Österreich baut Rolle als Ostinvestor weiter aus

9. April 2003, 14:36
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EU-Erweiterung dürfte neuen Schub an Direktinvestitionen auslösen - OeNB Vize-Gouverneurin Tumpel-Gugerell präsentiert Unctad World Investment Directory

Wien - Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 wurde ein Boom bei den Direktinvestitionen in die Staaten Zentral- und Osteuropas ausgelöst. Österreich konnte sich dabei - nicht zuletzt auf Grund "historischer Tradition" - eine prominente Rolle sichern, geht doch ein Drittel der heimischen Investitionen in diese Region, während es weltweit weniger als 2 Prozent sind. Mit der bevorstehenden EU-Erweiterung sei mit einem weiteren Anstieg der österreichischen Investitionen nach Osteuropa zu rechnen, zitierte Vize-Gouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell aus dem soeben erschienen "World Investment Directory" der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung.

Wenn auch Österreich im internationalen Vergleich noch immer Aufholbedarf bei den Direktinvestitionen hat, so konnte man sich in den Ländern Mittel-Osteuropas (MOEL) eine Spitzenposition unter den Investoren sichern: In Slowenien und Kroatien ist Österreich mit 45 bzw. 30 Prozent am jeweiligen Direktinvestitionskapitalstock der mit Abstand absolut größte ausländische Investor. In Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik liegt Österreich mit etwa 10 bis 20 Prozent des Auslandskapitals jeweils hinter Deutschland und den Niederlanden an dritter Stelle.

Steigerung der Investitionsströme

Welche Rolle die MOEL-Länder bei der Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft gespielt habe, zeige die Steigerung der Investitionsströme Österreichs in diese Region in den vergangenen Jahren: Während 1992 0,89 Prozent des heimischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Ausland investiert wurden - davon nur 0,25 Prozent des BIP in den MOEL-19 (inklusive Balkan) und 0,64 Prozent im Rest der Welt, so wurden 2001 1,40 Prozent des BIP investiert - 1,13 Prozent in den MOEL-19 und 0,27 Prozent im Rest der Welt.

1999 entfielen mit 1.019 Direktinvestitionsbeziehungen beinahe die Hälfte der österreichischen Auslandsbeteiligungen, mit 5,3 Mrd. Euro mehr als ein Viertel des investierten Kapitals und mit mehr als 199.000 im Ausland beschäftigten Personen rund 60 Prozent der Auslandsbeschäftigten auf die Länder Zentral- und Osteuropas, so Tumpel-Gugerell weiter.

Ungarn wichtigsten Zielland

Wichtigstes Zielland österreichischer Auslandsbeteiligungen war Ungarn mit 404 Beteiligungen, gefolgt von der Tschechischen Republik mit 257 Beteiligungen, sowie Polen und der Slowakischen Republik mit 101 Beteiligungen. Auffallend sei auch, dass bei den Investitionsströmen eine deutliche Bevorzugung der unmittelbaren Nachbarregionen bestehe: so engagieren sich burgenländische Investoren fast ausschließlich in Ungarn, niederösterreichische Investoren sind in Tschechien und der Slowakei deutlich überrepräsentiert.

Die Eigenkapitalrentabilität aus österreichischen Direktinvestitionen sei in Zentral- und Osteuropa nach Überwindung gewisser Anlaufschwierigkeiten - 1993 und 1995 entstanden im Zuge von Umstrukturierungsprozessen Nettoverluste - mit zuletzt 10,4 Prozent (1999) deutlich höher als in Westeuropa oder Übersee (1999: 5,7 Prozent), so Tumpel-Gugerell.

Die EU-Mitgliedschaft der Nachbarstaaten Österreichs werde vor allem jenen Unternehmen, die bereits Direktinvestitionen getätigt haben, zusätzliche Impulse verleihen. Dennoch sei zu erwarten, dass sich der Wettbewerb für die österreichischen Firmen intensivieren werde.(APA)

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