Den Flakturm vor Datensammlern schützen

25. Februar 2010, 19:08
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    foto: standard/christian fischer

    Der Leitturm im Arenbergpark: bald auch ein Mahnmal mangelnder politischer Sensibilität für "Orte des Erinnerns"?

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    foto: standard/heribert corn

    Heidemarie Uhl ist Historikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen des Forschungsprojekts "Orte des Gedächtnisses".

Die Bewahrung dieses historischen Erbes sollte höchste Priorität haben - Ein Appell aus gegebenem Anlass

In der europäischen Gedenkstätten-Topografie ist Wien ein nahezu blinder Fleck - sieht man vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes mit seiner Ausstellung und der Euthanasie-Gedenkstätte am Steinhof ab. In Berlin werden der Ort der Information unter dem Holocaust-Denkmal und das Haus der Wannsee-Konferenz jährlich von zehntausenden BesucherInnen - darunter viele Schulklassen - aufgesucht. Die "Topografie des Terrors", auf dem Areal eingerichtet, wo sich von 1933 bis 1945 die wichtigsten Zentralstellen der nationalsozialistischen Repressions- und Verbrechenspolitik befunden hatten, eröffnet in wenigen Wochen ein neues Museumsgebäude. In München wird am Ort des nach 1945 abgerissenen Braunen Hauses ein neues Dokumentationszentrum errichtet, und auch im ehemaligen Durchgangslager Drancy nahe Paris, von dem tausende französische Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden, wird gerade ein Museum realisiert.

Die neue Bedeutung der historischen Orte ist kein Zufall: Nach dem absehbaren Ende der Zeitzeugenschaft der Opfer von NS-Verbrechen sind es zunehmend die Orte, die Zeugnis ablegen über die Schrecken der Vergangenheit.

Der Flakturm im Arenbergpark, ein architektonisches Zeugnis der Machtrepräsentation des Nationalsozialismus, ist ein solcher Gedächtnisort von europäischer Relevanz. Die in Berlin, Hamburg und Wien errichteten Flaktürme waren nicht nur militärische Anlagen, sondern ebenso Propagandabauten, als Symbole der Unzerstörbarkeit gestaltet, deren Einschüchterungsgestus sich auch an die eigene Bevölkerung richtete. Nach dem "Endsieg" sollten sie in monumentale Heldendenkmäler umgewandelt werden.

Singuläres Bauwerk 

Nach 1945 wurden die sechs Berliner Flaktürme gesprengt und mit Trümmern aufgefüllt, zwei der vier Hamburger Flaktürme wurden abgetragen. Von den beiden erhaltenen ist einer als Shopping- und Medienzentrum genutzt, der andere im Inneren durch Sprengungsversuche zerstört. Auch drei der insgesamt sechs Wiener Flaktürme sind genutzt - vom Haus des Meeres im Esterházy-Park, vom Bundesheer in der Stiftskaserne, vom MAK im Gefechtsturm im Arenbergpark. Bei den Flaktürmen im Augarten sind Nutzungsvorhaben erschwert, der Gefechtsturm wurde im Jahr 1946 durch eine Explosion teilweise zerstört, der Leitturm im Innenbereich nicht mehr fertig gestellt.

Der Leitturm im Arenbergpark ist somit der einzige auch in seiner inneren Raumstruktur weitgehend intakte Flakturm. Nach 1945 jahrzehntelang ungenutzt, ist seine Raumqualität nahezu unberührt erhalten geblieben. Das Forschungsteam um die Architekturhistorikerin Ute Bauer hat an den Wänden Inschriften von Zwangsarbeitern entdeckt. Sie dokumentieren, dass die Wiener Flaktürme vor allem auch Zeugnisse der Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus vielen europäischen Ländern sind.

Dieses weltweit singuläre Bauwerk, Zeugnis für die Schrecken des Krieges ebenso wie für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern, soll nun zu einem Datenzentrum werden. Die Verhandlungen sind bereits so weit gediehen, dass die zuständigen Stellen noch im ersten Halbjahr 2010 ein fertiges Konzept präsentieren wollen. Diese Nutzung würde allerdings allein aufgrund der Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen umfangreiche Baumaßnahmen im Inneren erfordern. Mit der kommerziellen Vermietung würde auch die öffentliche Zugänglichkeit unmöglich gemacht.

Angesichts der europäischen Bedeutung dieses einzigartigen Zeugnisses der NS-Herrschaft - sowohl was seinen architekturhistorischen Stellenwert als auch seine Erinnerungsqualität als Monument für die hier eingesetzten Zwangsarbeiter betrifft - ist dieses Vorhaben unverständlich. Für ein Datenzentrum gibt es zahllose Unterbringungsmöglichkeiten - der Leitturm im Arenbergpark würde dadurch aber gerade ins seiner Kernqualität, dem erhaltenen Innenraum, unwiederbringlich zerstört.

Auch das Kostenargument spricht für die Erhaltung: Ziel ist der Schutz und die Bewahrung des historischen Ortes, auch für eine mögliche Nutzung künftiger Generationen. Eine Öffnung für kommentierte Führungen würde nur geringe Kosten verursachen.

