Fünf Medaillen bringen Anton Innauers Nordische aus Vancouver mit, der Sportdirektor ist aber nicht wunschlos glücklich. Er hätte Felix Gottwald gerne noch länger als Zugpferd der Kombinierer
Whistler - "Ich selbst bin mit mir im Reinen" , sagt Anton Innauer bezüglich seiner Position als Sportdirektor für Sprunglauf und Kombination im österreichischen Skiverband (ÖSV). Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wird der 51-Jährige gefragt, ob er nun bleibt oder sich nach 23 Jahren im ÖSV doch anderweitig zu orientieren gedenkt. Antworten gibt es da nur indirekt. Etwa wenn Innauer sagt, dass er sehr froh wäre, wenn Felix Gottwald sein Comeback bei den Kombinierern nicht schon nach einer Saison wieder beendet, sondern zumindest bis zur WM im nächsten Jahr in Oslo weitermacht.
Beim 34-Jährigen sei das keine Frage des Alters. "Ich würde bei ihm sogar noch einige Möglichkeiten sehen, vor allem auf springerischer Seite" , sagt der Chef. Mit dem dreifachen Olympiasieger sei die Mannschaft einfach stärker. "Der Felix hat doch den entscheidenden Beitrag zur Goldmedaille gebracht. Wir dürfen uns nur von Herzen bedanken, dass er uns unterstützt hat, dass er wieder eingestiegen ist. Das war für uns ein enormer Gewinn."
Die abschließende Einzelmedaille durch Bernhard Gruber im Großschanzenbewerb hat Innauer nach dessen Leistung im Teambewerb gar nicht überrascht. Gruber selbst, der im Österreich-Haus als doppelter Medaillengewinner ordentlich abgefeiert wurde, um nur wenige Stunden später heimzufliegen, dankte vor allem seinem Trainer Baard Jörgen Elden. Der Norweger hatte den 27-jährigen Salzburger, der immer schon ein guter Springer war, vor allem in der Loipe olympiareif gemacht. Auch durch Trainingsdosierung. "Ich bin nicht gar so geduldig" , gab Gruber zu. "Man erwartet sich ein bisserl Wunder, aber im Ausdauersport geht das nicht." Gruber trainierte mehr als andere und wurde von Elden von der Loipe gezerrt. Seine ersten Spiele nahm er in Topform in Angriff, die Nichtnominierung für den Normalschanzenbewerb verunsicherte ihn nicht: "Ich habe keinen Qualifikationsdruck gespürt."
Der Druck lag auf anderen, vor allem auch auf den Skispringern, die sich schwertaten, ihre Vormachtstellung im Zirkus bei Olympia unter Beweis zu stellen. "Dass sie den Druck und die Spannung ausgehalten haben, darauf bin ich schon stolz." Das Schiff hätte eine leichte Schlagseite gehabt, "aber im Grund genommen, sind wir ganz gut um die ärgsten Klippen herumgekommen."
Die Spiele sind für Innauer nicht friktionsfrei verlaufen. Die von ihm forcierte Diskussion um die Bindung des Schweizers Simon Ammann, vor allem die kritischen Reaktionen darauf aus dem eigenen Lager, von ÖOC-Präsident Karl Stoss abwärts, haben Spuren hinterlassen. Die witterungsbedingte Benachteiligung der Favoriten, vor allem von Mario Stecher und Gottwald im Springen des letzten Kombi-Bewerbes, hat ihn erzürnt.
Ob dieses oder jenes bei seiner weiteren Lebensplanung eine Rolle spielen könnte, wird Innauer gefragt. "Ich selbst bin mit mir im Reinen" , sagt er dann. (APA, red - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.2. 2010)