Tito-Attentäter Kavaja nach Djindjic-Mord verhaftet

9. April 2003, 16:12
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Vermutlich wegen enger Mafia-Verbindungen - Sein Trauzeuge Radonjic war in New York bekannter Mafioso

Belgrad - Der serbische Antikommunist und Nationalist Nikola Kavaja, der Anschläge auf den ehemaligen jugoslawischen Staatschef Marschall Josip Broz Tito geplant hatte, ist in Serbien im Rahmen der Ermittlungen nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Zoran Djindjic verhaftet worden. Dies berichtete heute, Mittwoch, die Belgrader Tageszeitung "Glas javnosti". Kavaja wurde einer breiteren Öffentlichkeit vor allem in den 60er und 70er Jahren bekannt, als von ihm geplante und organisierte Attentate auf Tito fehlschlugen.

War bereits in den USA wegen Terrorismus inhaftiert

So entführte er etwa Mitte der 70er Jahre eine US-Passagiermaschine auf der Linie New York-Chicago. Mit dem Flugzeug wollte er das Gebäude der damals regierenden Kommunistischen Partei in Belgrad zerstören. Ende der 70er Jahre wurde Kavaja in den USA wegen Terrorismus und Flugzeugentführung zu insgesamt 65 Jahren Gefängnis verurteilt. Bekannt wurde er auch als Gründer der "Serbischen Befreiungsbewegung Vaterland" (SOPO). Nach seiner vorzeitigen Entlassung kehrte der ehemalige Pilot der Jugoslawischen Volksarmee Ende der 90er Jahre nach Serbien zurück, wo er das Buch "Brüder des verratenen Serbien" verfasste.

Plante bereits 1970 Attentate auf Tito

Vermutet wird, dass Kavaja wegen der engen Kontakte zu seinem Trauzeugen Bosko Radonjic, einem zwielichtigen Belgrader Geschäftsmann, verhaftet wurde. Radonjic, der nach seiner Flucht in die USA im Jahr 1970 ebenfalls Mitglied der SOPO wurde und gemeinsam mit Kavaja Attentate auf Tito plante, erscheint nicht minder interessant. Der Besitzer des bekannten Belgrader Nachtklubs "Lotus Bar" und einiger Casinos in Serbien war bereits kurz nach dem Djindjic-Mord festgenommen worden.

Flucht von Radonjic über Österreich

Eine wichtige Rolle soll Radonjic in der New Yorker Mafia gespielt haben. Eine Zeit lang soll er sogar die irischen Mafia geführt und engste Kontakte mit dem Clan des mittlerweile verstorbenen berüchtigten Mafia-Boss John Gotti gepflegt haben. Als es ihm in den USA zu heiß und er vom FBI gesucht wurde, flüchtete er 1990 wieder nach Jugoslawien. Im Jänner 2000 wurde er allerdings in einer spektakulären Aktion vom FBI in Miami verhaftet. Radonjic, der der Bestechung von Zeugen beim Prozess gegen Gotti verdächtigt wurde, engagierte sofort fünf bekannte Anwälte und kam bald frei.

Interessant ist die Flucht von Radonjic in die USA im Jahr 1970. Damals war er eng mit einem Fußballer von "Roter Stern Belgrad" befreundet. Bei einer Reise des bekannten Fußballvereins nach Graz versteckte er sich im Mannschaftsbus und auf diese Weise gelang ihm die Flucht aus Jugoslawien. Danach soll er sich vorübergehend in Österreich aufgehalten haben, bevor er über Italien in die USA emigrierte.(APA)

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