IWF-Köhler: "Der Krieg ist kurz, das sind gute Nachrichten"

10. April 2003, 19:23
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Währungsfonds-Direktor sieht gute Chance für Konjunkturerholung

Washington - Der schnelle Kollaps des irakischen Regimes hat die Aussichten auf eine weltweite Konjunkturerholung nach Auffassung des Internationalen Währungsfonds (IWF) erheblich verbessert. "Der Krieg ist kurz, das sind gute Nachrichten", sagte IWF-Direktor Horst Köhler am Donnerstag vor Beginn der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. "Die Wolke, die über uns hing, sollte jetzt verschwinden." Priorität der Minister bei der Frühjahrstagung müsse es jetzt sein, weltweit das Vertrauen der Verbraucher und Investoren zu stärken. Weltbankpräsident James Wolfensohn verwies darauf, dass die Weltbank beim Wiederaufbau des Irak erst tätig werden kann, wenn der Weltsicherheitsrat eine Regierung in Bagdad anerkennt.

Geringere Risiken

Einige der Risiken, die der IWF selbst noch in seinem am Mittwoch veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick beschrieb, seien inzwischen in den Hintergrund getreten, sagte Köhler. So sei der IWF noch von einem Ölpreis in diesem Jahr von 31 Dollar ausgegangen. Tatsächlich liegt der Preis bereits wesentlich niedriger. Dennoch solle niemand in den nächsten ein, zwei Jahren "explosives Wachstum" erwarten, mahnte Köhler. Die Konjunkturschwäche sei auch auf Umstände zurückzuführen, die schon vor dem Krieg Thema waren. Er nannte das Platzen der Technologieblase und die Unternehmensskandale in den USA.

"Die Industrieländer müssen ihre Politik nun voll auf Wachstum ausrichten", verlangte Köhler. "Die Geldpolitik muss die erste Verteidigungslinie sein." Defizite auch von mehr als drei Prozent seien in Kauf zu nehmen, sagte Köhler. Er warnte die Länder Europas, den Krieg als Ausrede für die Verschiebung dringend notwendiger Strukturreformen zu verwenden. Er lobte das von Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigte Reformprogramm. "Es hat das Potenzial, wenn es voll umgesetzt wird, der Konjunkturerholung in Europa und in Deutschland neue Impulse zu geben", sagte Köhler.

"Erstaunlich robust"

Nach Auffassung von Köhler hat sich die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren angesichts zahlreicher Schocks erstaunlich robust gezeigt. Das zeige, dass Panik und "Albtraumszenarios" fehl am Platze seien, sagte Köhler. "Ich bin ziemlich zufrieden mit der Situation."

Köhler und Weltbankpräsident James Wolfensohn betonten die Bereitschaft von IWF und Weltbank, beim Wiederaufbau des Irak zu helfen. Voraussetzung sei eine international anerkannte Regierung im Irak, sagte Wolfensohn. Dazu sei eine Resolution des Weltsicherheitsrates nötig. Zudem müsse der Irak vor neuen Weltbank-Hilfen seine ausstehenden Schulden in Höhe von 82 Mio. Dollar (75,9 Mio. Euro) bezahlen.

Krieg Ursache für weltweite Armut

Der Weltbankpräsident mahnte, über den Irak-Konflikt nicht den Krieg gegen die weltweite Armut zu vergessen. "Hauptgrund für Kriege, Stress und Kriminalität ist die Armut", sagte Wolfensohn. "Der größte Beitrag zur Verhinderung von Kriegen ist der Kampf gegen die Armut." Als dringliche Themen nannte Wolfensohn etwa den Abbau von Handelsbarrieren in Industrieländern für Produkte aus Entwicklungsländern und höhere Entwicklungshilfe. "Diese Themen können nicht vertagt werden", sagte Wolfensohn.

IWF und Weltbank tagen am kommenden Wochenende in Washington. Unmittelbar vor Beginn der Beratungen kommen die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) zusammen. Dabei dürfte es um den Wiederaufbau des Irak und Wachstumsimpulse zum Anschieben des globalen Konjunkturmotors gehen. (APA/dpa)

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