Der "Nestor" – der Preis des Sozialministeriums für jene Unternehmen, die den Bedürfnissen Älterer im Job besonders entgegenkommen – Die ersten drei Pioniere sind mit dem Gütesiegel "Nestor Gold" ausgezeichnet worden
Geriatriezentrum Favoriten
Das Engagement der Mitarbeiter durch die Zertifizierung auch für Außenstehende sichtbar machen, eine zusätzliche Anerkennung der täglichen Leistungen und Mühen schaffen - so begründet die Direktorin und Pflegedienstleiterin des Geriatriezentrums Favoriten, Elisabeth Tuma, ihre Motivation, den Zertifizierungsprozess Nestor Gold zu durchlaufen.
Als Teil des Wiener Krankenanstaltenverbundes hat das Geriatriezentrum 170 Mitarbeiter und 192 Bewohner. 2008 hat Tuma die Umsetzung eines Productive-Ageing-Projektes begonnen, um altersadäquate Arbeitsanforderungen und wertschätzenden Umgang für Mitarbeiter in allen Lebensphasen nachhaltig zu implementieren. So konnte das Haus auch beim Assessment für den Nestor Gold auf allen Handlungsebenen (Individuum, Führungsverantwortung, Prozessgestaltung und -wirksamkeit, Lernkultur, Wertehaltung, Nachhaltigkeitsengagements, Marktattraktivität) besonders gut abschneiden. Als Stärke erwies sich die Qualifizierung aller Mitarbeiter unabhängig vom Alter - als Verbesserungspotenzial die Achtsamkeit, was die eigene Gesundheit betrifft.
Sab-tours
Qualitätssicherung im eigenen betrieblichen Alternsmanagement, öffentliche Anerkennung der innerbetrieblichen Programme und Stärkung der Arbeitgebermarke - so die Motive des oberösterreichischen Touristik- und Autobusunternehmens Sab-tours (350 Mitarbeiter), sich um den Nestor Gold zu bewerben.
Betriebliche Gesundheitsförderung ist schon viele Jahre Thema bei Sab-tours - angesichts der Tatsache, dass rund 40 Prozent der Busfahrer über 50 sind, begann man nach wirksamen Unterstützungs- und Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, um Ältere möglichst gesund und lange im Job zu halten: "Busfahren - ein Lebensberuf" , heißt das bei Sab-tours. Als Stärken wurden gelobt: große Erfahrung des Managements in der Gesundheitsförderung und im Productive Ageing, sehr adaptive Arbeitsbedingungen, Gleichbehandlung verschiedener Altersgruppen, von Frauen und Männern, und "gesunde Dialoge" als Weg zur Umsetzung von Verbesserungsalternativen. Verbesserungen sehen die Assessoren des Sozialministeriums hinsichtlich des Bewusstseins über die strategischen Ziele des Unternehmens bei Mitarbeitern.
Sonnentor
Sonnentor hat sich schon als eines der wenigen kleinen und mittleren Unternehmen hervorgetan, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt haben. Mit dem Nestor-Gütesiegel will Johannes Gutmann seine Firmenphilosophie festigen, gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung stärken. Im Zwettler Betrieb arbeiten 130 Mitarbeiter, in Tschechien weitere 60. Die Bioprodukte werden mittlerweile in 45 Länder exportiert.
Das Anknüpfen an regionale Traditionen, heißt es im Assessmentbericht, bedinge, dass die Expertise der erfahrenen bzw. älteren Mitarbeiter wertgeschätzt und genutzt wird. In der Schulung von Führungskräften hinsichtlich Generationenbalance und in der aktiven Kommunikation zum Thema Alternsgerechtigkeit sehen die Assessoren noch Verbesserungspotenzial. Allerdings ist Sonnentor zweifelsohne ein echter Herzeigebetrieb für das Ziel des Nestor Gold: vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung längeren, produktiven Verbleib der Mitarbeiter im Arbeitsprozess zu unterstützen. Für Gutmann ergibt sich das natürlich aus seinem Wertekanon und den Wurzeln im Waldviertler Umfeld. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.2.2010)