Mafia wollte mit Mord an Djindjic Umsturz herbeiführen

9. April 2003, 17:52
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Für Ermordung des wichtigsten Zeugen fünf Millionen Euro geboten

Belgrad - Mit der Ermordung des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic am 12. März hätten die Mörder einen Umsturz herbeiführen wollen. Dies sickerte heute, Mittwoch, aus Regierungskreisen durch, die sich auf Aussagen von festgenommenen Angehörigen der Zemun-Mafia beriefen. Die berüchtigte Mafia aus dem Belgrader Vorort wird der Planung und Durchführung des Mordes am Premier verdächtigt. Im Haus des weiterhin flüchtigen Mafia-Bosses Milorad Lukovic "Legija" soll die Polizei eine große Anzahl von Briefen sichergestellt haben, die an Diplomaten und Politiker verschickt werden sollten.

Mafiachef Ljubisa Buha nun "geschützter Zeuge"

Lukovic, Ex-Kommandant der Spezialpolizeieinheit "Rote Barette", soll auch einige "Leserbriefe" selbst verfasst haben, meldete der Belgrader Sender "B-92" unter Berufung auf Regierungskreise. Als "besorgter Leser" lobt er etwa in einem dieser "Leserbriefe" am 11. Februar in der Zeitschrift "Identitet" die "Vaterlandsliebe" von Legija und damit sich selbst. Die mittlerweile verbotene Zeitschrift wurde von der Zemun-Mafia finanziert.

Der Zemun-Clan wollte vermutlich auch den "lästigen Zeugen" Ljubisa Buha "Cume" loswerden. Der zwielichtige Belgrader Geschäftsmann und ehemalige Chef der Mafia-Gruppe im Belgrader Vorort Surcin hatte Ende Jänner den Zemun-Clan, mit dem er sich im Vorjahr zerstritten hatte, der Ermordung des früheren serbischen Präsidenten Ivan Stambolic beschuldigt. Buha war im vergangenen August ins Ausland geflüchtet, um Anfang dieses Jahres den Kontakt zu den Belgrader Behörden aufzunehmen. Als "geschützter Zeuge" wird gerade Buha der Polizei viele Tipps gegeben haben.

Die Zemun-Mafia hat laut "B-92" internationalen Profikillern fünf Millionen Euro für die Ermordung von Buha geboten. Geld hatte auch der stellvertretende serbische Staatsanwalt Milan Sarajlic kassiert, der sich um den Versteckort von Buha zu kümmern hatte. Sarajlic hatte im Voraus 150.000 Euro erhalten. Nach Erledigung der Arbeit hätte er eine Million Euro bekommen sollen. Sarajlic wurde vor drei Wochen festgenommen und gab seine Kontakte zur Zemun-Mafia sofort zu.(APA)

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