Aller Tingeltangel dieser Welt

26. Februar 2010, 01:13

Die Wiener Symphoniker im Musikverein

Wien - Der eine war Sohn eines Perückenmachers, der andere der eines Fuhrmanns. Beide kamen schon früh an ein Konservatorium und strebten zielsicher dem Erfolge zu. Der Erste, Georges Bizet, obschon ein eher scheuer Charakter, sollte sich ganz der Oper zu Füßen werfen und der Musikgeschichte letztlich ihr populärstes Werk schenken; der Zweite, Gustav Mahler, sollte als einer der Operndirektoren seiner Zeit seine kompositorische Schaffenskraft kardinal dem Symphonischen widmen.

Obwohl: Eigentlich sind die Symphonien Mahlers nichts anderes als ins Epische auswuchernde Bühnenmusiken zum dramatischen Themengroßkreis "Mensch und Natur". Das plätschernde Bächlein, Kapelle, Kondukt und Kuckucksruf: Mahler kredenzt dem Hörer allen Tingeltangel dieser Welt plus reichlich Atmosphäre drumherum noch gratis mit dazu.

Zumindest zu Beginn von seiner erster Symphonie will sich im Musikverein diese noch nicht einstellen: Nur Töne leise auszuhalten schafft noch keine Stimmung. Doch im zweiten, auch im dritten Satz gelingt Georges Prêtre das, wofür ihn seine Liebhaber lieb- haben: aus Tonkombinationen Gefühle werden zu lassen, Gestalten zu erschaffen, Charaktere, menschliche Wesen fast. Doch Prêtre ist ein Genius der Episode, des Moments; dynamische Langzeitplanung ist ihm nur ein subprioritäres Anliegen, sodass Höhepunkte mehr durch ihre gegenwärtige dynamische Potenz als durch ihre strukturelle Vergangenheit zu überzeugen haben.

Bei Georges Bizets erster Symphonie - einem Akustopharmakum erster Güte - avancieren die Wiener Symphoniker vom drögen Tonspielautomaten (erster Satz) zum Springbrunnen des Esprits und des Elans (letzter). Ein bewegendes Adieu für Dirigent Prêtre, zum Ende. (Stefan Ender / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.2.2010)

 

Kiembeni
00
26.2.2010, 19:09
Also ich liebe

Mahlers Symphonien. Was soll daran schlecht sein? Er ist ja nicht der einzige Komponist, der Mensch und Natur in seinem Werk verarbeitete.

Karin Stadler2
11
26.2.2010, 16:13
Herr Ender, etwas Tingel Tangel??

Karin Stadler2
00
26.2.2010, 16:11

Jesus! (Tschiisas - englisch ausgesprochen)

Navajo
15
26.2.2010, 09:25
O weh, o weh

Hat D. Ender hier seinen 15-jährigen Sohn vertretungsweise die Kritik verfassen lassen? Aber auch durch "gedrechselte" Sätze wie "dynamische Langzeitplanung ist ihm nur ein subprioritäres Anliegen..." kann man Kenntnis nicht vortäuschen...

"Eigentlich sind die Symphonien Mahlers nichts anderes als ins Epische auswuchernde Bühnenmusiken zum dramatischen Themengroßkreis "Mensch und Natur". Das plätschernde Bächlein, Kapelle, Kondukt und Kuckucksruf: Mahler kredenzt dem Hörer allen Tingeltangel dieser Welt plus reichlich Atmosphäre drumherum noch gratis mit dazu. "
Da dreht es sich einem ja um. Bitte dringend zur Lektüre für das nächste Mahler-Referat: Th.W.Adorno: Mahler. Eine musikalische Physiognomatik.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Stefan Ender
01
26.2.2010, 16:40
Teddy-Mär

Adorno, Adorno... Herr Navajo, helfen Sie mir, war das nicht dieser Freund von Lotte Tobisch? Also ich weiß nicht, ich hab's nicht so mit dieser "Seitenblicke"-Gesellschaft...
Lieber sitze ich im Café Drechsler oder auch einfach nur so auf einer schönen Wiese und gehe den Dingen des Lebens auf den Grund...
Und zitiere dort dann in Gedanken den frühen Sloterdijk, der Heine zitiert: "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht / Und küsse die Marketenderin! / Das ist die ganze Wissenschaft, / Das ist der Bücher tiefster Sinn."

Im Übrigen ist es mir ein Bedürfnis, Daniel Ender in Sachen Vaterschaft, meine Person betreffend, von jeder Verantwortung freizusprechen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.