Wifo-Experte plädiert für neue "Sozialstaatsarchitektur" mit Betonung auf Bildung und Pflege
Wien - Österreichweit werden 70 Prozent aller Sozialleistungen in Form von finanzieller Unterstützung getätigt. Laut Stadt Wien sind jedoch Sachleistungen hinsichtlich der Armutsbekämpfung bedeutend wichtiger. Deshalb spielten Investitionen etwa in Bildungs- und Pflegeeinrichtungen in Sachen Prävention eine zunehmende Rolle, so Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Donnerstag. Das derzeitige Verhältnis von Geld- und Sachleistungen in Wien konnte in einer Pressekonferenz nicht beziffert werden.
Insgesamt erhalten in der Bundeshauptstadt rund 200.000 Menschen Sozialleistungen "im engeren Sinn", so Wehsely. Die öffentliche Debatte drehe sich jedoch vorrangig nur um Sozialhilfebezieher. Dabei sei die Zahl jener, die 2009 ausschließlich von der Sozialhilfe lebten, mit etwas mehr als 13.000 vergleichsweise gering. Weitere knapp 67.000 Wiener seien von der Richtsatzergänzung betroffen gewesen - beispielsweise sogenannte Working Poor, die wegen ihres geringen Einkommens einen Zuschuss benötigen.
Neue Sozialstaatsarchitektur
Im internationalen Vergleich gebe es in jenen Staaten vermehrt Probleme, die vorrangig auf monetäre Hilfe anstelle der sozialen Infrastruktur setzten, berichtete Wifo-Experte Alois Guger. Es brauche eine neue Sozialstaatsarchitektur, welche die "produktiven Elemente" wie Betreuung der Alten oder Einrichtungen für Kinder betone. Für Wien bedeute dies, den Sach- und Dienstleistungsbereich weiter auszubauen, verwies Wehsely etwa auf den Gratis-Kindergarten, neue Pflegewohnhäuser oder das geplante flächendeckende Ganztagsschulangebot. (APA)