Italiener wollen Hypo Kärnten

9. April 2003, 18:52
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San Paolo-Imi peilt mit Hypo-Alpe-Adria neue Verhandlungen an

Turin/Wien - "Österreich ist für uns ein wichtiger Brückenkopf für die mittel- und osteuropäischen Länder", stellte der Präsident der drittgrößten italienischen Bank, San Paolo-Imi aus Turin, Rainer Masera im Gespräch mit dem STANDARD, fest. Der Bankchef bestätigte Interesse an der Kärntner Hypo-Alpe-Adria Bank, auch wenn frühere Beteiligungsgespräche noch keine Ergebnisse gebracht hätten.

San Paolo-Imi hat in letzter Zeit mehrere Zukäufe in Osteuropa (Ungarn, Bulgarien, Rumänien) getätigt. Obwohl die Turiner jene Bank Italiens mit den meisten ausländischen Filialen sind, beschränkt sich dieses Engagement vor allem auf die dortige Betreuung italienischer Kunden.

Filiale in Wien

San Paolo-Imi ist auch die einzige italienische Bank mit einer Filiale in Wien. Von da aus wird das Geschäft mit der Schweiz betrieben. Die italienische Großbank ist außerdem im Private Banking mit der San Paolo Bank Austria präsent.

Bis zum Jahr 2004 soll der Restrukturierungsprozess bei San Paolo-Imi mit über 3000 Filialen voll abgeschlossen sein. Die Turiner schwimmen mit ihrer Reorganisation gegen den Strom. Die im Jahr 2002 voll integrierte Banco di Napoli ebenso wie die neu erworbene Gruppo Cardine sollen auch künftig ihre lokale Identität behalten. Strategische Funktionen, wie etwa die Vergabe von Großkrediten oder das EDV-System, werden zentralisiert. San Paolo-Imi hat in letzter Zeit das Kreditportfolio der Großkunden zum Teil auf den Mittelstand umgeschichtet. So weist die Großbank die beste Kreditqualität des Landes auf. Dies ist auch der Grund, weshalb Masera von den neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel II) Vorteile gegenüber Wettbewerbern erwartet, deren Kreditausstattung minderer Qualität ist.

Der Vorstandsvorsitzende des Hypo-Konzerns, Wolfgang Kulterer, zeigte sich über den neuerlichen Wunsch Rainer Maseras, in die Hypo Alpe-Adria einzusteigen, nicht wirklich begeistert: "Das ist doch eine Ente", sagte er dem STANDARD. Es sei wahr, dass in den vergangenen zwei Jahren intensive Gespräche über einen Einstieg der Italiener geführt wurden, allerdings habe man diese vergangenes Jahr abgebrochen. Kulterer dazu: "Wir stehen derzeit so gut da, dass wir kein Interesse haben, Anteile zu verkaufen." (Thesy Kness-Bastaroli, Judith Grohmann, DER STANDARD, Printausgabe 10.4.2003)

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