"Service für Wohnungslose"

9. April 2003, 14:41
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Neue Anlaufstelle für Obdachlose in Wien - Unklar bleibt der Fortbestand des Bahnhof-Sozialdienstes am Westbahnhof

Wien - Für Obdachlose in Wien gibt es seit kurzem eine neue Anlaufstelle. Das "Wiener Service für Wohnungslose" in der Pazmanitengasse 7 in Wien-Leopoldstadt vermittelt zentral alle 2.309 Wohnplätze, die durch die Stadt Wien und ihre Vertragspartner angeboten werden.

Betrieben wird die täglich von 8.00 bis 23.00 Uhr geöffnete Einrichtung von der Caritas, die Gemeinde kommt für die jährlichen Kosten von 550.000 Euro auf.

Beratung

Seit 21. März ist die neue Clearingstelle - Kurzbezeichnung "P 7" - in Betrieb. Zwölf Sozialarbeiter beraten und informieren täglich rund 45 Obdachlose, leiten existenzsichernde Maßnahmen ein und vermitteln Notunterkünfte bzw. längerfristige Wohnplätze. "Das erspart den Menschen den telefonischen Hürdenlauf, um einen Platz zu ergattern", sagte Christian Neumayer, Bereichsleiter für Wohnungslosenhilfe der MA 12, am Dienstagabend bei der Präsentation der Einrichtung.

Warnung vor Sozialempfänger-Änderungen

Wiens Sozialstadträtin Grete Laska (S) unterstrich dabei ebenso wie Wiens Caritas-Direktor Michael Landau die gute Kooperation zwischen der Stadt und den diversen ausführenden Hilfsorganisationen. Gleichzeitig warnte Laska vor Regierungsplänen zur Umwandlung der Notstandshilfe in eine "Sozialhilfe neu" in der Kompetenz der Länder. Nicht nur für die Betroffenen würde dies Verschlechterungen bringen, die Wiener Sozialhilfe wäre mit einem Schlag mit 38.000 zusätzlichen Klienten konfrontiert.

Hilfe in die Eigenständigkeit

Bei der Obdachlosenbetreuung versuche die Stadt, möglichst viele Menschen wieder in die Eigenständigkeit zu führen und sie nicht über Jahrzehnte zu beherbergen, sagte Neumayer. Dies sei auch gelungen: Die Zahl der von der Stadt Wien betriebenen klassischen Obdachlosen-Heimplätze konnte innerhalb weniger Jahre von 1.700 auf 1.000 reduziert werden - und das bei jährlich rund 4.000 Menschen, die das Hilfssystem der Stadt durchlaufen.

Bahnhofs-Sozialdienst am Westbahnhof

Unklar ist weiterhin, was nun mit dem - ebenfalls von der Caritas betriebenen - Bahnhofs-Sozialdienst (BSD) am Westbahnhof geschehen soll, der bisher für die Vermittlung Obdachloser zuständig war. Die Caritas hatte sich vor wenigen Wochen mit der Ankündigung, am Bahnhof weiter einen Nacht-Notdienst betreiben zu wollen, weil man die Menschen an diesem "sozialen Brennpunkt" nicht allein lassen dürfe, den Unmut der Sozialstadträtin zugezogen.

Dieser Streit ist laut Landau nun beigelegt. Gemeinsam mit der Stadt will man ein neues Konzept für die Sozialarbeit am Bahnhof finden, das nicht auf die Betreuung Obdachloser beschränkt sein soll, sondern sich auch der Problematik der Drogensucht oder Prostitution im Bahnhofsumfeld annehmen soll. Eine erste Evaluierungsbesprechung ist für Mai geplant, bis dahin will die Caritas ihren Nachtdienst am Bahnhof weiterführen. (APA)

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