In Linz setzt es sich fort

4. Oktober 2003, 20:49
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Eishockeymeister Linz muss einen neuen Coach suchen und wohl die Mannschaft verjüngen - Kent Salfi kommt aus Villach

Eishockeyspieler können Kräfte entwickeln, das glaubst du nicht. Zum Beispiel im Playoff. Oder dann beim Feiern. Heuer waren erstmals die Linzer Black Wings am kräftigsten. Villach/Linz - Würdig trifft es auf den Punkt. Die Black Wings sind ein würdiger Eishockeymeister. Sie haben den Grunddurchgang der Liga klar dominiert, sie haben sich im Playoff noch gesteigert, sind wie nichts ins Finale gesprintet, haben selbst dort nur eine einzige Partie verloren, im vierten Match die Nerven behalten und in Villach mit 4:2 gewonnen. Der VSV verlor gegen Linz auch das fünfte Heimspiel der Saison, so gesehen war die Titelverteidigung ein Ding der Unmöglichkeit und Platz zwei ein Erfolg.

Zum ersten Mal seit 1989, als Innsbruck ganz oben stand, kommt der Meister nicht aus Vorarlberg oder Kärnten, zum ersten Mal überhaupt kommt er aus Oberösterreich. Seit drei Jahren, seit also die Liga aufgestockt wurde, sind die Black Wings erstklassig, der erste Anlauf war im Semifinale, der zweite im Finale gestoppt worden, im dritten Anlauf hat es nun geklappt. Vor einem Jahr triumphierte der VSV in Linz, nun gelang auch diesbezüglich die Revanche. Für Linz-Trainer Stanislav Barda wurde der Titel quasi zum Abschiedsgeschenk, der Tscheche verlässt die Black Wings, tendiert nach Lustenau.

Abgesehen von der größten Kraft, die sich nach dem vierten Finale auch auf der Heimfahrt und erst recht bei der gestrigen Meisterfeier offenbarte, verfügten die Linzer über die meiste Routine. Mike Shea (42), Rick Nasheim (41), Ray Podloski (37) und Christian Perthaler (auch schon bald 35) wissen, wie man mit Reserven haushält. Nasheim, zuvor mit der VEU Feldkirch fünfmal Meister, ist nun der erfolgreichste aktive Crack im Lande, nun stellt sich bei ihm und bei einigen seiner Kollegen die Frage, ob und wie sich die Aktivität fortsetzen wird.

Linz-Präsident Wolfgang Steinmayr und Manager Helmut Keckeis kündigen indes an, dem Klub seine Vormachtstellung zu erhalten. "Nächstes Jahr werden wir noch stärker. Wir werden einen Top-stürmer aus Kärnten und einen weiteren Ausländer holen", sagt Steinmayr, der das Linzer Erfolgsgeheimnis mit einem Wort beschreibt: "Realismus." Dieses Wort bezieht sich aufs Budget, auf die Bilanzierung, auf die Höhe der Spielerverträge. In der ersten Linzer Bundesligasaison hatte Keckeis, damals selbst noch Trainer, nicht weniger als elf Spieler der aufgelösten VEU Feldkirch in Linz versammelt, darauf wurde aufgebaut. Das Keckeis-Credo: "Ein Spiel kannst du nur hinten, nicht vorne verlieren."

Und ab zur WM

Die Teamkandidaten der beiden Klubs dürfen kurz verschnaufen, VSV-Verteidiger Herbert Hohenberger freut sich "auf ein paar Tage Golf spielen". Am Freitag nimmt Hohenberger wieder den Hockeyschläger in die Hand, da beginnt in Wien das letzte Trainingslager vor der WM. Kommende Woche wird das Team zwei Tests in der Ukraine bestreiten, von dort geht's direkt nach Helsinki, wo am 26. April gegen Finnland die WM beginnt. (APA, fri, DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.4. 2003)

  • EC Villacher SV - EHC Black Wings Linz 2:4 (1:0,0:2,1:2). Villacher Stadthalle, 5.000, SR Schiffauer/Längle/Repnik. Tore: Kromp (10.), Hohenberger (47.) bzw. Szücs (24.,53.), Poudrier (27.), Intranuovo (60./empty net). Strafminuten: zwölf bzw. sechs.

    Enstand der Serie: 1:3

    Die Meister der letzten zehn Jahre

     1993 VSV
     1994 VEU Feldkirch
     1995 VEU Feldkirch
     1996 VEU Feldkirch
     1997 VEU Feldkirch
     1998 VEU Feldkirch 
     1999 VSV
     2000 KAC
     2001 KAC 
     2002 VSV 
     2003 Black Wings Linz
    

    Zuschauerstatistik

     1. HC Innsbruck     25  84.000  3.360
     2. EHC Linz         27  90.285  3.344
     3. Vienna Capitals  23  66.600  2.896
     4. EC Feldkirch     23  64.826  2.819
     5. VSV              28  74.500  2.661
     6. KAC              23  57.550  2.503
     7. EHC Lustenau     22  32.350  1.471
     8. Graz 99ers       22  27.000  1.228
                        --------------------
                        193  497.111  2.575
    

  • Erste Transfers

    Kent Salfi verlässt Villach und wechselt nach Linz. Die Leihspieler Marco Pewal und Mario Berger hingegen kehren von dort nach Villach zurück.

    Zum Thema

    Tabelle und
    Links

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Linz-Kapitän Rick Nasheim mit dem Meisterpokal

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