Respektvoller Umgang 

Die Bewahrung dieses historischen Erbes sollte höchste Priorität haben. Die Initiative für den Leitturm Arenbergpark hat einen runden Tisch mit Vertretern der Stadt Wien, des Denkmalschutzes, ArchitektInnen und HistorikerInnen angeregt, um die Frage eines verantwortungsbewussten, respektvollen Umgangs mit diesem Ort gemeinsam zu diskutieren. Dies würde auch den ernsthaften Bemühungen der Stadt Wien, sich als "Stadt des Erinnerns" zu positionieren, entsprechen. (Heidemarie Uhl, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Februar 2010)

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    Posting 1 bis 25 von 98
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    Der Beobachter23
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    Mit dieser Wortspende will sich die bis dato eher...

    ...unbekannte Historikerin wohl einen eigenen Arbeitsplatz als NS-Gedächtnisforscherin sichern, als ob wir davon nicht schon genug hätten.

    Strukturelle Integrität
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    ich bin erschrocken,

    wie viele poster in dieser zeitung sich grundsätzlich gegen mahnmäler aussprechen. natürlich kann man diskutieren, ob der gefechtsleitturm ein geeigneter ort oder eine geeignete umgebung für ein solches ist, doch die notwendigkeit zu bestreiten oder gleich eine verschwörung zu wittern führt mich zur annahme, dass sich solche menschen durch derartige erinnerungsstätten persönlich beschuldigt fühlen. dass ein staat zu den fehlern seiner rechtsvorgänger steht anstatt sie in der geschichtsschreibung auszublenden ist eine der wenigen positiven errungenschaften des wahnsinns, der sich im 20.jhdt bahn griff. alleine schon um zu zeigen, dass auch der kleinstaat österreich diese verantwortung verstanden hat, wäre ein mahnmal sinnvoll. raus aus 19..!

    jumpingjack flash
    00

    ich glaub es liegt daran dass es eh schon genug denkmäler gibt.
    je mehr gruselfaktor so ein denkmal hat desto grösser die gefahr dass sich auch dumme am elend der opfer begeilen. hab nächtens schon unschöne szenen am albertinaplatz gesehen.
    ein zweites von hrdlicka gibts vorm ehemaligen globushaus im 20. bezirk, eines am morzinplatz, gedenktafeln an häusern usw.
    man sollte es halt nicht übertreiben.

    dreyfusard
    00
    28.2.2010, 18:18

    den flakturm mit efeu überwuchern lassen! statt datenjäger sängerknaben drin üben lassen ;)

    unbequem
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    27.2.2010, 11:42
    Sinnvolle Nutzung ist längst überfällig!!!!!

    Also das Gerede bezülich einer "historischen Gedenkstätte" ist lächerlich! Noch lächerlicher sind Baubescheide der Wiener Baubehörde die die sinnvolle Nutzung der Flaktürme wegen"statischer Schwächen" verunmöglicht!
    Diese "Kunstfelsen" sollten schon längst als Fundament für Höchhäuser oder Windkraftwerkee Mitten in der Stadt genutzt werden! Auch Datensicherheitszentrum macht sinn!
    Dem "Haus des Meeres" sollte man weitere sinnvolle Nutzungen folgen lassen!
    Im Gedenken in der Gegenwart menschendienlich und zeitgemäß Nutzen ist kein Widerspruch sondern sinnvolles Lernen und Lehren!

    werwolfi
    10
    26.2.2010, 21:17
    zustimmung

    David-Lauritz
    71
    26.2.2010, 17:40
    Abreissen

    Das Geld, mit dem gerade die Installation in der Secession finanziert wird hätte man für die ersten Abrissarbeiten des Flakturms verwenden können.

    Auf der anderen Seite wird der Denkmalschutz mit Füßen getreten, wenn man sich die Verschandelung der Wiener Innenstadt (Kärnterstrasse, Graben, Schwarzenbergplatz, ...) ansieht.

    jumpingjack flash
    00

    man könnte in flaktürmen auch swingerclubs einrichten.... :-)

    werwolfi
    00
    26.2.2010, 21:19

    dolm... erstens haben die beiden dinge aber schon gar nichts miteinander zu tun und können nicht gegeneinander ausgespielt/abgewogen werden, und zweitens kanns du um das geld gerade innen den verputz abkratzen... du hast offenbar keine vorstellung, was ein abtragen eines solchen bauwerks kosten würde.

    Standarddurchschnittsposter
    00
    26.2.2010, 17:50

    Ich fürcht, sie haben keine Ahnung wie Aufwendig das Abtragen wäre. Das würde Jahre dauern und die Belastungen der Anrainer wären enorm. Das sind Meterdicke Stahlbetonmauern.

    robobo
    00
    26.2.2010, 17:54

    Ich bin Anrainer, ich bin dafür, am besten noch heuer.

    jumpingjack flash
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    warum? - die gefahr heutzutage ist gross dass sie ihnen etwas noch grösseres/höheres vor die nase bauen!

    torch
     
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    Ebenso, die paar Mobilfunkantennen lassen sich auch am Gefechtsturm anbringen und das Abtragen dauert auch nicht mehrere Jahre, so groß ist der nicht.
    Es müsste reichen die Türme im Augarten und in der Stiftskaserne sowie den Gefechtsturm im Arenbergpark zu erhalten.

