Nachlese

"Die Gegend wird fad ausschauen"

24. Februar 2010, 21:01
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    foto: standard/newald

    Bei strahlendem Wetter beobachten Schaulustige die Sprengung der beiden Masten: Der kleinere fällt um kurz vor 13 Uhr, der große (im Bild) um Punkt 15 Uhr

Die Masten am Wiener Bisamberg wurden gesprengt - 200 Schaulustige waren dabei, ein Anrainer protestierte

Wien - Für Wolfgang Hellnwein schließt sich ein Kreis: „Ich war 1959 mit 15 dabei, als sie angefangen haben, die beiden Masten aufzubauen", sagt er. Hellnwein steht auf einer Wiese am Bisamberg, die Lederhalbschuhe bis zu den Schnürsenkeln im Schlamm. Die strahlende Sonne lässt den Schnee schmelzen. Vis-à-vis, auf einer Anhöhe 500 Meter von der Wiese entfernt, stehen die beiden Masten der Sendeanlage Bisamberg.

In einer halben Stunde, Punkt 12 Uhr, soll der kleine, 120 Meter hohe Mast gesprengt werden, drei Stunden später, um 15 Uhr, der große. Mit 265 Metern Höhe ist er das höchste Bauwerk Österreichs. Hellnwein ist gekommen, um sich zu verabschieden. Seit 15 Jahren sind die Masten nicht mehr in Betrieb. Die Stahlseile, die sie stützen, hätten erneuert werden müssen, die Sprengung ist günstiger.

160 Häuser evakuiert

Die Wiese, auf der Hellnwein steht, ist eine von zwei Aussichts-Zonen, von der aus Interessierte die Sprengung beobachten können. Die Sender sind großräumig abgesperrt: 160 Häuser in der Umgebung wurden evakuiert, die Straße über den Berg gesperrt. Alle 50 Meter stehen Securities.

Etwa 200 Schaulustige sind auf die Wiese gekommen, die meisten ausgerüstet mit Videokameras oder Fotoapparaten. „Schön ist er ja nicht unbedingt", meint Elisabeth Kubesch. Die Pensionistin ist trotzdem hier, um den Fall der Sender zu filmen. Zu Hause hat sie den Videorekorder programmiert. Das Fernsehen überträgt die Sprengung, Frau Kubesch nimmt sie auf. „Nur um sicher zu gehen. Und für die Urenkerln."

Ebenfalls ganz sicher gehen will Martin Huck. Der Hobbyfotograf hat sich den Tag extra frei genommen. Bereits um zehn hat er seine Ausrüstung auf den Bisamberg gekarrt und baut gerade sein Stativ auf. Eine Sprengung hat er noch nie fotografiert. „So oft kommt das in Österreich ja nicht vor." Er kennt den Mast vom Spazierengehen. „Die Gegend wird fad ausschauen, wenn er weg ist", meint er. „Dann ist es einfach nur mehr ein Hügel."

Protest eines Anrainers

Um zehn vor zwölf ertönt die Sirene: Zwei kurze Töne kündigen an, dass gleich gesprengt wird. Dann knistert es im Funkgerät der Securities. „Sprengung auf unbestimmte Zeit verschoben." Ein Anrainer habe sich in seinem Haus festgekettet und weigere sich zu gehen. „So nach dem Motto: ‚Rettet den Sendemast‘", sagt die Sicherheitsfrau.

"Nur wegen so an Deppaten"

Bereits Wochen vor der Sprengung hatte der Mann protestiert. Auf einer Homepage rief er zu Spenden auf, um die Stützseile doch noch zu sanieren. Eine Million Euro hätte er dafür sammeln müssen - geglückt ist es offensichtlich nicht.
Das Grüppchen um Herrn Hellnwein wird langsam unruhig. Herr Huck schaltet die Kamera aus, um Batterien zu sparen. „Nur wegen so an Deppaten, der aus seiner Hüttn net außegeht", flucht ein älterer Herr. „Schneits eam auße", sagt ein anderer.
Der Aufforderung wird Folge geleistet: Eine halbe Stunde später „begleitet" die Polizei den Mann aus dem_Haus. Noch einmal ertönt die Sirene, dreimal kracht es, der kleine Mast knickt um. 

Vom Hügel hebt sich eine Staubwolke, von Florian Pfeffer eine schwere Last. Die vergangenen zwei Monate hat er diesen Moment vorbereitet, jetzt ist alles gutgegangen. Pfeffer arbeitet für Alpine Energie, jene Firma, die die Masten für die Rundfunksender-Gesellschaft sprengt. „Eine Sprengung ist immer außergewöhnlich", sagt Pfeffer. „Manche Dinge lassen sich einfach nicht beeinflussen." Der kleine Mast war ein Testlauf für den großen. Das System ist bei beiden gleich: Schneidladungen sprengen kleine Keile aus dem Mast, um sicherzugehen, dass er in eine bestimmte Richtung fällt. Sekundenbruchteile später werden die Stützseile abgesprengt, schließlich wird der Sender gefällt. Der Stahl wird in den kommenden Tagen weggeräumt und eingeschmolzen. 

Fünfmal knallt es

Pfeffers Mitarbeiter überprüfen, ob auch der gesamte Sprengstoff detoniert und der Mast komplett gekippt ist, bevor der zweite gesprengt werden kann. Um Punkt drei Uhr ist es dann so weit: Fünfmal knallt es, die Metallkonstruktion fällt, Österreich hat ein neues höchstes Bauwerk, den Donauturm. Vermissen wird Herr Hellnwein die alten Masten nicht. „Nur das rote Blinklicht an der Spitze wird mir in der Nacht abgehen." (Tobias Müller, DER STANDARD Printausgabe, 25.2.2010)

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Posting 1 bis 25 von 65
1 2
Bit Bürger
21
23.2.2011, 01:23
Für die denen was fehlt

einfach ein Windrad der neuesten Generation draufstellen. 150m hoch. Pfeifgeräusche und Eiswurf im Winter inclusive :-)

Mathias
 
00
21.12.2010, 12:38
Er kennt den Mast vom Spazierengehen. „Die Gegend wird fad ausschauen, wenn er weg ist", meint er. „Dann ist es einfach nur mehr ein Hügel."

