Anthrax-Toxin findet auf mehr als einem Weg in den Körper

9. April 2003, 15:03
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Zweiter Rezeptor entdeckt

Madison - 2001 haben Forscher der University of Wisconsin Medical School nachgewiesen, durch welche "Tür" Anthrax-Toxine in die Zellen des menschlichen Körpers eindringen. Jetzt hat das selbe Forscherteam eine weitere Eintrittspforte entdeckt, einen zweiten Rezeptor. Die Existenz zweier Rezeptoren macht klar, dass das Eindringen des Toxins in die Zelle komplizierter als angenommen ist. Auf Basis der neuen Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher neue Möglichkeiten, das Eindringen des Anthrax-Toxins in Zellen zu verhindern.

Unter der Leitung des Experten für Rezeptormoleküle John A. T. Young entdeckte das Team darüber hinaus folgendes: Isolierten sie im Labor einen bestimmten Rezeptorabschnitt, konnten sie diesen als "Köder" verwenden, das Anthrax-Toxin von den Zellrezeptoren wegzulotsen. Auf diesem Weg konnte ein Großteil des Toxins vom Eindringen in die Zelle abgehalten werden.

Konsequenzen

Die neuen Details sind vor allem für Pharma-Unternehmen eine wichtige Information, um Milzbrand (Anthrax), eine bakterielle Infektionserkrankung, in den Griff zu bekommen. Forscher wissen, dass zur Krankheits-Prävention die unmittelbare Verabreichung von Antibiotika notwendig ist. Nur so können Anthrax-Bakterien, die typischerweise als Sporen über die Haut, die Lungen oder den Magen-Darm-Trakt eindringen, abgetötet werden. Sind die Sporen einmal aktiv, verwandeln sie sich in Bakterien und geben rasch ein Toxin, bestehend aus drei Proteinen, ab. Ein Protein, das so genannte sogenannte PA-Protein (Protectives Antigen), bindet sich noch bevor das gesamte Toxin in die Zellen eindringt an einen Rezeptor. Die Verbindung mit dem Rezeptor öffnet den restlichen Proteinen "Tür und Tor". Im Zellinneren können die Proteine rasch zu verheerenden Krankheitssymptomen führen.

Neu ist die Tatsache, dass sich mehrere Rezeptoren auf einer oder verschiedenen Zellen befinden, allerdings nicht. "Ein Beispiel dafür ist auch das HI-Virus. Um in Zellen einzudringen, verfügt es über zwei große Rezeptoren", erläutert Young. "Die Existenz von zwei Rezeptoren im Fall von Anthrax könnte auch Krebsforscher interessieren. Denn beide Rezeptoren werden aktiviert, wenn sich neue Blutzellen bilden", betont Co-Autorin Heather Scobie. Ein in der Fachsprache als Angiogenese bezeichneter Vorgang. Die Entdeckung könnte auch klären, warum Anthrax-Toxine in der Krebsbehandlung äußerst wirksam sind. "Die Toxine scheinen die Tumor-fördernde Angiogenese zu verhindern", resümiert Scobie. (pte)

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