    Schön langsam wird im Gedenk- und Mahnmalwahn ein neuer mantraartiger Kult entwickelt, der das Nichtbewältigen dieser Zeit, die in ihren Auswirkungen für fühlende Menschen ohnedies nicht zu Begreifen ist, für manche Kreise zu sehr auf den Sockel stellt und wiederum Anknüpfungspunkte entbehrlicher Art schafft.

    Die wahren Mahnmale sind die Ort der Untaten der Gestapo, da ist das Mahnmal in Wien wohl deutlich zu nichtssagend ausgefallen.

    Karl Kraus
     
    00
    mit diesem kommentar...

    disqualifizieren sie sich als jemand der wissen oder bestimmen will wo die wahren mahmale sein sollen.

    jumpingjack flash
    00

    ich bin seit jahren dafür die türme innen für etwas sinnvolles zu nutzen - egal für was.
    aussen sollte man sie wie geplant verkleiden - eventuell nicht mit hellem marmor sondern mit spiegelndem glas dass richtig gelenkt licght in winkel bringt wo ansonsten die sonne nimmer hinkommt.

    Oma Beimer
    00
    26.2.2010, 23:25

    Also ich würde das nicht wollen. Mehrere Jahre Lärm und Staub.

    Lord Schaumloeffel
    36
    26.2.2010, 16:02
    langsam fange ich mir an, sorgen zu machen

    weil ich nämlich diese zwanghafte gedenk- und erinnerungsmanie, von der offenbar immer mehr menschen erfasst werden, dieses ununterbrochene rückwärts-gewandt-sein, als zeichen dafür auffasse, dass die gegenwart nicht zu retten und die zukunft nicht zu bewältigen sein wird.
    also wird die vergangenheit von einer ecke in die andere geschoben.

    nichts gegen gedenken und einen sorgsamen, schonungslosen umgang mit nationalsozialismus. aber langsam ist jedes augemaß bei vielen dahin.

    Gerhard Bichler1
    00
    Die Gedenk- und Erinnerungsmanie ist eine Racheaktion.,.

    welche von gewissen Kreisen gegen Österreich propagiert wird. Die würden uns am liebsten nur mehr auf den Knien rutschend sehen.

    werwolfi
    01
    26.2.2010, 21:20

    tja, da gibt es wegen der ersten paar jahrzehnte der 2. republik eben noch einiges aufzuholen...

    Roky Erickson
    10
    26.2.2010, 16:38
    Schön ...

    ... dass es noch Gegenwarts-Retter und Zukunfts-Bewältiger gibt ;-)

    es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
    24
    26.2.2010, 15:57
    danke

    für diesen artikel.

    f l o
     
    01
    26.2.2010, 15:01
    gedenken ist wichtig

    aber sind übergroße betonklötze wirklich die beste voraussetzung dafür?
    mir wäre es lieber, es gäbe ein gut sichtbares, zentral gelegenes nationalsozialismus-museum in wien, und diese unsagbar hässlichen flaktürme kommen endlich weg. mich erfüllt ihr anblick nämlich nicht mit ergriffenheit und ehrfurcht angesichts der verbrechen der nazis, sondern mit ärger über die architektonische verschandelung einer schönen stadt. vielleicht kann man ja den einen oder anderen flakturm wirklich bewahren - aber alle brauchen wir wirklich nicht.

    Juxta Poz
    13
    26.2.2010, 17:39

    Wenn ich mir anschau, wie die Baulobby heutzutage Wien "entwickelt", sind die Flaktürme ja noch harmlos dagegen.

    Edain
    11
    26.2.2010, 16:19

    Gut sichtbares, zentral gelegenes Nationalsozialismus-Museum? Wollen's ein paar Blöcke im 1. wegreißen und noch einen Glas/Stahlklotz hinstellen? Oder auf den Heldenplatz, wie wär's?

    Nein, ich persönlich halte die Flaktürme für das bestmögliche Mahnmahl gegen den Wahnsinn, dem die ganze Welt vor 70 Jahren zum Opfer gefallen ist, schrecklich schön anzuschauen. Mir -gefallen- die Dinger wirklich, auf eine morbide Art und Weise. Man geht um eine Ecke zwischen den bürgerlichen Häusern und auf einmal ragt dieser brutale Klotz vor einem in die Höhe, nimmt das halbe Gesichtsfeld in Beschlag. Diese Dinger gehören zum historischen Erbe Wiens (Groß-Wien!) und müssen daher stehenbleiben, notfalls kette ich mich an.

    Jupidupidu
    00
    27.2.2010, 11:37

    genau das hab ich mir auch schon überlegt. wenn die "meinen" abreissen wollen, dann meld ich mich bei ihnen, dann hängen wir schon zu zweit an der kette :-)

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    Posting 1 bis 25 von 98
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