Den Sudern kann abgeholfen werden. Die Stadtwerke sollen doch dort Windräder aufstellen, dann ist es nicht mehr "nur ein Hügel" ;-)

wollnase
00
??

etwa 200?

waren ja schon beim 2er-punkt mehr dort, bei der 2. sprengung (großer mast) noch mehr

Gilgamesh
13

„..."Die Gegend wird fad ausschauen“..“

LOL.

Eine Theorie:

Genau jene Leute die jetzt nörgeln, wie sehr ihnen der Mast abgeht, wären die ersten die "Umweltverschandelung" schreien würden, wenn dieser Turm erst jetzt dort gebaut werden würde....

d_ar1
012
27.2.2010, 02:33

Am Künigelberg kann der Sprengmeister gleich weitermachen.

Wooldeworth
00
14.10.2011, 15:17
Angesichts der dortigen Bausubstanz

wird er für das gesamte Gebäude genausoviel "Material" brauchen wie für die beiden Masten...

wurzen sepp
 
08
26.2.2010, 19:10
würde mich nur noch interessieren, wie

die leut reagierten, wenn man so was heut aufstellen wollte.

Gilgamesh
00

LOL...

Man sollte zuerst die Beiträge lesen, ich habe eben das selbe gepostet, sorry dafür....

parapente
11
26.2.2010, 10:30
Richtig so!


Weg mit den schiachen Stangln, die den Berg verunstalten!

Carlos Alberto Valderrama Palacio
00
du meinst

verschandln.

Kein Witz
00
21.8.2010, 13:15
Hügel, du meinst Hügel!

John Sandwich
00
25.2.2010, 17:30
Im Vergleich zu vielen anderen Orf-Programmen ...

... hat der Bisamberg bis zuletzt (= gestern) eines der besten ausgestrahlt!

Da gäb's viel Sprengungswürdigeres. (Ui, jetzt komm' ich sicherlich wegen §278a dran!)

Bodypainter
01
26.2.2010, 09:40
welches programm hat er denn ausgestrahlt bis GESTERN: das sendepause-programm?

John Sandwich
00
25.3.2010, 20:42
super-bingo!

Heinz Anderle
 
04
26.2.2010, 22:00
Das Radio-...

...-Testbild.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Marlon62
00
27.2.2010, 13:08
*ROFL*

Geh bitte!
018
25.2.2010, 13:53
Jede Wette...

...genau die, die für den Erhalt des Masts geschrien haben, würden protestieren, wenn jetzt einer gebaut werden würde.

kasperl-und- Petzi
01
22.2.2011, 16:52

oder eine Umfarhung gebaut oder ein Kraftwerk eine Garage in Wien, oder sonst was.

ist ja immer das gleiche die Leute wollen keine Aenderungen. Was der Bauer ned kennt....
Am ende ists egal was fuer eine Aenderung.

Das sich der Herr angekettet hat erinnert mich an Castor transporte, Windkraftgegener oder Stuttgart demonstranten.
Ich weis schlechter Vergleich aber es erinnert mich einfach an das gleiche.

Am ende verbrauchen dann alle den Strom oder fahren auf der Zuglinie oder Umfahrung.

Freudenauer Chamotte Fabrik
20
25.2.2010, 13:51
die wurden gesperrt? wieso hat man sie nicht gleich gesprengt?

straßenkehrer
05
25.2.2010, 13:26
Für viele Menschen -

war dieser Sender seit Jahren und Jahrzehnten ein vertrautes Bild, an das sie gewöhnt waren und wenn soetwas plötzlich verschwindet, hat das für manche wahrscheinlich die psychologische Wirkung als ob sie ein realen, persönlichen, Verlust erlitten hätten.

Ich nehme daher an, dass es keine schlechte Idee wäre, wenn die ORS an Interessenten, kleine Konstruktionsteile des Senders, sozusagen als Souvenir verkaufen würde, wobei man den Erlös ja einem guten Zweck zuführen könnte.

Ich würde mir so ein Stückl Sender jedenfalls sofort kaufen und wer weiß, wenn man mit dem Ohr nahe genug an so ein Eisentrum herangeht, hört man vielleicht noch gelegentlich "grüß Euch die Madl, servas die Buam".

Einst Erwin, jetzt wieder Hund...
00
25.2.2010, 13:18
"Die Gegend wird fad ausschauen"


Womit natürlich die Windfarmen ein bisschen weiter nördlich erheblich aufgewertet werden!

Ringweltler
01
25.2.2010, 11:49
Bisamberg - was ist das?

Ewig schade, dass man diese zwei Antennen gesprengt hat. Sie waren ein Symbol ... sie zeigten, dass sich dort der Bisamberg befindet (der ja nicht wirklich hoch herausragt). Hätte ich früher von dem Schwachsinn erfahren, wäre ich gerne nochmals hinauf gegangen ... im Sommer.

A Voice
00
25.2.2010, 17:49
Na, der Bisamberg

steht eh noch - so klein ist er wieder nicht, daß ihn die Sprengungen weggeputzt hätten ;-)

Die dritte Seite der Medaille
01
28.3.2010, 16:50

ja schon, aber wie soll man ihn finden, ohne diese deutliche Markierung?

Wooldeworth
00
14.10.2011, 15:19
Warum sollte man ihn erst suchen?

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