Allzeit-High bei Drogenanzeigen

9. April 2003, 19:08
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Ermittlungen in Wien konzentrieren sich auf Westafrikaner -Drogenbericht 2002 lässt keine wirkliche Trendwende erkennen

Wien - Mehr Anzeigen gegen Kleindealer und Konsumenten und weniger gegen Drogengroßhändler. Das ist, kurz gesagt, die Bilanz der Exekutivarbeit im Bereich der Suchtmittelkriminalität im vergangenen Jahr. Innenminister Ernst Strasser (VP) kündigte am Mittwoch bei der Präsentation der Daten ein weiteres hartes Vorgehen gegen die offene Drogenszene an und sprach sich strikt gegen die Liberalisierung so genannter weicher Drogen wie Cannabis aus.

Mehr Anzeigen wegen Drogendelikten

Insgesamt trafen im abgelaufenen Jahr 22.422 Anzeigen wegen Drogendelikten bei den Staatsanwaltschaften ein - ein Zuwachs von 2,6 Prozent. Bei den Vergehen, die besonders den Drogenbesitz oder -verkauf kleinerer Mengen betreffen, gab es ein Plus von 3,3 Prozent auf 20.102 Fälle. Die Zahl der Verbrechen sank dagegen um ebenfalls 3,3 Prozent auf 2320 Anzeigen.

Zwei Schwerpunkte bei der Polizeiarbeit

Für den Innenminister gibt es weiter zwei Schwerpunkte bei der Polizeiarbeit: Die Zerschlagung der offenen Drogenszene, besonders in Wien, sowie die Strukturermittlungen, um die Hintermänner zu enttarnen.

In der Bundeshauptstadt richtet sich das Hauptaugenmerk dabei auf Westafrikaner. Bei der Sicherstellung von Heroin stieg ihr Anteil von 22,3 Prozent im Jahr 2001 auf 86,9 Prozent 2002, wie Roland Horngacher, Leiter der Wiener Kriminalpolizei, bekannt gab. "Ich lasse ganz sicher nicht zu, dass die Wiener City von schwarzafrikanischen Dealern überschwemmt wird", stellte der Beamte klar.

Konzentration auf die Streetrunner

Ob mit der Konzentration auf die so genannten Streetrunner, die vorwiegend Heroin und Kokain verkaufen, nicht die Ermittlungen gegen die mengenmäßig viel bedeutenderen Cannabisprodukte hintan gestellt werden, wollte Horngacher nicht eindeutig beantworten.

Favorit Cannabis In fast 90 Prozent der Ermittlungen müssen sich die österreichischen Ermittler nämlich mit Cannabisprodukten befassen. Sie bleiben damit die beliebtesten illegalen Rauschmittel in Österreich, was sich auch bei den sichergestellten Substanzen zeigt. Hier liegt Cannabis mit einer Menge von 743 Kilogramm (plus 63 Prozent) weit in Führung. Einen Anstieg um fast 50 Prozent gab es auch bei der Zahl der beschlagnahmten Ecstasy-Pillen.

Im Zusammenhang mit Cannabis verwies der grüne Nationalratsabgeordnete Dieter Brosz in einer Aussendung auf den "erfolgreichen Trend" anderer europäischer Länder hin zur Entkriminalisierung. Für den Innenminister bleibt es dagegen bei einem "strikten und klaren Nein zur Freigabe weicher Drogen". (moe, DER STANDARD, Printausgabe 10.4.2003)

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