In den USA sollen Hedgefonds-Chefs rund um George Soros einen Großangriff auf den Euro beschlossen haben
Die hohen Kursverluste des Euro könnten mit massiven
Spekulationsattacken in Zusammenhang stehen. In den USA sollen
Hedgefonds-Chefs bei einem gemeinsamen Abendessen einen Großangriff
beschlossen haben.
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New York / Washington - Es war ein Dinner im vertrauten Kreis nach einem dieser hektischen Montage am Finanzplatz New York. Zu dem Abendessen in Manhattan waren die Manager einiger der größten amerikanischen Hedgefonds geladen: Donald Morgan, der Chef von Brigade Capital, David Einhorn von Greenlight Capital und ein Vertreter von "Soros Fund Management" . Allein der von George Soros geführte Fonds soll über ein Vermögen von 27 Milliarden Dollar verfügen.
Nach Hühnchen und Steak sollen die Herren zur Sache gekommen sein: die Probleme Griechenlands, der Druck auf Spanien und Portugal, der Euro werde weiter abstürzen, der Wechselkurs von Euro und Dollar werde in naher Zukunft 1:1 erreichen. Wenn die großen Hedgefonds akkordiert arbeiten, können sie den Druck auf den Euro erhöhen und so viel Geld machen, lautete das Fazit an jenem Abend, berichtet das Wall Street Journal am Freitag.
Hat eine spekulative Attacke auf den Euro stattgefunden, wäre das möglich?
Eine Milliarde mit dem Pfund
Großangelegte Angriffe gegen Währungen sind nichts Neues. Der spektakulärste Fall betraf das britische Pfund. Am 16. September 1992 erreichten die von Georg Soros angetriebenen Spekulationen gegen die britische Währung den Höhepunkt. Das Pfund wurde aus dem Europäischen Währungssystem genommen, Soros soll eine Milliarde verdient haben.
Der Name Soros tauchte auch im Oktober 2008 im Zusammenhang mit Ungarn auf: Damals sackte der Forintkurs binnen weniger Tage um 15 Prozent ab, der Aktienkurs der OTP brach binnen 24 Stunden ebenso massiv ein. Die Regierung machte Spekulanten verantwortlich. Der Soros-Fonds wurde zu einer Strafzahlung verurteilt, weil er den Markt mit OTP-Aktien geflutet habe.
Gute Wetten
Aber Pfund und Forint sind nicht der Euro: Das Handelsvolumen des Euro ist höher, liegt bei 1,2 Billionen US-Dollar am Tag.
Dennoch: "Durch gezieltes Vorgehen der großen Hedgefonds wäre eine kurzfristige Kursverschiebung denkbar", meint Michael Rottmann, Währungsexperte der UniCredit. Das System kann recht einfach funktionieren: Die Hedgefonds kaufen sich Optionen darauf, dass sie den Euro zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem bestimmten Kurs verkaufen. Fällt der Euro unter den vereinbarten Kurswert, können sich die Hedgefonds billig refinanzieren, es winken Milliarden. Im Februar gab es 60.000 registrierte Wetten auf fallenden Euro - ein Rekordwert. Und registriert werden nur die wenigsten Devisengeschäfte.
Die Spannungen in der Eurozone müssen für Spekulanten wie eine Einladung wirken. Griechenland muss der EU bis zum 16. März über seinen Sparplan berichten, im Mai muss Athen 20 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Zahlt Athen? Berichten sie rechtzeitig?
"Kleinigkeiten führen zu Kursschwankungen, wer richtig wettet, kann gewinnen", sagt Rottmann.
Drei Tage danach fiel der Kurs
Fest steht, dass drei Tage nach dem Abendessen am 8. Februar der Eurokurs unter die 1,36-Marke zum Dollar gefallen ist. Noch im Dezember bekam man für einen Euro 1,50 Dollar. Im Februar haben auch die Bank of America und Goldman Sachs viel Geld auf einen paritätischen Euro-Dollar Kurs gesetzt. Von einem Wechselkurs 1:1 sprach zuletzt der US-Ökonom Gary Shilling.
Der starke Wertverlust der Gemeinschaftswährung hat auch Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel überrascht. "Die Europäische Zentralbank ist eine starke Bank, und Griechenlands Bedeutung im Euroraum ist vergleichsweise klein", sagt Gern. "Im Grunde ist es also unklar, warum der Euro so leidet."
Schwäche oder Spekulation
Zwei Erklärungsversuche Gerns: Entweder schwächelt der Euro, weil zuletzt schlechtere Konjunkturdaten aus der EU kamen - oder es ist Spekulation.
Über einige Wochen und einige Cent hinaus könnten Hedgefonds den Euro aber nicht beeinflussen, sagt Gern. Und Wetten auf den Euro-Dollar-Kurs seien auch sehr risikoreich. Das Pendel könnte ja auch mal in die andere Richtung ausschlagen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.2.2010)