Russland will angeblich Internetverkehr via Ostsee-Pipeline umleiten

25. Februar 2010, 12:32
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Laut finnischen Experten - Offenbar soll Datenkontrolle durch schwedische Sicherheitsbehörden vermieden werden

Russland will nach Ansicht finnischer Experten seinen Internetdatenverkehr künftig über die Route der geplanten Ostsee-Erdgaspipeline Nord Stream umleiten. Der Chef der finnischen Internet-Anbieterplattform Ficix, Jorma Mellin, schätzt dass rund die Hälfte des gesamten russischen Internetverkehrs ins Ausland derzeit über Finnland und Schweden läuft.

Weniger Gebühren, weniger Überwachung

Durch die Verlegung eines Breitbandkabels entlang von Nordstream könnte Russland nicht nur die Kabelgebühren bei den finnischen Anbietern einsparen, sondern auch der Daten-Überwachung durch die schwedischen Sicherheitsbehörden umgehen. Der Sprecher des in der Schweiz ansässigen Pipeline-Konsortium Nord Stream, Sebastian Sass, sagte gegenüber der finnischen Nachrichtenagentur STT, Nord Stream habe keine derartigen Pläne und keine entsprechenden Angebote erhalten. Sass räumte jedoch ein, dass es "eigene Prozesse" außerhalb der eigentlichen Erdgasleitung geben könnte, auch wenn zumindest im Augenblick nichts Derartiges im Gang sei.

Sicherheitsrisiko

Seit dem Inkraft-Treten des auch als Abhorchgesetz bekannten, schwedischen "FRA-Gesetzes" im vergangenen dürfen schwedische Ermittler auch auf den finnischen und russischen Datenverkehr zugreifen, insoweit er physikalisch über Schweden stattfindet. Laut Anbietervertreter Mellin würde die Umleitung des russischen Datenverkehrs für Finnland ein Sicherheitsrisiko mit sich bringen, da Moskau dann kein eigenes Interesse mehr hätte, auch finnische Infrastruktur vor Hackern und anderen Angriffen aus dem Internet zu schützen. Das Problem ist laut STT auch der finnischen Armee zumindest bewusst. Armeesprecher Eero Karhuvaara bezeichnete die möglichen Pläne Russlands zur Datenumleitung als "interessant aber nicht besonders bedrohlich".(APA)

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