FIA erklärt Fisichella zum Sieger

11. April 2003, 18:23
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Automobilverband korrigierte das Ergebnis des chaotischen Brasilien-Grand Prix - Fisichella gewann vor Räikkönen

Wien - Mit fünf Tagen Verspätung kann sich Giancarlo Fisichella nun doch als Gewinner des Großen Preises von Brasilien feiern lassen. Der Internationale Automobilverband (FIA) korrigierte am Freitag in Paris das Ergebnis des Formel-1-Rennens von Sao Paulo und erklärte den italienischen Jordan-Piloten nachträglich zum Sieger des chaotischsten WM-Laufes der vergangenen Jahre.

Der finnische McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen, der am Sonntag als Gewinner geehrt worden war, wurde auf Platz zwei zurück gesetzt. Räikkönen behielt dennoch die Führung in der Gesamtwertung nach drei WM-Rennen mit 24 Punkten.

"Besser spät als gar nicht"

Der 30-jährige Fisichella kam dank des FIA-Beschlusses zu seinem ersten Sieg im 110. Formel-1-Rennen. "Besser spät als gar nicht. Ich bin sehr glücklich, dass die FIA anerkannt hat, dass ich den Brasilien-Grand-Prix gewonnen habe. Ich habe immer gewusst, dass dies der Fall ist", sagte er. Er sei jedoch enttäuscht, "dass ich nicht meinen Moment ganz oben auf dem Podium hatte".

Beweise wurden vorgelegt

Sein Chef Eddie Jordan jubelte nach der Verhandlung im FIA-Hauptquartier in Paris: "Gerade in diesem Moment ist jeder Sieg ein wichtiges Resultat für uns." Der Jordan-Rennstall hatte bei der FIA Beweise vorgelegt, dass Fisichella schon in der 56. von 71 geplanten Runden war, als das "Chaos-Rennen" von Interlagos nach schweren Unfällen von Mark Webber (Jaguar) und Fernando Alonso (Renault) abgebrochen wurde, und somit der Stand nach Ende der 54. Runde gewertet werden musste.

Urteils-Begründung

Die Rennkommissare gingen davon aus, dass das Rennen in der 55. Runde beendet worden war. Laut Paragraf 154 des sportlichen Formel-1-Reglements wird im Fall eines Rennabbruchs die Reihenfolge gewertet, die zwei Runden zuvor bestand. Somit wurde der Finne Räikkönen zum Sieger erklärt, da er nach der 53. Runde in Führung gelegen war. Fisichella überholte Räikkönen erst in der 54. Runde.

"Nach genauer Untersuchung der Aufzeichnungen der bei dem Rennen für die Zeitnehmung verantwortlichen Organisation haben die Rennkommissare festgestellt, dass der Wagen Nummer 11 (Fisichella) die 55. Runde beendet hatte und in die 56. Runde gestartet ist, bevor das Zeichen zum Abbruch des Rennens gegeben wurde", hieß es in einer FIA-Mitteilung. Somit gelte das Klassement nach Ende der 54. Runde.

Vorteil für Ralf, Nachteil für Webber

Der Spanier Alonso bleibt auch nach der FIA-Entscheidung Dritter vor Räikkönens Teamkollegen David Coulthard, dem Sauber-Piloten Heinz-Harald Frentzen und dem Kanadier Jacques Villeneuve im BAR-Honda. Von der Veränderung profitiert hingegen BMW-Williams-Pilot Ralf Schumacher, der vom neunten auf den siebenten Rang vorrückt und noch zwei WM-Punkte erhält. Der Australier Webber fällt dagegen vom siebenten auf den neunten Platz zurück.

Räikkönen gratulierte seinem Konkurrenten Fisichella: "Ich weiß, dass Giancarlo sehr glücklich sein wird", meinte der Finne, der erst in Malaysia sein erstes Formel-1-Rennen gewonnen hatte. Auch McLaren-Chef Ron Dennis erkannte die Entscheidung ohne Murren an. "Die Beweise, die vorgelegt worden sind, lassen keinen Zweifel, dass Giancarlo und Jordan die Gewinner des Brasilien Grand Prix sind."

Erster F1-Sieg eines Italieners seit 1992

Nun freut sich Fisichella auf das Heimspiel in Imola am 20. April: "Ich kann dieses Rennen gar nicht mehr erwarten. Es wird fantastisch." Für das Formel-1-verrückte Italien war es übrigens der erste Grand-Prix-Sieg seit 1992, als Riccardo Patrese (Williams) in Japan gewann. (APA/dpa/SIZ/Reuters)

Endstand nach 54 Runden a 4,309 km: (Rennen mit vollen Punkten gewertet)

1. Fisichella (ITA) Jordan-Cosworth
2. Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes
3. Alonso (ESP) Renault
4. Coulthard (GBR) McLaren-Mercedes
5. Frentzen (GER) Sauber-Petronas
6. Villeneuve (CAN) BAR-Honda
7. R.Schumacher (GER) Williams-BMW
8. Trulli (ITA) Renault
9. Webber (AUS) Jaguar-Cosworth
10. da Matta (BRA) Toyota

Ausgeschieden: Antonio Pizzonia (BRA) Jaguar-Cosworth, Jenson Button (GBR) BAR-Honda, Jos Verstappen (NED) Minardi-Cosworth, Juan Pablo Montoya (COL) Williams-BMW, Justin Wilson (GBR) Minardi-Cosworth, Michael Schumacher (GER) Ferrari, Nick Heidfeld (GER) Sauber-Petronas, Olivier Panis (FRA) Toyota, Ralph Firman (GBR) Jordan-Cosworth, Rubens Barrichello (BRA) Ferrari

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FIA

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Giancarlo Fisichella (li) mit seinem Teamchef Eddie Jordan

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