Vom leeren Blatt zur Multimedia-Seite

3. März 2010, 16:32
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Webdesigner Christian Hanl erklärt, wie eine Homepage entsteht und welche Herausforderungen und Tücken es dabei zu beachten gilt

Anfangs ist am Bildschirm nur ein leeres Blatt zu sehen. Ein paar Mausklicks später hat Webdesigner Christian Hanl grob simuliert, wie die Startseite der neuen Homepage aussehen soll. "Es ist wichtig, nicht vom allgemein bekannten Aufbau, den der Benutzer über Jahre hinweg gelernt hat, wegzugehen", erklärt der Leiter der Internetagentur Go.West in Salzburg. Denn die meisten Internetnutzer wissen: Oben befindet sich ein Imagebereich, darunter oder links das Hauptmenü, unten die Adresszeile und der Link zum Impressum.

Designer entwerfen, Programmierer setzen um

Eine eigene Website zu haben, ist für die meisten Unternehmen heute selbstverständlich: Laut Angaben von Statistik Austria präsentieren sich heute 80 Prozent aller Firmen mit einer Homepage im Internet. Aber wie entsteht eine Website eigentlich? Hinter dem virtuellen Service- und Informationsangebot für den Endverbraucher steckt unter anderem die Arbeit des Webdesigners. Durch den ständigen technischen Fortschritt hat sich diese in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt. "Heute gibt es kaum mehr einen Webdesigner, der die Webseiten auch selbst programmiert", weiß Hanl. Zu Beginn des Internetbooms sei es für Firmen wichtig gewesen, überhaupt im Netz präsent zu sein, Webdesigner lieferten einfache Webseiten in Eigenproduktion. Heute sind die technischen Möglichkeiten so vielfältig, dass sich der Begriff Webdesigner in mehrere Berufe gesplittet habe: Designer entwerfen Homepages, Programmierer setzen sie technisch um.

Die Idee ist das Wichtigste

Um ein passendes Design zu entwerfen, sind oft mehrere Entwürfe nötig, oft müssen sich Agenturen in einer Art Wettbewerb mit anderen messen, das beste Angebot erhält den Zuschlag. "Eine gute Idee zu haben ist dabei das Wichtigste", sagt Hanl, der an der Fachhochschule Hagenberg (OÖ) Medientechnik und -design studiert hat. Man orientiere sich dabei an aktuellen Trends, zum Beispiel an prämierten Webseiten. "Mir kommen aber beim Designen die besten Ideen, ich fange einfach an und am Ende kommt etwas Gutes dabei heraus."

Webdesigner arbeiten im Allgemeinen mit Programmen wie Photoshop oder Fireworks. "Ein guter Designer muss heute ein Multimediadesigner sein und mit Grafik, Videoschnitt, Typographie und Animation umgehen können sowie Grundkenntnisse von der Programmierung haben", erklärt der 32-jährige Agenturleiter. Das Um und Auf seien Kreativität und Interesse an den kontinuierlichen technischen Fortschritten, damit verbunden Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung.

Kundenkommunikation

Von Bedeutung ist auch die Kommunikation mit dem Kunden, denn der Webdesigner muss wissen, welche Bedürfnisse an die Homepage gestellt werden. Ist eine interaktive Seite gewünscht? Gibt es regelmäßige News auf der Website? Wie oft soll sie gewartet werden? Wird es eine Image- oder Informationsseite? Je nachdem, wie sich Kundenwünsche und Aufwand gestalten, kostet eine professionelle Homepage ab 3.000 Euro, nach oben hin gibt es keine festgelegten Grenzen. "Für uns ist es daher wichtig, das Angebot transparent zu machen, damit der Kunde weiß, was er für sein Geld bekommt", erklärt Hanl.

Zielgruppen berücksichtigen

Wer eine Website entwirft, muss vor allem auf die Benutzerfreundlichkeit achten. "Man muss sich unter anderem auch die Frage stellen: Wie schaut das Zielpublikum aus?" Für ältere Zielgruppen sei zum Beispiel die Lesbarkeit ein wichtiges Kriterium. "Wenn man aber eine Homepage für junge Sportler wie zum Beispiel BMX-Fahrer entwirft, muss sie cool wirken und es muss sich darin etwas bewegen." Auch Vernetzungen mit Web 2.0-Plattformen wie Facebook seien im Kommen, da die junge Generation ja praktisch damit aufgewachsen sei und einen besonderen Zugang zum Internet habe.

Unterschiedliche Computer

Die technische Entwicklung bringt von Zeit zu Zeit auch Schwierigkeiten für Webdesigner mit sich: "Netbooks etwa sind langsam und haben einen kleinen Display, für mobile Endgeräte wie das I-Phone haben wir schon ganze Seiten extra adaptiert", sagt Hanl. Man müsse generell Rücksicht auf unterschiedliche Computer, Bildschirmgrößen, Browser und Betriebssysteme nehmen, was die Entwickler oft viel Zeit koste.

Trotz all der technischen Entwicklungen und "Spielereien" wird auf den Inhalt und Informationsgehalt von Webseiten immer mehr Wert gelegt. Hanl ist überzeugt: "Eine schöne Internetseite alleine bringt nichts." (Maria Kapeller, derStandard.at)

  • Webdesigner Christian Hanl an seinem Arbeitsplatz: Den dem Benutzer bekannten Aufbau einer Website beibehalten.
    foto: derstandard.at

    Webdesigner Christian Hanl an seinem Arbeitsplatz: Den dem Benutzer bekannten Aufbau einer Website beibehalten.

  • Eine gute Idee zu haben, sei beim Designen von Webseiten das Um und Auf - Kreativität ist gefragt. Im Bild: Die Homepage der Firma Weitzer Parkett.
    foto: go.west

    Eine gute Idee zu haben, sei beim Designen von Webseiten das Um und Auf - Kreativität ist gefragt. Im Bild: Die Homepage der Firma Weitzer Parkett.

  • Inhalte und ein hoher Informationsgehalt werden immer wichtiger. "Eine schöne Internetseite alleine bringt nichts", so Hanl. Im Bild: Die Website des Hotels Krallerhof.
    foto: go.west

    Inhalte und ein hoher Informationsgehalt werden immer wichtiger. "Eine schöne Internetseite alleine bringt nichts", so Hanl. Im Bild: Die Website des Hotels Krallerhof.

  • Wichtig ist für den Webdesigner auch die Zielgruppe. Sie hat einen großen Einfluss darauf, wie die Seite am Ende gestaltet ist. Im Bild: Die Homepage von Rauch Fruchtsäfte.
    foto: go.west

    Wichtig ist für den Webdesigner auch die Zielgruppe. Sie hat einen großen Einfluss darauf, wie die Seite am Ende gestaltet ist. Im Bild: Die Homepage von Rauch Fruchtsäfte.

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