Djindjic -Ermordung: Bereits über 8.200 Personen einvernommen

9. April 2003, 17:20
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Innenminister: Bisher 834 Strafanzeigen - Menschenrechtsfonds kritisiert Polizei

Belgrad - Seit der Ermordung des serbischen Regierungschefs Zoran Djindjic am 12. März hat die Polizei nach Angaben des Innenministers Dusan Mihajlovic mehr als 8.200 Personen einvernommen. In der 30-tägigen Untersuchungshaft befinden sich derzeit 2.114 Personen, wobei gegen 834 bereits Strafanzeigen eingereicht wurde. Mihajlovic erklärte in Belgrad, dass jede der insgesamt 105 serbischen kriminellen Gruppen "angegriffen" worden sei. Die Polizei habe jede Person mit einem Kriminaldossier zu einem "Informationsgespräch" geladen.

Der ehemalige jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica hat am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung "Blic" die serbische Regierungskoalition beschuldigt, den nach dem Tode von Djindjic verhängten Ausnahmezustand auch zur Abrechnung mit politischen Gegnern nützen zu wollen.

Belgrader Menschenrechtsfonds appeliert an Regierung

Der Belgrader Menschenrechtsfonds, eine der führenden serbischen Menschenrechtsorganisationen, appellierte an die Regierung, die Polizei am Missbrauch ihrer Befugnisse zu hindern. In einer Aussendung kritisierte die Menschenrechtsorganisation, dass sehr viele junge Menschen festgenommen worden seien, die einst entweder als Rauschgiftsüchtige registriert oder zu kleinen Haftstrafen verurteilt wurden, auch wenn es keinen begründeten Verdacht für ihre eventuelle Verbindung zu den Mördern von Djindjic gebe.

Sie würden meist in Polizeistationen unter äußerst unhygienische Verhältnissen gehalten. So etwa müssten die meisten in Kellerräumen auf einen mit Brettern belegten Boden ohne Decken schlafen. Die Familienangehörigen müsste für ihre Kost sorgen. Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation wird zwischen den einzelnen Polizeistationen inzwischen ein "regelrechter Wettkampf" hinsichtlich der meisten Festnahmen geführt.(APA)

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