parteien aus

Die waren nämlich in der Zeit so ziemlich überall in Europa am Ruder!

nick morgenland
 
00

in den siebziger, achtziger und neunziger jahren waren in europa (diesseits des eisernen vorhangs) sowohl links- als auch rechtsparteien am ruder. wenn man recherchiert, wer in diesem zeitraum in deutschland, frankreich, großbritannien, italien, spanien in diesen jahrzehnten die regierungen gestellt hat, lässt sich das leicht beweisen. langfristig dominierend sind linksparteien wohl nur in österreich und skandinavischen staaten gewesen.

Hans Vogel
62
27.2.2010, 16:42
Vor allem!

Bis dahin hatten wir kaum Staatsschulden. Für die Schulden, die der Herr Kreisky gemacht hat, werden noch unsere Enkel zahlen. Wir zahlen seit Kreisky Milliarden für die Zinsen. Er hat den Schuldenberg herbeigeführt und keine Regierung seit Kreisky konnte die Schulden, infolge der Zinsen, verkleinern.

Konrad Euler
01
27.2.2010, 22:42
großteil der schulden stammt nicht aus kreiskys zeit

das glauben viele, ist aber trotzdem nicht korrekt.

die meiste neuverschuldung wurde in der zeit der großen koalition (zugegeben mit sp-finanzministern, aber eben unter mitverantwortung der övp) aufgetürmt, und nicht in kreiskys zeit.

der vollständigkeit halber: die letzte regierung die "deficit spending" wirklich durchgeführt hat, also nach dem ausgaben in der wirtschaftschwäche dann im wirtschaftsaufschwung die schulden kräftig reduziert hat, war die vp-alleinregierung unter kanzler klaus. diese wurde dann 1970 von der bevölkerung (unter anderem deswegen) abgewählt, kreisky gewann die relative mehrheit.

Nichtschweiger
 
00
28.2.2010, 18:56
Zitat aus der Züricher Zeitung:

"Der Sanierungskurs unter Klaus 1966-1970 "schuf die haushaltspolitische Substanz, auf die Kreisky in den folgenden 13 Jahren Kanzlerschaft zurückgriff, um die Österreicher mit der süßen Droge Wohlfahrtsstaat zu verführen." und die Zeche zahlen die Kinder und Kindeskinder"

Dem ist nichts hinzuzufügen!

Heinz Anderle
 
00
Blablabla.

In die Ära Kreisky fallen die zwei Ölkrisen, 1973 - 74 und 1979 - 81. Die erste konnte noch einigermaßen wirksam abgefangen werden, die zweite brachte die Strukturschwächen (Grundstoffindustrie statt marktfähiger "intelligenter Produkte") endgültig zu Tage.

Trotzdem vollzog sich die Umstrukturierung sanfter als in "neoliberal" regierten Staaten, und der soziale Frieden blieb einigermaßen gesichert. Jedem einzelnen dadurch von der Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen ist dies freilich nur ein schwacher Trost.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

nick morgenland
 
00

wobei nicht vergessen werden sollte: mit dem schuldenstand der ära kreisky wäre österreich heute ein eu-musterschüler.

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